Gewerbeverein warnt: „Eving könnte zur Geisterstadt werden“

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Die Corona-Krise setzt Händlern und Handwerksbetrieben zu. Der Gewerbeverein in Eving appelliert an Kunden, vor Ort einzukaufen – aus Sorge, dass die Hälfte der Läden auf der Strecke bleiben könnte.

Eving

, 29.04.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie ist die aktuelle Lage für die Evinger Gewerbetreibenden in der Corona-Krise? Um Fragen wie diese zu besprechen, haben wir uns (natürlich in gebührendem Abstand) mit Meik Hibbeln, Michael Döbbel und Ingo Plettner vom Gewerbeverein Eving zum Interview getroffen.

Hallo Herr Hibbeln, hallo Herr Döbbel, hallo Herr Plettner, die Stimmung ist mies, oder?

Ach, die Stimmung ist gar nicht so mies, aber die Lage ist natürlich schon sehr ernst. Wir haben Sorge, dass am Ende die Hälfte der Betriebe auf der Strecke bleiben könnte und Eving zur Geisterstadt wird.

So schlimm?

Problem ist ja, dass das Stück Fleisch, das jetzt nicht verkauft wird, auch am Ende der Krise nicht doppelt verkauft wird. Die Miete muss weiter bezahlt werden, und auch Kredite, die die Gewerbetreibenden jetzt aufnehmen, müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Ein anderes Problem sind die unterbrochenen Lieferketten. Wenn eine Boutique jetzt nicht die Sommermode bekommt, weil sie nicht produziert und geliefert wird, kann sie nur noch das abverkaufen, was sie auf Lager hat. Das reicht aber nicht lange. Wir wissen von einem Betrieb, den wir aber hier noch nicht nennen können, der schon pleite ist.

Können Sie als Gewerbeverein etwas tun?

Wir sind natürlich in ständigem Kontakt mit den Betrieben und informieren sie über alle Neuigkeiten. Aber viel können wir leider nicht tun. Wir können allerdings dringend an die Kunden appellieren, vor Ort in Eving einzukaufen, um die Händler zu stärken.

In der Krise sind jetzt natürlich auch kreative Ideen gefragt. Sind die Evinger da gut aufgestellt?

Naja, viele Umstellungen brauchen natürlich auch ihre Zeit – allein schon, weil es für alles Genehmigungen und allerlei Papierkram braucht. Vielleicht sollte man auch nach der Krise mal darüber nachdenken, das einfacher zu handhaben. Und die Digitalisierung, die bisher nicht stattgefunden hat, kann man den Leuten ja jetzt auch nicht innerhalb von ein paar Tagen mit dem Hammer einbläuen. Beispiele für kreative Ideen sind Haus Töpfer am Bauernkamp, das seine beliebten Rippchen donnerstags jetzt auch außer Haus verkauft – ein Riesenaufwand übrigens –, und ein Schlosser, der neuerdings Flüssigseifenspender herstellt. Der möchte aber nicht namentlich genannt werden. Und Scheipers Mühle hat noch nie so viel Mehl verkauft wie gerade jetzt.

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Wie sieht es ansonsten bei den Handwerksbetrieben aus?

Viele Aufträge werden storniert, weil die Auftraggeber in diesen Zeiten lieber ihr Geld zusammenhalten wollen. Außerdem gibt es Auflagen, die wir einhalten müssen. Zum Beispiel dürfen immer nur Zweierteams gleichzeitig arbeiten. Dann würde aber beispielsweise der Anstrich einer Fassade einen ganzen Monat oder so dauern.

Und wie steht’s um die Veranstaltungen des Gewerbevereins?

Das Osterfeuer, auf das sich immer sehr viele Menschen freuen, ist ausgefallen. Die Stadt hat ja eh alle Osterfeuer verboten. Noch ist nicht klar, ob die Kohlenkirmes stattfinden kann. Zwar sind die Cranger Kirmes und auch das Münchner Oktoberfest, die ungefähr zur selben Zeit geplant waren, abgesagt, aber unsere Kohlenkirmes kann man natürlich nicht mit diesen Riesenveranstaltungen vergleichen. Da müssen wir einfach noch etwas abwarten.

Apropos Kirmes: Wir fanden toll, dass Schausteller Patrick Arens neulich seine Kirmesorgel vor dem Awo-Seniorenheim am Süggelweg aufgestellt und gespielt hat.

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