Gewalttaten: Wenn Kinder und Jugendliche zum Messer greifen

dzBewaffneter Überfall

Straftaten mit Messern werden gefühlt gerade bei jungen Leuten häufiger. Zuletzt stach ein 14-Jähriger in Lütgendortmund zu. Doch haben wirklich so viele Jugendliche und Kinder Messer dabei?

Lütgendortmund

, 07.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind erschreckende Zahlen, die die NRW-Polizei seit dem 1. Januar 2019 erhoben hat. In Dortmund hat es seitdem bis einschließlich August dieses Jahres 609 Straftaten gegeben, bei denen Messer zum Einsatz kamen.

Ursprung der Erhebung war das Gefühl erfahrener Ermittler, dass bei Auseinandersetzungen immer öfter Messer eingesetzt werden. Zuvor schlossen die Zahlen Taten mit Messern als Waffen zwar ein, darunter fielen aber beispielsweise auch Taten mit Schusswaffen.

Die Veränderung der Erhebung sei ein wichtiger Schritt, so Polizei-Pressesprecher Peter Bandermann. „Messer sind für die Polizei kein Phänomen, das in den vergangenen Jahren aufgetaucht ist – Messer sind schon seit Jahrzehnten ein Thema“, erklärt er.

16-Jähriger wird mit Messer angegriffen

Zuletzt wurde ein 16-Jähriger Dortmunder am 12. September im Zuge einer Prügelei mit einem Messer schwer verletzt. An der Westermannstraße in Lütgendortmund wurde der Jugendliche zunächst von einem anderen Jugendlichen angesprochen, dann von zehn bis zwölf Jungen attackiert.

Ein 14-Jähriger zog schließlich ein Messer und verpasste dem Opfer drei Stichwunden, von denen glücklicherweise keine lebensgefährlich war. Der Fall taucht aufgrund der Tatzeit bislang nicht in der Statistik auf, die nur bis August reicht.

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Doch der Trend ist klar. „Was früher die Fäuste waren, sind heute die Messer“, sagte Polizei-Sprecher Oliver Peiler bereits im Januar 2019. „Erfahrene Ermittler der Kriminalpolizei haben das Gefühl, dass Auseinandersetzungen auch unter Jugendlichen zugenommen haben.“

Laut Statistik war 2019 (Januar bis Dezember) und ist 2020 (Januar bis August) jeder dritte Tatverdächtige, der ein Messer eingesetzt hat, unter 21 Jahre alt. „Messer sind ein Alltagsgegenstand und für Kinder nicht nur interessant, sondern auch wichtig: Schon im Vorschulalter erlernen sie den sicheren Umgang damit, zum Beispiel in der Küche“, sagt Peter Bandermann.

Polizei wirkt präventiv ein

Spätestens im Jugendalter gehe jedoch die Dortmunder Polizei mit dem Thema „Messer als Waffe“ auf Jugendliche zu. Jugendkontaktbeamten sprechen darüber mit Schülern. Vorrangiges Ziel sei die Vermeidung von Straftaten.

„Unser Kriminalkommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz sieht im ‚Mitführen von Messern‘ eine unterschätzte Gefahr“, sagt Peter Bandermann. „Denn eine Bewaffnung mit einem Messer, das das eigene Sicherheitsgefühl stärken soll, kann schnell zu einer Eskalation mit lebensgefährlichen und tödlichen Folgen für das Opfer und einschneidenden Konsequenzen für den Täter führen.“

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Sollten Eltern oder Lehrkräfte den Verdacht haben, dass bei einem Kind oder Jugendlichen ein Messer mitgeführt wird, sollten sie das Thema offensiv angehen und im Zweifel Taschen kontrollieren, so Peter Bandermann. Wichtig seien Gespräche über Erlaubtes und Verbotenes.

Die Jugendbeauftragten der Polizei unterstützen Eltern und Lehrer bei der Aufklärungsarbeit. Kriminalhauptkommisarin Stefanie Machein und Kriminalhauptkommissar Klaus Beisemann sind dazu unter Tel. (0231) 132 70 52 erreichbar.

Einhandmesser sind verboten

Hinzu kommt, dass für gewisse Messerarten bereits das Mitführen verboten ist. Dazu zählen sogenannte „Einhandmesser“, bei denen die Klinge auf Druck sofort aufspringt. Wer beim Mitführen eines solchen Messers erwischt wird, muss mit einer schriftlichen Verwarnung oder einem Bußgeld von bis zu 300 Euro rechnen.

Verstöße gegen das Waffenrecht kann die Polizei auch mit bis zu 10.000 Euro ahnden. „Andere Konsequenzen sieht das Strafrecht vor, wenn ein Messer zum Einsatz kommt“, sagt Peter Bandermann. „Bereits das Vorzeigen eines Messers, um einer Forderung durch Einschüchterung Nachdruck zu verleihen, kann sich strafverschärfend auswirken.“

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