Gesundheitsamts-Leiter Dr. Frank Renken rät zur Vorsicht bei der Bewertung der Zahlen zur Corona-Inzidenz. © Stephan Schütze
Corona-Pandemie

Gesundheitsamtsleiter alarmiert: Corona-Inzidenz liegt eigentlich höher

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen in Dortmund lag am Montag erstmals in diesem Jahr über 200. Doch diese Zahl ist eher beschönigend, ist der Gesundheitsamts-Leiter überzeugt.

Einen Wert von 203 weist das Robert-Koch-Institut (RKI) bei der Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner für Montag (19.4.) in Dortmund aus. Die Stadt selbst kam in ihren Berechnungen sogar auf einen Wert von 206, für Dienstag (20.4.) werden 219,8 gemeldet.

Doch selbst diese Zahlen dürften die aktuelle Lager eher beschönigen, meint Dortmunds Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken. Denn, je nach Altersgruppe, fällt die Inzidenz sehr unterschiedlich aus.

Was zur „Beschönigung“ der Zahlen beiträgt, ist vor allem die Inzidenz in der Altersgruppe der über 80-Jährigen, die in den ersten beiden Corona-Infektionswellen besonders stark betroffen war. Viele Menschen in dieser Gruppe sind inzwischen geimpft. Und das macht sich bei den Infektionszahlen auch deutlich bemerkbar. Die Inzidenz liegt in der Altersgruppe 80+ aktuell bei 47.

Jüngere sind stärker betroffen

Umso höher fällt sie bei den Jüngeren aus. Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die der Analyst Sebastian Mohr vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen aufgearbeitet hat, zeigen in der Altersgruppe zwischen 5 und 14 Jahren für Dortmund eine Inzidenz von 286,6, für die 15- bis 24-Jährigen von 285,42.

Zur Vervollständigung: In der Altersgruppe zwischen 35 und 59 Jahren liegt die Inzidenz bei 219, bei den 60 bis 79-Jährigen bei 127,27, bei den unter 5-Jährigen bei 136.

Renken führen die Zahlen zu dem Schluss, dass Dortmund in der Gesamtinzidenz ohne die Altersgruppe 80+ bei „deutlich über 230“ liegen würde und damit weiter sei als auf dem Höhepunkt der zweiten Welle. „Wir unterschätzen unsere Inzidenz, sie ist eigentlich wesentlich höher“, sagte der Gesundheitsamtsleiter am Dienstag (20.4.) nach der Sitzung des städtischen Verwaltungsvorstands.

Früheres Bremsen nötig

Seine Schlussfolgerung: Man müsse mit schärferen Maßnahmen schon bremsen, bevor die offizielle Inzidenz von 200 erreicht ist. Das ist für Renken auch die Erklärung für die Überlegung im Bundestag, die Grenze für die Pflicht zum Distanzunterricht an Schulen im Entwurf des neuen Infektionsschutz-Gesetzes von 200 auf 165 abzusenken. Renken: „Das heutige 200 ist das alte 160.“

Ein Nebeneffekt der ungleichen Betroffenheit der Altersgruppen: Die Zahl der Todesfälle, die anfangs vor allem die Menschen über 80 betraf, habe deutlich abgenommen. Umgekehrt sinke das Durchschnittsalter der Covid-Patienten in den Krankenhäusern, deren Zahl generell weiter steige, erklärte Renken. Aktuell sind rund 140 Covid-Patienten in stationärer Behandlung. Es nehme zugleich die Aufenthaltsdauer auf den Intensivstationen zu.

„Ich glaube, dass wir eine weitere Zunahme der Krankenhausbelegungen vor uns haben“, prophezeite Renken. Das Problem: Weil viele Plätze auf den Intensivstationen durch Covid-Patienten langfristig belegt seien, müssten viele andere Behandlungsfälle zurückgestellt werden, die etwa nach Operationen auf Intensivstationen behandelt werden müssten.

Auch dies könnte tödlich sein, warnte Renken. „Das sind sehr schwierige Entscheidungen, die in den Krankenhäusern getroffen werden müssen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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