Gerodetes Biotop: Gegen Hintermänner des Bauträgers läuft ein Betrugsverfahren

dzAnwohner-Sorgen

Seit November ist ein Biotop gerodetes Brachland. Ein Investor hat es gekauft, obwohl er es nicht bebauen darf. Gegen die Hintermänner aus Holland wird wegen Insolvenzbetrugs ermittelt.

Dortmund

, 09.12.2019, 04:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt gleich zwei Gründe, warum Anwohner in Eichlinghofen beunruhigt sind, wenn sie auf das im November gerodete Areal zwischen Stockumer Straße, Am Gardenkam und An der Panne blicken. Zum einen bedauern sie, dass das Biotop dort zerstört wurde. Doch noch mehr treibt sie die Sorge um, was mit dem Grundstück passieren soll – vor allem, nachdem die Hintermänner der 2017 gegründeten Lamassu Bauträger GmbH als Eigentümerin des Grundstücks bekannt geworden sind.

Es handelt sich um die beiden türkischen Brüder Ali und Bekir K., die in den Niederlanden leben und dort gleich in mehreren Geschäftsfeldern unterwegs sind: angefangen von Immobilien über Arbeitsvermittlung bis Gastronomie und Baufinanzierung. Bekir K. war bis April 2019 Geschäftsführer von Lamassu, sein Bruder Ali ist Prokurist des Unternehmens.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzbetrugs

Die K.-Brüder kommen aus Groningen. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts, Auftragnehmer am Bau betrogen zu haben, und wegen des Verdachts auf Insolvenzbetrug. Das bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion die Staatsanwaltschaft Nordniederlande. Das Verfahren müsse noch vor Gericht gebracht werden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bart Olmer.

Jetzt lesen

Wegen des Verdachts auf Steuerbetrug wurden die Brüder im Oktober 2019 vom höchsten niederländischen Verwaltungsgericht freigesprochen. Sie mussten aber laut der niederländischen Zeitung Dagblad Noorden mehr als 27.000 Euro Geldstrafe zahlen.

Ärger mit dem Rathaus in Groningen

Im Rathaus in Groningen wurde dieses Gerichtsurteil nicht mit Beifall aufgenommen. Schon Anfang 2017 stellte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Groningen, Peter den Oudsten, die Art und Weise in Frage, wie die Immobilienbrüder ihr Geld verdienen. Die Brüder, die sich zu Unrecht kriminalisiert fühlen, haben ihrerseits eine Schadensersatzklage gegen die Gemeinde Groningen angekündigt. Es geht auch um die Rücknahme einer Baugenehmigung.

Auf ihrer Internetseite erklärt die Lamassu Bauträger GmbH, sie sei „stets auf der Suche nach Grundstücken in attraktiver Lage in der Stadt und der umliegenden Region.“

Landschaftsschutzgebiet

Die Anwohner des Grundstücks an der Stockumer Straße hatten angekündigt, ihre Sorgen und Fragen in der Sitzung der Bezirksvertretung Hombruch am Dienstag (3.12.) zur Sprache zu bringen. Und das taten sie. „Wie weit sind die Pläne, dass dort etwas gebaut wird? Welche Pläne hat die Stadt?“, fragte eine Anwohnerin. Sie sprach von Gerüchten, wonach die Fläche bebaut werden soll.

Bezirksbürgermeister Hans Semmler (CDU) stellte klar: „Mehr als ein Gerücht ist es nicht.“ Die Fläche sei Landschaftsschutzgebiet und nur für landwirtschaftliche Nutzung vorgesehen: „Der Investor weiß, dass er hier nicht bauen darf. Und ich kann im Namen der Bezirksvertretung versichern, dass im Landschaftsschutzgebiet nicht gebaut wird.“

Gespräch mit Baubehörde

Allerdings kann der Bezirksbürgermeister nur für die Zeit der noch laufenden Legislaturperiode sprechen. Die endet nach den Wahlen im September 2020. „Was die Politik dann macht, kann ich nicht sagen.“ Er selbst wird dann nicht mehr Teil des Gremiums sein.

Laut Semmler prüfe das Umweltamt derzeit jedenfalls, ob während der Rodung im November „Mist gebaut“ wurde. Bislang spreche jedoch nichts dafür. Der Bezirksbürgermeister trifft sich am 12. Dezember mit Stefan Thabe, dem Leiter des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes, um über die Angelegenheit zu sprechen.

Lesen Sie jetzt