„Gemeinschaftsstärkende“ Programme fallen aus: Klassenfahrt in Gefahr

dzSchulen in Dortmund

Viele schulische Veranstaltungen sind während des Lockdowns ausgefallen. Dazu zählen zum Beispiel Fahrradscheinprüfungen, aber auch Klassenfahrten.

Wickede

, 27.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Beginn der Sommerferien geht ein Schuljahr vorbei. Von einem normalen Schuljahr kann in diesem Jahr aber wegen der coronabedingten Schulschließung keine Rede sein.

Nicht nur der Unterricht ist in dieser Zeit zum Teil ausgefallen und durch „Homeschooling“ ersetzt worden. Auch andere Projekte und Veranstaltungen, die den Kindern wichtige Inhalte über den Unterricht hinaus vermitteln, konnten nicht stattfinden.

Angela Bausch, Schulleiterin und Lehererin der Josef Grundschule in Wickede, kann fast ein Dutzend Projekte aufzählen, die gar nicht stattfanden oder nicht beendet werden konnten.

„Viele gemeinschaftsstärkende Dinge sind ausgefallen“, sagt sie. „Das ist für die Schüler, aber auch die Lehrer, die das alles vorbereitet haben, frustrierend.“

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Dazu gehörten unter anderem Sportveranstaltungen, das Schulfest und Ausflüge. Als katholische und „gesangsbetonte“ Schule wären die Ausfälle des Schulchors und der Gottesdienste für die Josef Grundschule laut Bausch besonders schade.

Zumindest den Abschluss-Gottesdienst für die abgehenden Viertklässler gab es unter den Hygiene-Bedingungen. „Dafür haben wir auch ein Lied vorbereitet, das jedes Kind einzeln eingesungen hat, und ein ehrenamtlicher Helfer zusammengefügt hat. Das hörten die Kinder dort zum ersten Mal“, sagt die Schulleiterin.

Angela Bausch ist Leiterin der Josef Grundschule in Wickede.

Angela Bausch ist Leiterin der Josef Grundschule in Wickede. © Angela Bausch

Andere Projekte könnten nicht so einfach nachgeholt oder weitergeführt werden. Dazu zähle zum Beispiel der Fahrradführerschein oder das pädagogische Theaterstück „Mein Körper gehört mir!“.

Letzteres ist eine Unterrichtsreihe, die Schülerinnen und Schülern zum Thema sexuellen Missbrauch sensibilisiert und den Kindern lehrt, wie sie sich in übergriffen und grenzüberschreitenden Situationen verhalten sollen und wie sie Hilfe bekommen können.

„Die dafür verantwortlichen Theaterpädagogen haben uns angeboten, die Aufführung nachzuholen. Das mussten wir leider ablehnen“, sagt Bausch. „Auch den Fahrradführerschein konnten wir nicht beenden.“

Das Nachholen des Theaterstücks „Mein Körper gehört mir!“ habe in den zwei Wochen, in denen die Schule bis zu den Sommerferien wieder geöffnet war, keine Priorität gehabt. „Die Lehrer waren froh, dass sie überhaupt wieder unterrichten konnten“, sagt die Lehrerin.

Dadurch, dass die Schule nicht alle Veranstaltungen in der kurzen Zeit nachholen konnte, falle die Vermittlung mancher Inhalte auf die Eltern zurück. „Wir als Schule möchten die Verantwortung nicht von uns wegweisen, aber wir brauchen Hilfe“, sagt Bausch.

Hauptfächer hatten Vorrang

Andere Inhalte könnten in das kommende Schuljahr verschoben und in abgespeckter Form vermittelt werden, für alle Programmpunkte sei das aber nicht möglich. Im Unterricht hätten die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch Vorrang gehabt. „Da uns ein paar Fachlehrer fehlen und wir wichtige Lerninhalte nachholen mussten, mussten andere Fächer leider ausfallen“, sagt die Schulleiterin.

Das „Lernen auf Distanz“, also zuhause mithilfe der Eltern, sei schwierig gewesen. „Das hing davon ab, wie viel häusliche Unterstützung die Kinder dabei bekommen haben“, sagt Bausch. „Bei manchen Eltern hat es aber Klick gemacht und die Schüler haben sich positiv entwickelt.“

Deswegen würde sie vor den Eltern, die trotz anderer Verpflichtungen viel geleistet haben, ihren Hut ziehen. „Wir konnten aus der Entwicklung der Kinder zuhause auch Schlüsse für unsere Arbeit in der Schule ziehen“, sagt Bausch.

Ein wichtiges Ereignis, das dem Coronavirus noch zum Opfer fallen könnte, ist die Klassenfahrt im kommenden Schuljahr, die im September stattfinden soll. „Ich finde das sehr wichtig, aber Stand jetzt ist mir persönlich das Risiko zu groß“, sagt sie. „Falls sich ein Kind anstecken sollte, müssten wir die ganze Reise abbrechen.“

Es gebe Überlegungen, ob statt einer Klassenfahrt Ausflüge gemacht werden. „Bis dahin kann es aber noch viel passieren“, sagt Bausch.

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