Am Dortmunder U versammelten sich an Wochenende mehrere hundert Menschen, um zu feiern. Für eine Dortmunderin offenbart der Polizeieinsatz an diesem Abend ein generelles Problem in der Stadt. © privat
Nachtleben

„Geht das so weiter, stirbt Dortmund als Großstadt langsam“

Für eine Dortmunderin offenbart ein Polizeieinsatz am U-Turm ein generelles Problem in der Stadt. Und seit Corona hat es sich, ihrer Meinung nach, noch verschärft.

Die Polizei hat in der Nacht von Freitag auf Samstag (24.7.) eine Ansammlung von etwa 500 Menschen, die rund um den U-Turm gefeiert haben, aufgelöst. An dem Einsatz gibt es Kritik.

Die übt auch die Dortmunderin Pia (26), die vor Ort war, aber nicht mit ihrem richtigen Namen genannt werden möchte. Der Einsatz verdeutliche für sie ein generelles Problem in Dortmund, das die Stadt seit Jahren forciere.

Ein Gesprächsprotokoll:

„Es fehlt an Akzeptanz und an Interesse für unsere Generation“

„Der Polizeieinsatz am Wochenende war exemplarisch dafür, wie in Dortmund mit jungen Menschen umgegangen wird.

Diese Stadt gibt jungen Leuten ohnehin schon wenig Räume, durch Corona sind es noch weniger geworden. Es fehlt an Akzeptanz und an Interesse für unsere Generation. Wir sitzen seit Monaten zu Hause. Wir können nicht in die Uni. Es fehlen Konzepte für Schule und Ausbildung. Wir können seit zig Monaten nicht zum Sport.

Dann haben wir mal wieder einen guten Abend, an dem wir seit Ewigkeiten mal wieder draußen sind und friedlich tanzen – also eigentlich perfekt für Corona – und dann kommt die Polizei, schreit dich an und zieht Schlagstöcke.

Ich verstehe ja, dass die Beamten eine gewisse Autorität ausstrahlen müssen und handeln müssen, wenn sie gerufen werden. Aber sie müssen doch eine überwiegend friedlich feiernde Gruppe nicht behandeln, als hätte sie es mit Leuten zu tun, die sich gerade vermummt haben und gleich Steine schmeißen.

„Gefühlt wird man überall verscheucht“

Aber es scheint, als würde man als junger Mensch in Dortmund genauso wahrgenommen. Es gab natürlich einen schlimmen Vorfall im Westpark und Schlägereien an der Möllerbrücke, aber das lässt sich doch nicht auf alle Menschen übertragen, die an diesem Abend oder danach dort waren.

Der überwiegende Teil ist friedlich und achtet auf die Corona-Regeln. Wir wollen uns doch extra draußen treffen. Gefühlt wird man aber überall verscheucht.

Wo sollen wir denn hin? Alle in eine Kneipe? Sollen wir eine Hausparty mit deutlich erhöhtem Ansteckungsrisiko feiern? Meine Freunde und ich sind einfach nur noch frustriert. Wir fühlen uns nicht gehört. Ja, fast ist es so, als wären wir ein unerwünschter Teil dieser Gesellschaft.

„Das ist ein Zeichen dafür, dass eine Stadt lebt“

Natürlich wird es mal laut, wenn sich Menschen treffen oder draußen unterwegs sind, aber das ist auch ein Zeichen dafür, dass eine Stadt lebt. Ich habe das Gefühl, viele, die hier leben und Verantwortung tragen, hätten Dortmund lieber leblos. Hauptsache es ist still, damit alle Anwohner in Ruhe schlafen können.

Wer will in einer Großstadt leben, die nachts nichts zu bieten hat? Ich bin Lokalpatriotin. Ich mag Dortmund. Aber schon vor Corona ging es hier mit dem Nachtleben bergab. Die jungen Leute, die nicht vor 0 Uhr ins Bett gehen, werden schon lange vergessen oder verscheucht.

„Dortmund hat Potenzial, aber das wird verschenkt“

Freunde, mit denen ich studiert habe und die nach Düsseldorf, Hannover und Münster gezogen sind, sagen alle, dass dort tausendmal mehr los als in Dortmund. Auch in Bochum geht abends mehr als hier, weil es einfach viel mehr Akzeptanz gibt. Hier wird jede Ansammlung, jeder umgekippte Bauzaun skandalisiert.

Es sollte doch im Interesse der Stadt liegen, dass sie jungen Menschen anzieht, dass sich die Studenten, die hierherkommen, wohlfühlen und nach ihrem Studium bleiben. Wenn es keine Angebote gibt, wird das in Zukunft aber immer schwieriger. Dortmund hat Potenzial, aber das wird verschenkt. Geht das so weiter, stirbt Dortmund als Großstadt langsam.“

Über den Autor
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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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