Geheimnisumwitterte Hohlräume im Untergrund legen Baustelle still

dzGiftige Gas-Rohre

Vermutet wird ein größerer Hohlkörper im Bereich der Harkortstraße und es gibt alte Leitungen, die scheinbar ins Nichts führen. Niemand weiß etwas - eine Baustelle gibt weiter Rätsel auf.

Hombruch

, 03.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es fing alles an mit einem verrosteten Schachtdeckel, der bei Arbeiten der Donetz im Bereich der Harkortstraße an der Einmündung zur Kieferstraße entdeckt wurde. Stromkabel sollten hier verlegt werden - das war im Juli 2020.

Das Problem hierbei: neben dem alten Schachtdeckel tauchten auch jede Menge alter Leitungen auf, die nirgendwo vermerkt waren. Ein weiterer Fund führte dann zu einem endgültigen Stopp der Baustelle.

Böse Überraschung nach ersten Arbeiten

Denn nachdem die alten Rohre gekürzt wurden, um die neuen Leitungen zu verlegen, gab es eine böse Überraschung. Nach Untersuchungen eines unbekannten Stoffes stellte sich dieser als Naphthalin heraus. Ein Stoff, der früher einmal in Mottenkugeln verwendet wurde, der aber auch in der chemischen Industrie seine Anwendung findet.

Die Durchfahrt von der Kiefer- auf die Harkortstraße bleibt bis auf Weiteres gesperrt.

Die Durchfahrt von der Kiefer- auf die Harkortstraße bleibt bis auf Weiteres gesperrt. © Jörg Bauerfeld

Zudem steht Naphthalin in dem Verdacht, Krebs zu erzeugen. Nicht die beste Nachricht, um weiterzuarbeiten. Die Bezirksregierung Arnsberg legte daraufhin die Baustelle still, die Baugrube wurde sicherheitshalber mit Sand, einer Schutzfolie und einer schweren Metallplatte verschlossen.

Industriehistorische Recherchen sind in Auftrag gegeben

Aber was nun? Die Stadt Dortmund hat jetzt das Büro Taberg aus Lünen mit einer industriehistorischen Recherche beauftragt. Denn bislang kann sich niemand erklären, was es mit den ominösen Rohren auf sich hat. Alle bislang vorgenommenen Untersuchungen gingen buchstäblich ins Leere.

Rostige Rohre, die ins Nichts laufen.

Rostige Rohre, die ins Nichts laufen. © Jörg Bauerfeld

Durch die Tatsache, dass die Rohre im Erdboden durch eine Lehmschicht abgeschirmt werden, hatten die durchgeführten geomagnetischen Untersuchungen keinen Erfolg.

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Damit jetzt doch Licht ins Dunkle kommt, hat sich die Stadt Dortmund entschieden, die Straßendecke im Baustellenbereich in bestimmtem Abständen zu öffnen, um so den Verlauf der mit Naphthalin gefüllten Rohre zu erkunden.

Alter Tank oder doch etwas anderes?

Bleibt noch der ominöse Schachtdeckel. Auch hier soll nachverfolgt werden, was sich für ein Geheimnis darunter verbirgt. Es scheint so, als ob sich hinter dem Deckel noch ein größerer Hohlkörper verbirgt. Vermutungen laufen in die Richtung, dass es sich dabei um einen alten Tank handeln könnte.

Genaueres ist aber noch nicht klar. Erste Vermutungen, dass es sich bei dem Hohlraum um den Einfüllstutzen (Domschacht) eines ehemaligen Heizöltanks eines benachbarten Hauses handeln könnte, bestätigten sich nicht.

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Aber wie geht es weiter? „Die weiteren Erkundungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher haben Donetz und Stadt entschieden, die zentrale Baugrube zu verfüllen und die Befahrbarkeit wieder herzustellen“, erklärt Tanja Becker (Pressestelle der Stadt Dortmund). „Der von den Arbeitsschützern der Bezirksregierung geforderte Arbeits- und Sicherheitsplan liegt mittlerweile vor, sodass mit den Arbeiten zur Restverfüllung am 7. September begonnen werden kann.“

Straßenabschnitt bleibt bis auf Weiteres gesperrt

Der Straßenabschnitt der Kieferstraße zwischen der Harkortstraße und der Leostraße bleibt erst einmal auf unbestimmte Zeit für den Verkehr gesperrt. Dort wird in den nächsten Tagen das direkte Umfeld des Schachtes erkundet. Denn die Möglichkeit besteht, dass es hier eventuell auch zu Tagesbrüchen kommen könnte.

Es bleibt also weiter ein Hombrucher Geheimnis, was sich einmal im Boden unter dem südlichen Stadtbezirk befunden hat. Bergbauexperten vermuteten schon, dass die ominösen Rohre einmal zu einer Kokerei-Gasleitung gehörten.

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