Gefängnis-Insassen dürfen seit März ihre Kinder nicht treffen

dzJustizvollzugsanstalt

Zweimal im Monat dürfen Gefangene der JVA Dortmund Besuch bekommen. Kleine Kinder, die nicht allein ins Gebäude gehen können, müssen aber draußen bleiben. Angehörige sind sauer.

Dortmund

, 17.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer im Gefängnis eine Strafe verbüßt, hat seine Lebensumstände in erster Linie sich selbst zuzuschreiben. Für eine Haftstrafe ohne Bewährung ist man schließlich in der Regel mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Doch das Ziel ist Resozialisierung – und das mit den sozialen Kontakten ist in Pandemie-Zeiten so eine Sache.

Besucher des Dortmunder Gefängnisses müssen vor Betreten des Gebäudes ihren Ausweis abgeben. Neu ist, dass sie ebenfalls noch vor der Haustür ein Formular unterschreiben müssen – mit der Erklärung keine Krankheitssymptome zu haben und mit keinen Corona-Infizierten Kontakt gehabt zu haben.

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„Die Corona-Pandemie hat in einer Vollzugsanstalt noch mal eine andere Bedeutung als im normalen Leben“, sagt Gefängnisleiter Ralf Bothge. „Denn wir können hier weder die Gefangenen noch in einer größeren Zahl die Bediensteten heim schicken, um sich in Quarantäne zu begeben oder eine Infektion auszukurieren.“

Das bedeutet, dass das JVA-Team alles dafür tut, das Coronavirus nicht in die Einrichtung zu lassen. Seit kurzer Zeit sind probeweise erst wieder externe Betreuer für Freizeitaktivitäten zugelassen. Besuch für die Inhaftierten ist erst seit Juli wieder erlaubt. Und das jetzt auch nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Familie beschwert sich über fehlenden sozialen Kontakt

Aus Ärger über diese Maßnahmen hat sich der Cousin eines Inhaftierten bei unserer Redaktion gemeldet: „Die Menschen dort haben schon so wenig Kontakt mit der Familie“, sagt der Mann: „Aber durch die Pandemie haben die keinen sozialen Kontakt mehr. Mein Cousin darf noch nicht mal seine Kinder in den Arm nehmen. Das ist sehr traurig.“

Vorher standen mehrere Tische im Besuchsraum an der Lübecker Straße verteilt, Besucher und Insassen konnten sich berühren. Corona-bedingt wurde nun aber umgebaut. Wie im Film sind die Menschen durch eine Scheibe getrennt.

JVA-Leiter Ralf Bothge zeigt die hölzernen Kabinen, in denen die Besucher durch Scheiben von den Insassen abgetrennt sind.

JVA-Leiter Ralf Bothge zeigt die hölzernen Kabinen, in denen die Besucher durch Scheiben von den Insassen abgetrennt sind. © Kevin Kindel

„Wir bedauern dies sehr, sind aber der festen Überzeugung, dass die Gesundheit der Beteiligten höhere Priorität haben muss und körperliche Berührungen dahinter zurückstehen müssen“, sagt Ralf Bothge. Die Angehörigen sprechen über Telefone miteinander, die nur interne Nummern anwählen können.

Auch zu den anderen Besuchern sind die Gäste seitlich abgetrennt – ebenfalls um Ansteckungen zu vermeiden. Das sorgt dafür, dass jedem Inhaftierten nur ein Besucher gegenüber sitzen kann. Für Kinder, die nicht allein zu Besuch kommen können, sei schlicht kein Platz, heißt es.

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Ließe man bei Beachtung des Mindestabstands mehrere Besucher pro Gefangenem zu, wären die Kapazitäten des Besuchsbereichs schnell erschöpft, sagt Bothge: „Das würde theoretisch dazu führen, dass insgesamt deutlich weniger Gefangene als bisher überhaupt in den Genuss eines Besuchs kommen könnten.“ Zweimal im Monat darf jeder Insasse 60 Minuten lang besucht werden. Vier Besuchsboxen gibt es nebeneinander.

Der Anstaltsleiter betont, dass das Team bemüht sei, den Insassen entgegenzukommen. In den Holzboxen hängen Bildschirme mit Kopfhörern - via Skype können sie auch mit Angehörigen sprechen, die nicht vor Ort sind.

Telefonate kosten für die Häftlinge nichts mehr

„Innerhalb der Anstalt sind wir auch etwas freizügiger als sonst“, so Bothge: „Wir lassen viel telefonieren und Telefonate kosten nichts mehr.“ Die Insassen würden generell viel Verständnis für die Maßnahmen zeigen, sagt der Leiter der Einrichtung.

Das Dortmunder Gefängnis hat normalerweise Platz für 405 Gefangene mit Haftstrafen bis zu drei Jahren. Rund 340 Plätze sind aktuell belegt: „Damit sind wir aber auch voll, weil wir Quarantäne- und Isolierstationen einrichten mussten“, so Bothge. Jeder neue Insasse muss zunächst 14 Tage lang in die Quarantäne-Abteilung.

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