„Das ist Rufmord“ – Wirtin erhebt schwere Vorwürfe gegen Gartenverein

dzRechtsstreit

Eiseskälte herrscht zwischen dem Gartenverein „Glück Auf“ und der Pächterin der dazugehörigen Gaststätte. Es geht um viel Geld, eine Räumungsklage und den Vorwurf, die Pächterin sei eine Mietnomadin.

Dorstfeld

, 30.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis zu 100 Gäste können derzeit zeitgleich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen in der Gaststätte „Glück Auf“ in Dorstfeld speisen. Doch der Tagesdurchschnitt liegt bei 5 bis 20 Gästen.

„Und das liegt nicht nur daran, dass manche sich wegen Corona Sorgen machen“, ist sich die Wirtin Jasminka Jurcevic sicher. „Ich wurde hier in Verruf gebracht.“ Sie hat die Gaststätte des Gartenvereins „Glück Auf“ 2016 übernommen.

Seitdem sei die Gaststätte oft ausgebucht gewesen. Sie sei sogar vom Gartenverein für ihr Engagement in der Gaststätte geehrt worden, so Jasminka Jurcevic. Doch inzwischen ist es mit der Harmonie vorbei.

Wirtin sagt, sie zahle mehr Nebenkosten als Pacht

Bei den Abrechnungen für die Jahre 2016, 2017 und 2018 sei ihr und ihrem Lebensgefährten aufgefallen, dass sie circa 30 Prozent mehr Nebenkosten als Pacht zahle, so Jasminka Jurcevic.

„Das haben wir dann alles anwaltlich prüfen lassen“, sagt die Wirtin. Aus Unterlagen der Kanzlei, die der Redaktion vorliegen, geht hervor, dass der Gartenverein „Glück Auf“ knapp 19.000 Euro Nebenkosten an Jasminka Jurcevic zurückzahlen müsste.

Zudem fehlen laut dem Anwalt wichtige Belege für die korrekte Abrechnung. Darüber hinaus seien unerlaubt Beträge auf Jasminka Jurcevic umgelegt worden, die eigentlich vom Verein zu bezahlen seien.

Der Gartenverein „Glück Auf“ wurde 1932 gegründet.

Der Gartenverein „Glück Auf“ wurde 1932 gegründet. © Frank Peters

„Es ist richtig, dass die Nebenkosten-Abrechnung nicht korrekt durchgeführt wurde“, bestätigt der Anwalt des Gartenvereins, Sebastian Deutschendorf. Die Abrechnung sei jedoch korrigiert worden. Das Ergebnis: Jasminka Jurcevic muss 3000 Euro Nebenkosten nachzahlen.

Verein braucht die Pachtzahlungen

Hinzu kommen inzwischen die Pachtzahlungen von April und Mai, die Jasminka Jurcevic auf Anraten ihres Anwalts hin zurückgehalten hat. „Das geht so bei einem gemeinnützigen Verein nicht“, sagt Sebastian Deutschendorf. „Bei einem kleinen Verein tun fehlende Einnahmen weh. Da geht es irgendwann an die Existenz.“

Der Gartenverein „Glück Auf“ führt deshalb eine Zahlungsklage über derzeit 10.000 Euro gegen Jasminka Jurcevic, die sich stetig erhöht, je länger sie die Pacht zurückhält. Hinzu kommt nach der Kündigung des Pachtvertrages zum 31. Dezember eine Räumungsklage.

Laut Sebastian Deutschendorf entbehren die Berechnungen des Anwalts der Wirtin jeder Grundlage. „Es handelt sich dabei anhand des einzigen Schreibens, das wir bekommen haben, lediglich um die Aussage von Frau Jurcevic.“

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Es müsse nun gerichtlich geklärt werden, welche Summe von welcher Seite beglichen werden müsse. Jasminka Jurcevic möchte ihre Gaststätte indes bis Ende des Jahres so normal wie möglich weiterführen. Doch das sei ihr mit zwei Aushängen des Gartenvereins kaputt gemacht worden, so die Wirtin.

Aushang bezeichnet Wirtin als „Mietnomadin“

Diese hingen in allen sechs öffentlichen Schaukästen auf dem Gelände. Die „Informationskampagne der Pächterin“ zwinge den Verein zu einer Aussage über den aktuellen Sachstand, heißt es im ersten Aushang.

Jasminka Jurcevics Verhalten komme dem einer Mietnomadin gleich, ihre Geldforderungen seien haltlos. Im Gegenteil: Sie schulde dem Verein sogar Geld, da sie die Pacht einbehalten habe. Der Gartenverein droht in dem Aushang mit einer Räumungsklage.

Das sei so nicht in Ordnung gewesen, räumt Sebastian Deutschendorf ein. Der Aushang sei deshalb schnell entfernt worden. Ein zweiter, kürzerer gibt die Situation sachlicher in Stichpunkten wieder.

Stattdessen laufe eine Unterlassungsklage gegen Jasminka Jurcevic. Dabei gehe es um Verleumdungen der Vorstandsmitglieder. Die Wirtin sieht die Situation ganz anders. Die Aushänge des Gartenvereins seien nach der Wiedereröffnung des Restaurants ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Einbehaltene Pacht liegt bereit

„Ich habe mich gefreut, dass ich wieder öffnen darf und dann so etwas“, sagt sie. „Das ist Rufmord. Ich habe meine Pacht immer pünktlich bezahlt. Aber der Anwalt riet mir, von meinem Zurückhaltungsrecht Gebrauch zu machen, solange der Verein nicht auf meine Forderungen eingeht oder die Belege vorlegt.“

Die ausstehende Pacht habe sie beiseite gelegt und könne sie sofort auszahlen, wenn der Verein entsprechend handele, so die Wirtin. Auf die Aushänge reagierte sie mit einem Schild am Restaurant-Eingang.

Darauf bezeichnet sie die Vorwürfe des Vereins als unwahr und weist auf die aktuellen Öffnungszeiten sowie die Möglichkeit hin, in der Gaststätte „Glück Auf“ Feierlichkeiten unter Einhaltung der Corona-Regeln zu veranstalten.

„Mir ist einfach sehr viel Geld verloren gegangen“, sagt Jasminka Jurcevic. „Erst kamen die Absagen wegen Corona, jetzt weil die Leute wegen der Aushänge unsicher sind, wie lange wir noch hier sind. Aber wir sind ja noch hier.“

Gericht muss Situation klären

Und das könne sie auch bleiben, da der Vertrag ordnungsgemäß erst zum Ende des Jahres gekündigt sei, so Sebastian Deutschendorf. „Wichtig ist nur, dass die Pacht nicht weiter einbehalten wird“, sagt der Anwalt.

Dann müsse nur noch gerichtlich geklärt werden, ob Jasminka Jurcevic die 3000 Euro zahlen muss. „Ich finde traurig, dass es so enden muss“, sagt die Wirtin. „Wir haben uns hier immer um die Gäste gekümmert und waren sehr beliebt.“

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