Karstadt-Schließung: Eine Stimmung „wie im Krieg“

dzGaleria Karstadt Kaufhof

Der Schock sitzt tief: Karstadt, Karstadt Sport und Kaufhof in Dortmund sollen schließen. Für viele Mitarbeiter endet damit mehr als nur ein Job. Eine Verkäuferin berichtet, wie es ihnen geht.

Dortmund

, 23.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für diese Mitarbeiterin ist Karstadt in Dortmund wie eine Familie. Auf ihre Kollegen kann sie sich verlassen, ihre Kunden hat sie gern, sie mag die Arbeit. Am Freitag erfuhr sie, dass das alles nun vorbei sein soll. „Wir haben alle geheult“, sagt sie am Montag. Der Schock sitzt noch immer tief.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt in Dortmund seine Filialen. So hat es das Unternehmen angekündigt. Karstadt Sport am Hansaplatz soll ebenfalls dicht machen. Hinter der Schlagzeile stehen die Menschen, die in dem Unternehmen arbeiten - und die spüren, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen werden soll.

Die Mitarbeiter hätten dies - wie alle anderen auch - erst am Freitag erfahren. Niemand sei darauf vorbereitet gewesen. Niemand habe vorher gefragt, wie sie das Unternehmen verändern würden, welche Ideen sie hätten, sie, die jeden Tag mit den Kunden zu tun hätten, die genau wüssten, was diese wollten.

Kampf ums Kaufhaus: „Wir schreien gerade um Hilfe“

Nach dem Heulen kamen Wut und Entschlossenheit hinzu. „Wir wollen deutlich machen, was Karstadt in Dortmund bedeutet“, sagt die Mitarbeiterin. Dazu wollen sie die Bevölkerung ins Boot holen und den Oberbürgermeister. Seine Hilfe sei nun gefragt. „Wir schreien gerade um Hilfe“, sagt die Verkäuferin und sucht die Unterstützung der Menschen. Die sollen Karstadt nicht einfach abhaken, sondern mit den Mitarbeitern für das Kaufhaus kämpfen.

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Die Kunden hätten sich am Samstag solidarisch gezeigt. Selten sei es so voll gewesen, sagt eine Verkäuferin. „Das war wie im Krieg“, sagt sie und meint die Stimmung. Alle seien bedrückt gewesen - und gleichzeitig sei es brechend voll im Laden gewesen. Eine Stimmung zwischen Verzweiflung, Trauer und viel Arbeit. Viele Kunden seien aber da gewesen, um den Karstadt-Leuten Mut zu machen. „Das war ganz toll.“

Mitarbeiter rücken enger zusammen

Die Mitarbeiter selbst rücken zusammen „Wir sind eine Familie. Jeder Kollege hängt einem am Herzen“, sagt die Verkäuferin. Werde jemand krank, springe jemand ein, viele haben auch privat viel miteinander zu tun. Gerade jetzt versuchten alle, zusammenzuhalten. Da spielten auch Streitigkeiten, die es unter den Kollegen mal gab, keine Rolle mehr.

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So richtig akzeptieren, dass es mit ihrem Karstadt nun vorbei sein soll, wollen die Mitarbeiter nicht. Die Gefühle sind gemischt. Einige Tage nach der Hiobsbotschaft schwingt noch immer Hoffnung mit, wenn die Mitarbeiter über Online-Petitionen der Schließung den Kampf ansagen: „Wir wollen sehen, dass sich noch was bewegt.“ Doch der Schock sitzt tief.

Der Name der Protagonistin ist der Redaktion bekannt.

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