Gänseplage: Wie Dortmund es geschafft hat, die Kanadagänse auszutricksen

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Kanadagänse sind eine Plage an vielen Seen im Ruhrgebiet. In Dortmund hat man die Tiere ausgetrickst – nicht nur am Phoenix-See. Allerdings könnte falsch verstandene Tierliebe zum Problem werden.

Dortmund

, 05.08.2020, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie bevölkern zu Hunderten den Phoenix-See, den Westfalenpark und den Rombergpark, verdrecken dort mit ihrem Kot Wege, Wiesen und Gewässer. Bis zu 170 Haufen hinterlässt eine ausgewachsene Kanadagans am Tag. In Dortmund war es 2017 mit bis zu 1000 Tieren so schlimm, dass ein Runder Tisch ins Leben gerufen wurde.

Dort haben sich unter der Leitung von Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter Vertreter der Stadtverwaltung, des Tierschutzvereins und der Unteren Jagdbehörde Gedanken darüber gemacht, wie sie den Wildgänsen den Aufenthalt in Dortmund vermiesen können, um ihre Populationen einzudämmen.

Woanders werden Kanadagänse in der Luft mit Drohnen bekämpft – oder gleich abgeschossen. Auch in Dortmund gab es 2017 einen sogenannten Vergrämungsabschuss, der den Rest der Vögel Mores lehren sollte. Die Tiere merken sich die Gefahrenquellen und bleiben weg. Dafür rücken aber andere nach. Die Tiere rotierten, tauschten sich mit der Population aus, erklärt Brandstätter: „Wenn irgendwo ein Platz frei wird, wird er von anderen besetzt.“

Grünen Teppich ausgerollt

Die Kanadagans ist eine sogenannte invasive Art, die schon vor mehreren Jahrhunderten in Deutschland heimisch geworden ist. Sie fühlt sich hier erst so richtig wohl, seit die Städte in den 80er- und 90er-Jahren angefangen haben, künstliche Parklandschaften zu schaffen mit Wasserflächen und kurzgeschorenen Wiesen - und vermehrt sich seitdem munter. Damit haben sie den Vögeln sozusagen den grünen Teppich ausgerollt in einen für sie idealen Lebensraum.

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„Gänse wollen bequem ins Wasser waten können, so wie Menschen, die barfuß ins Wasser gehen möchten“, erläutert Brandstätter. Und hier setzt das Gänsemanagement in Dortmund an. Die Uferbepflanzungen wurden geändert, der grüne Wiesenteppich ausgetauscht gegen eine pieksende und unübersichtliche Hindernisstrecke. Die von den Gänsen zuvor heimgesuchten Ufer sind jetzt bepflanzt mit Sträuchern und Ziergrasbüscheln.

Eier aus den Gelegen genommen

Und es gibt noch einen zweiten Ansatz: Den Kanadagänsen werden die Eier aus den Nestern weggenommen. Allerdings kenne man nur rund ein Fünftel der Gelege, sagt Brandstätter.

Und dennoch: Mittlerweile sei die Population der Tiere im Rombergpark, Fredenbaum und Phoenix-See um 40 bis 50 Prozent geschrumpft, berichtet der Zoodirektor: „Das zeigt uns, dass die ergriffenen Maßnahmen wirken. Wir schaffen einen künstlichen Lebensraum in den Parkanlagen, da muss man auch ein künstliches Regulat schaffen und das möglichst schonend für die Tiere.“

Konterkariert werden die Bemühungen des Runden Tisches aber immer wieder von Menschen, die aus falsch verstandener Tierliebe die Gänse füttern. Zudem setzen die Brotreste, die häufig im Wasser landen, den Gewässern zu.

Zufüttern ist Tierquälerei

Für Brandstätter ist das Zufüttern sogar Tierquälerei. „Damit wird den Gänsen mehr Nahrung vorgegaukelt, als die Natur für sie bereitstellen würde.“ Das wiederum führe zur Überpopulation und einem erhöhten Aggressionspotenzial der Tiere untereinander, aber auch gegenüber den Menschen. „Die Gänse fordern von ihnen ihre Nahrung ein“, sagt der Zoologe.

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„Die Gänse – ich betrachte sie als Bereicherung unserer Parklandschaft – haben durch das Zufüttern keine Chance, sich mit ihrem Bestand einzupendeln“, so Brandstätter. Nicht zuzufüttern sei das A und O bei der Eindämmung der Population.

Kann man Kanadagänse essen?

Kann man Kanadagänsen nicht mit Kochrezepten zu Leibe rücken? Er persönlich würde sie nicht essen, sagt der Zoodirektor: „Kanadagänse sind nicht vergleichbar mit Zuchtgänsen. Sie dürften sehr bitter schmecken.“

Dem widerspricht Andreas Schneider vom Jagdverband NRW: „Daraus kann man ganz leckere Sachen machen, zum Beispiel Wildwürste“ – auf der letzten Messe „Jagd und Hund“ in Dortmund konnte man das probieren.

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