Fünf Gründe, warum CDU-Mann Hollstein die OB-Wahl nicht gewinnen konnte

dzKommunalpolitik

Dr. Andreas Hollstein war fast so nah dran wie seine Vorgängerin Dr. Annette Littmann, den Chefsessel im Dortmunder Rathaus für die CDU zu erobern. Für sein Scheitern gibt es fünf Gründe.

Dortmund

, 28.09.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bevor Dr. Andreas Hollstein im vergangenen November vom Kreisvorstand und den Vorsitzenden der CDU Dortmund zum OB-Kandidaten nominiert wurde, hatte CDU-Parteichef Steffen Kanitz auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten beziehungsweise einer Kandidatin bereits an mehrere Türen geklopft.

Am Ende sollte Hollstein, der nach 20 Jahren Bürgermeister im sauerländischen Altena auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war, das Himmelfahrtskommando übernehmen; denn nichts anderes ist es, wenn man als CDU-Parteimitglied OB in Dortmund werden will.

Auch dieser Anlauf ist –wie der von Dr. Annette Littmann im Jahr 2014 – gescheitert. Und das aus fünf Gründen, die vor allem bei der CDU selbst zu suchen sind.

Das sind die fünf Gründe

1. Andreas Hollstein war als jemand, der von außen kam, intern nicht der Wunschkandidat von allen Dortmunder CDU-Mitgliedern, auch wenn er beim Nominierungsparteitag mit 98,5 Prozent (ohne Gegenkandidaten) auf den Schild gehoben wurde.

Während zwar die zweite Reihe der Parteispitze nach anfänglichen Startschwierigkeiten für ihn lief, fehlte doch am Ende die breite Unterstützung der Parteibasis beim täglichen Wahlkampf, um ausreichend Wähler für Hollstein zu mobilisieren.

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2. Ein Grund dafür war auch Corona, viele aus der Parteibasis hatten Berührungsängste im Wahlkampf aus Sorge, sich anzustecken. Zudem hat es Corona Hollstein als jemandem, der von außen kam und im persönlichen Kontakt gewinnt, besonders schwer gemacht, sich den Wählern vorzustellen. Große Wahlveranstaltungen mit vielen Multiplikatoren gab es nicht, und auch die Info-Wahlstände und die Haustür-Tournee funktionierten nur eingeschränkt und meist hinter einer Maske.

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Andreas Hollstein im Interview

3. Die CDU hat es nicht geschafft, einen Kandidaten aus Dortmund aufzustellen. Hollstein wurde das Image nicht los, als Sauerländer und Bürger einer Kleinstadt der Aufgabe, eine Großstadt wie Dortmund zu führen, nicht gewachsen zu sein. Immer wieder hieß es „Wir brauchen keinen Dorf-Bürgermeister aus dem Sauerland“. Diese vor allem von der SPD bemühte Kritik, hat sich in den Köpfen der Wähler verfestigt, zumal Hollstein, noch nicht tief genug in der Materie, in Diskussionen hier und da im Ungefähren bleiben musste, wo Westphal als Mitglied der Verwaltungsspitze den besseren Einblick und das klarere Konzept hatte.

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4. Auch wenn die Oberbürgermeister-Wahl eher eine Personenwahl als eine Parteiwahl ist, scheinen bei vielen Grünen-Anhängern trotz der Grünen-Wahlempfehlung die Vorbehalte gegen einen CDU-Kandidaten zu groß gewesen zu sein, selbst dann, wenn er ihren Themen wie Klima, Verkehrswende und Flüchtlingspolitik so nahe ist wie Hollstein.

Auf der anderen Seite haben die Christdemokraten bei den Vereinbarungen mit den Grünen zur gemeinsamen Projektarbeit in den Augen eines Teils der CDU-Anhängerschaft zu viele Zugeständnisse an die Grünen gemacht. Da fühlten sich die Konservativen bei Wirtschaftsförderer Thomas Westphal besser aufgehoben.

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5. Am Ende war es die CDU selbst, die in den wenigen Wochen vor der Wahl ein desaströses Bild abgegeben hat. Sie wirkt heillos zerstritten. In Lütgendortmund gab es eine Austrittswelle wegen der Aufstellung der Kandidatenlisten für Bezirksvertretung und den Rat, von Manipulation und Postenschieberei war die Rede. Ebenfalls in Lütgendortmund fehlten plötzlich drei Kandidaten auf der Wahlliste.

Streit gab es auch um das Bürgermeisteramt, noch bevor die Wahlen gelaufen waren. Und auch gegen Parteichef Steffen Kanitz gab und gibt es Rücktrittsforderungen. Aus den eigenen Reihen heißt es, die Partei sei führungslos.

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