Zahl der Krankmeldungen in Dortmund sinkt massiv – trotz oder wegen Corona?

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Die Anzahl der Krankschreibungen ist nach der Corona-Welle im März stark gesunken. Bei der Frage nach der Ursache sehen Dortmunder Krankenkassen ganz verschiedene Faktoren.

von Alexandra Wachelau

Dortmund

, 03.07.2020, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im März – als die Corona-Krise Deutschland erreichte – schnellte die Zahl der krankgeschriebenen Personen in die Höhe. Jetzt, über drei Monate später, verzeichnen die Krankenkassen einen deutlich geringeren Stand an Krankschreibungen – so niedrig wie lange nicht mehr. Dortmund bildet keine Ausnahme, im Gegenteil: Auffällig wenige Dortmunder melden sich krank. Ein gutes Zeichen?

„Auch wenn der Trend im April grundsätzlich abnehmend ist, ist dieser Effekt in diesem Jahr besonders deutlich zu erkennen“, sagt Bettina Kiwitt von der BIG-Krankenkasse am Westentor. Auch die Zahlen der ortsansässigen Continentale BKK und IKK classic belegen: Weniger Menschen melden sich mit Attest krank.

Krankschreibungen „fast 30 Prozent unter Vorjahresniveau“

Die Zahlen sprechen für sich. Die IKK classic hat im Mai für Westfalen-Lippe 35.062 Personen vermerkt, die krankgeschrieben wurden. Diese Personen waren für mindestens einen Tag arbeitsunfähig. Die IKK classic errechnet daraus eine Quote von 10,04 Prozent Krankschreibungen. Im Jahr davor waren es noch 14,35 Prozent. Ende Juni lag die Anzahl bei ihren Versicherten „sogar fast 30 Prozent unter Vorjahresniveau“.

Die IKK classic verzeichnet in Westfalen-Lippe einen markanten Rückgang von Versicherten, die sich krankschreiben lassen.

Die IKK classic verzeichnet in Westfalen-Lippe einen markanten Rückgang von Versicherten, die sich krankschreiben lassen. © IKK classic

Die bundesweiten Zahlen der BIG-Versicherung decken sich mit dieser Beobachtung. Haben sich im Mai 2019 noch 34.365 Personen krankschreiben lassen, waren es 2020 nur noch 19.168. 2018 meldeten sich im gleichen Monat 27.996 Personen krank.

Innerhalb von Dortmund sieht es ähnlich aus. Hier verzeichnet die BIG im März den bisher höchsten Stand an Krankschreibungen in diesem Jahr: 3102. Im darauffolgenden Monat halbierte sich der Wert auf 1493. Im Mai 2020 ließen sich nur noch 1121 Dortmunder krankschreiben – 938 Personen weniger als im Monat des Vorjahres.

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Trotz erleichterter Krankschreibung sinkende Zahlen

Auch die Continentale BKK verzeichnet abnehmende Zahlen in Dortmund. Von den Versicherten der BKK haben sich im März 240 Personen krankschreiben lassen. Im April 2020 haben sich dann 141, im Mai 2020 nur noch 108 Personen krank gemeldet. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im Schnitt 163 krankgeschriebene Personen pro Monat.

„Im vergangenen Jahr wurde das Arbeitsunfähigkeits-Geschehen durch eine Grippewelle im Februar beeinflusst“, sagt Dietmar Griese von der IKK classic. Laut Bettina Kiwitt von der BIG gebe es im Frühjahr meistens einen Anstieg der Krankheitsfälle, der im April wieder abnimmt. In diesem Jahr ist der Abstieg jedoch auffällig.

Bis Ende Mai reichte bei einer Atemwegserkrankung ein kurzer Anruf beim Arzt, um sich krankschreiben zu lassen. Trotzdem sinken die Zahlen der krankgeschriebenen Personen.

Bis Ende Mai reichte bei einer Atemwegserkrankung ein kurzer Anruf beim Arzt, um sich krankschreiben zu lassen. Trotzdem sinken die Zahlen der krankgeschriebenen Personen. © picture alliance/dpa

Dabei war es vom 9. März bis zum 31. Mai sogar sehr leicht, sich krankschreiben zu lassen: Bei leichten Erkrankungen der Atemwege reichte dafür ein kurzer Anruf beim Arzt. „Von dieser Möglichkeit haben die Versicherten also sehr verantwortungsbewusst Gebrauch gemacht“, resümiert Bettina Kiwitt. Das sieht auch die IKK Classic so: „Unsere Daten bestätigen, dass Ärzte und Patienten mit der (...) erleichterten Krankschreibung sehr verantwortungsvoll umgegangen sind“, sagt Dietmar Griese.

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Geringere Verbreitung von Krankheiten oder Angst vor dem Arzt?

Die Gründe können alle drei Krankenkassen noch nicht sicher nachvollziehen. Die BIG vermutet, dass durch die Corona-Maßnahmen – das Tragen einer Maske, die Abstandsregelungen – die Gefahr einer Infizierung anderer Krankheiten nicht mehr so hoch ist wie in den Vorjahren.

Die Arbeit im Homeoffice trage auch dazu bei. Nicht nur, dass der Kontakt mit Arbeitskollegen ausbleibt: „Zuhause kann man leichter etwas kürzer treten und verzichtet dann möglicherweise eher auf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“, sagt Bettina Kiwitt.

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Auch die Angst vor einer Corona-Infektion beim Artzbesuch könnte eine Begründung sein. Die IKK classic appelliert: „Bitte schieben Sie wichtige Arzttermine nicht auf und gehen Sie bei starken gesundheitlichen Beschwerden zum Arzt.“ Griese: „Sie können sicher sein, dass Praxen umfangreiche Hygienemaßnahmen umsetzen“.

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