Frust und Ärger nach dem Nein zur „Geister-Halde“

dzHalde Schleswig in Neuasseln

Seit Jahren stockt der Plan, die Halde Schleswig für die Bürger zu öffnen. Die Absage des RVR, den Hügel zu übernehmen, ist ein herber Rückschlag. Doch die Bürger vor Ort geben nicht auf.

Neuasseln

, 26.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frust und Ärger sind die überwiegenden Reaktionen vor Ort auf die Absage des Regionalverbands Ruhr (RVR), die Halde Schleswig an der Aplerbecker Straße zu übernehmen.

Seit vielen Jahren bemüht sich die Politik im Stadtbezirk, den künstlichen Hügel der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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„Das ist sehr enttäuschend“, kommentiert Norbert Roggenbach, kommissarischer Vorsitzender der Awo Asseln/Husen/Kurl. Die Halde wäre ein guter Naherholungs- und Freizeitraum gewesen. „Wir hätten sie auch gut in unsere Laufstrecken einbauen können.“ Nach 100 Jahren Umweltschädigung durch die Industrie müsste doch jetzt etwas für den Bürger getan werden. Die Stadt sei wohl nicht gewillt gewesen, mit einer Übernahme ihrerseits die Verantwortung für eventuelle Schäden bei einer öffentlichen Nutzung zu tragen. „Ein Urwald dort wäre eine nette Idee, auch fürs Klima“, nimmt Norbert Roggenbach die Entscheidung des RVR mit Humor. „Wahrscheinlich würden dort viele Brombeersträucher wachsen.“

Eine schmale Schicht Mutterboden über der Abdichtfolie

Auch Klaus Coerdt vom Heimat- und Geschichtsverein Asseln stimmt das Nein des RVR traurig. „Gern würde ich den schönen Blick von der Halde genießen.“ Der Asselner klärt auch über die unterschiedlichen Höhenangaben zur Halde auf. Einerseits ist von 148 Metern die Rede, andererseits heißt es, der höchste Punkt liege bei 45 Metern. „Es stimmt beides“, so Klaus Coerdt. Die „Asselner Alm“ liege 148 Meter über dem Meeresspiegel, aber 45 Meter über den Straßen der Umgebung. Bei aller Enttäuschung hat der Asselner Verständnis für das Verhalten des Eigentümers Thyssen-Krupp, das Areal seit Jahren abzusperren und nur zu besonderen Gelegenheiten, etwa für das Friedensgebet der Religionen, zu öffnen.

Die ehemalige Deponie sei aufwendig abgedichtet worden, damit keine Giftstoffe nach außen dringen. Die Schicht Mutterboden über der Folie hält Klaus Coerdt für „fragil“. Sie werde schon bei starkem Regen teilweise runtergeschwemmt, zur Bepflanzung seien nur Flachwurzler genommen worden. Prägend für das Denken bei Thyssen-Krupp sei eine Erfahrung aus dem Jahr 2010 gewesen, als die Teilnehmer einer ausnahmsweise erlaubten öffentlichen Wanderung im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahres auf der Halde nicht auf den Wegen geblieben und sogar auf dem Po den Abhang hinuntergerutscht seien. Thyssen-Krupp betrachte eine generelle Öffnung als zu riskant. Möglicherweise würden einige dann mit einem Mountainbike die Halde hinunterfahren wollen.

Eine lange Leidensphase für die Bürger

Nicht so milde geht Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD) mit der Stahlindustrie um: „Die Menschen vor Ort haben Jahrzehnte unter dieser Deponie gelitten. Wir haben gefühlt in jeder zweiten Sitzung der Bezirksvertretung über die Halde diskutieren müssen und über die Lässigkeit der Betreiber geflucht, die es einfach hingenommen haben, dass die Straßen total verdreckt, die Schilder nicht mehr lesbar waren und jeder, der an der Halde vorbeifuhr, die nächste Waschanlage ansteuern musste“, schildert der SPD-Politiker. „Das hat uns alle mehr als wütend gemacht. Vor allem die Reaktionen von Hoesch, später den Nachfolgern: Was stört es uns!“ Es sei hoher Druck nötig gewesen, bis dort eine Reifenwaschanlage für die Lastwagen installiert worden sei.

Nach der Schließung der Deponie seien die jahrelangen Rekultivierungsarbeiten mit Tausenden von Lkw gefolgt. All dies hätten die Bürger mit Blick auf die spätere Nutzung hingenommen. „Und das soll nun nicht klappen? Das werden wir nicht akzeptieren“, kündigt Czierpka kämpferisch an.

Die endgültige Entscheidung des RVR sei auch ein wichtiges Signal. Jetzt könne niemand mehr mit der vagen Hoffnung auf eine Übernahme andere Lösungen auf die lange Bank schieben. Es müsse eine Einigung zwischen Stadt und Thyssen geben, und die werde Geld kosten. „Jetzt wollen wir Erfolge sehen. Das Tor muss sich öffnen! Punkt!“

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