Die 7-Tage-Inzidenz für Dortmund und für ganz NRW liegt bereits drei Tage in Folge über der kritischen Marke von 100. © Kevin Kindel (Archivild)
Volle Hotspots

Frühling in Dortmund: Ordnungsamt stellt zahlreiche Verstöße fest

Viele Dortmunder wollten am Wochenende an die frische Luft. Vor allem an zwei beliebten Orten wurde es trotz des Lockdowns ziemlich voll. Das Ordnungsamt zieht eine erste Bilanz.

Schnee und Eis waren noch gar nicht überall weggetaut, da freuten sich die Dortmunder schon über das erste richtig warme Wochenende des Jahres. Bei knapp 20 Grad zog es die Menschen an die frische Luft – was an vielen Stellen zu Freude, an manchen aber auch zu Ärger führte.

Am Samstagmittag war der Wochenmarkt auf dem Hansaplatz in der City äußerst gut besucht. „Wäre auch schlimm, wenn das bei diesem Wetter nicht so wäre“, sagte eine Blumenhändlerin erleichtert. Eine Kollegin vom Gemüsestand sagte: „Die Leute sind ausgehungert nach Shopping und danach, Leute zu sehen.“ Das Geschäft laufe richtig gut.

Speisen und Getränke nicht auf dem Wochenmarkt verzehren

Es war viel los auf dem Platz, die Corona-bedingten Abstände wurden aber gut eingehalten, soweit unser Reporter das beobachten konnte. Städtische Mitarbeiter waren unterwegs, um Kunden auf die Maskenpflicht hinzuweisen.

„Es geht so“, antwortete einer der Männer auf die Frage, ob man viele Menschen ermahnen müsse. Die meisten würden gekaufte Speisen und Getränke direkt vor Ort verzehren und gäben an, nicht zu wissen, dass dies nicht erlaubt ist.

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Sonnen-Wochenende in Dortmund

Obwohl fast alle Geschäfte der City noch geschlossen sind, waren so viele Menschen unterwegs wie seit zwei Monaten nicht. Eine elektronische Passantenzählung auf dem Westenhellweg hat am Samstag insgesamt 12.171 Fußgänger erfasst. Das ist mit Abstand der höchste Wert seit Beginn des harten Lockdowns Mitte Dezember. Mehr als 10.000 Menschen hat das Portal Hystreet seitdem nie gemeldet.


In den größeren Grünanlagen wie Fredenbaum-, Hoesch-, West- oder Rombergpark kamen sich die Besucher am Wochenende nicht in die Quere – auch wenn viele Parkplätze belegt waren.

Richtig voll war es aber auf dem Robinson-Spielplatz im Westfalenpark, wo kaum jemand Mundschutz trug und nur sehr wenig nach Pandemie-Lockdown aussah. „Diese Rutsche da könnten wir mal ausprobieren“, sagte eine Besucherin. Und ihre Begleitung antwortete lachend: „Welche Rutsche? Ich seh nur Leute.“

Besonders auffällig war die Lage am Phoenix-See, wo Autofahrer nachmittags jede Menge Geduld haben mussten. Wer das Auto dann abstellen konnte, sah am Seeufer dermaßen viele Menschen, dass der Corona-Mindestabstand nicht überall gewährleistet war.

„Im wahrsten Sinne des Wortes Menschenmassen“

Vor den Imbissbuden bildeten sich lange Schlangen – da blieb stellenweise wenig Platz, um aneinander vorbeizugehen. Einige Gruppen sahen außerdem so aus, als wäre man da mit mehr als einer Haushalts-fremden Person unterwegs.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren im Einsatz, um die Corona-Regeln zu kontrollieren. „Der Phoenix-See war sehr gut besucht, teilweise waren im wahrsten Sinne des Wortes Menschenmassen unterwegs“, sagte Stadtsprecher Michael Meinders am Sonntagnachmittag: „Es gab zahlreiche Ansammlungen beziehungsweise Unterschreitungen des Mindestabstandes von 1,50 Metern.“ Er betonte, dabei zunächst nur über Freitag und Samstag sprechen zu können.

Zuallermeist seien die Besucher nach Ansprachen des Ordnungsamts einsichtig gewesen. Es gab aber allein am Samstag auch „zahlreiche“ mündliche Verwarnungen, Verwarngelder und Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten, so Meinders. Genaue Zahlen lagen ihm am Sonntag noch nicht vor.

Aufgefallen ist den Einsatzkräften nach Bürger-Beschwerden am Samstag außerdem der Tremoniapark im Kreuzviertel nahe der B1. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte seien dort etwa 20 Personen unerkannt geflüchtet. Am Nordmarkt hat sich eine Person geweigert, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und wollte auch dem anschließenden Platzverweis nicht nachkommen. Also wurde der Mann vorübergehend in Gewahrsam genommen, so Meinders.

Meinung

Dies ist nicht die Zeit für Hotspots

Extrem verständlich ist es, dass die Dortmunder das warme Wochenende an der frischen Luft verbringen wollten. Aber warum unbedingt am Phoenix-See oder auf dem Robinson-Spielplatz des Westfalenparks? Dort war es wirklich außergewöhnlich voll. Es gibt so viele schöne Ecken in Dortmund – dies ist doch eine gute Zeit, um neue Orte zu entdecken. Ich will nicht, dass sich alle einschließen. Aber während man am Phoenix-See fremden Menschen kaum aus dem Weg gehen konnte, war es im Fredenbaumpark total leer. Liebe Dortmunder, dies ist nicht die Zeit für Ausflüge zu Hotspots. Geheimtipps und neu für sich entdeckte Orte sind doch grade viel angesagter.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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