Der niederländische 90er-Jahre-Star des Abends im Dietrich-Keunig-Haus (25.9.) ist mittlerweile 50 Jahre alt. © Daniel Reiners
Nostalgie

Früherer Boygroup-Star in Dortmund – Hätten Sie ihn auf der Bühne erkannt?

Im Dietrich-Keuning-Haus ist ein Musikstar der 90er-Jahre aufgetreten. Dort spielte er vor einer überschaubaren Menge - und ließ seine Fans in Erinnerungen schwelgen.

Nicole war 14, als die englisch-niederländische Boygroup „Caught in the Act“ auf dem Zenit ihrer Karriere stand. Das war 1997, und die Band mit Benjamin Boyce, Eloy de Jong, Lee Baxter und Bastiaan Ragas tourte mit Hits wie „Love is Everywhere“ um die ganze Welt.

Mittlerweile ist Nicole 38, hat zwei Kinder und ist nicht mehr der Teenie-Fan, der sie einmal war. Als sie hörte, dass Bastiaan Ragas nach Dortmund ins Keunig-Haus kommen würde, stand für sie fest, dass sie dabei sein müsse, sagt sie:

„Mal für einen Abend in purer Nostalgie schwelgen, und schauen, wie der Bastiaan sich wohl so verändert hat“, sagt die Krankenschwester. Dann nehmen sie, ihre Schwester Jessica sowie eine überschaubare Zahl weiterer Gäste ihre Plätze ein, um den Niederländer auf der Bühne zu begrüßen.

Intime Konzert-Stimmung und viel Interaktion mit den Fans

Am Samstag (25.9.) ist der niederländische Sänger Bastiaan Ragas – mittlerweile 50 Jahre alt – im Dietrich-Keuning Haus aufgetreten. Der Auftritt bedeutete für ihn den ersten Auftritt in Deutschland seit der Corona-Pandemie. Ebenfalls der Pandemie geschuldet, war das Publikum an diesem Abend weit über den Saal verteilt, an runden Tischen mit um die fünf Personen pro Tisch.

Dementsprechend entspannt war Ragas, als der die Bühne betrat. Aufgrund der überschaubaren Menge war es kein Problem, gleich zu Beginn in Kontakt mit dem Publikum zu treten. Gemütlich setzte er sich dann ans Klavier, um zwei Balladen zu präsentieren. Die Fans, von denen einige die 40 schon lange überschritten hatten, mussten sich an diese Atmosphäre erst einmal gewöhnen. Nach dem Klaviereinstieg lockerte sich dann die Stimmung schnell.

„Wer im Publikum ist denn unter 30?“, fragt Ragas in den Saal. Kaum eine Hand hebt sich. „Und wer ist über vierzig?“ Deutlich mehr Hände gehen in die Höhe. „Geil. Ich liebe alte Frauen.“

Durch das Gelächter der Damen im Saal hindurch stimmt er einen zu diesem Spruch passenden Song an. Mit auf der Bühne stehen wenig später eine Pianistin sowie ein E-Gitarrist. Ansonsten wird viel Background-Musik vom Band abgespielt, aber die Stimme klingt doch eindeutig nach „live“.

Auf der Bühne im Keunig-Haus hatte Bastiaan Ragas am Samstag (25.9.) viel Gelegenheit, mit dem Publikum in Interaktion zu treten.
Auf der Bühne im Keunig-Haus hatte Bastiaan Ragas am Samstag (25.9.) viel Gelegenheit, mit dem Publikum in Interaktion zu treten. © Daniel Reiners © Daniel Reiners

„Das ist hier keine Kneipe, hört mal auf zu klatschen“, witzelt Ragas weiter, als zu der Cover-Version von „Verdammt, ich lieb‘ dich“ (Matthias Reim) erneut einige Ü-40-Hände klatschend in die Luft gehen.

Und tatsächlich: Ragas interpretiert den Song auf eine Weise, die eher Melancholie als Partystimmung überträgt. Für einen Mann im Publikum braucht es scheinbar sogar eine beruhigende Hand auf der Schulter und kurz darauf eine Packung Taschentücher.

„Caught in the Act“-Klassiker in abgespeckter Version

Aber natürlich dürfen bei dem Programm des früheren „Caught in the Act“-Frontmanns auch die altbekannten Klassiker nicht fehlen. „Love is Everywhere“ wird ohne Background-Musik, dafür mit Piano und Gitarre in einer abgespeckten Version präsentiert. Nach dem letzten Ton erheben sich die Fans dann von den Stühlen und machen einen Lärm, der auch auf hunderte Menschen schließen lassen könnte.

An diesem Abend herrscht jedoch eine intime Stimmung; die Fans können ihrem einstigen Teenie-Idol ganz nah sein – nach dem Konzert sogar näher als gedacht. Ragas steht für Fotos in einem Sessel (auf sicherem Corona-Abstand) zur Verfügung. Am Ende bekundet er, dass man ihn bald sicherlich nochmal im Keuning-Haus erleben könne. Entweder ihn alleine dort, oder aber andernorts mit seiner mittlerweile neu besetzten Band. Genau: „Caught in the Act“.

„Er ist schon irgendwie ruhiger und erwachsener geworden“, stellt Nicole nach dem Konzert fest. „Aber wie sollte es auch anders sein. Trotzdem hat sich der Nostalgie-Faktor bei uns absolut eingestellt.“

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