Innungs-Chef Frank Kulig lässt von Sonntag (31.1) auf Montag die Lichter in seinem Laden an. © Schaper
Existenzangst

Friseure in Dortmund: Rund ein Drittel vor dem Aus – Aktion soll „wachrütteln“

Die Corona-Krise trifft die Friseure hart. Gehen in vielen Läden in Dortmund bald für immer die Lichter aus? Mit einer besonderen Aktion machen Friseure auf ihre dramatische Lage aufmerksam.

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks will bundesweit ein Zeichen setzen und die Bevölkerung auf die dramatische wirtschaftliche Situation der Betriebe aufmerksam machen.

„Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ ist das Motto, für das auch die rund 140 Innungsbetriebe in Dortmund von Sonntag (31.1) auf Montag 24 Stunden lang das Licht in ihren Salons brennen lassen sollen.

Geht bald bei 35 Prozent der Friseursalons das Licht aus?

Seit dem 16. Dezember sind rund 80.000 Salons des deutschen Friseurhandwerks im zweiten Lockdown geschlossen. „Viele Kollegen stehen nicht mit dem Rücken zur Wand. Sie stehen an einer Klippe – und dann fallen sie tief“, sagt Frank Kulig, der Obermeister der Friseur-Innung Dortmund und Lünen.

Seit 50 Jahren steht der Meister selbst am Stuhl. In der Zeit habe er auch viele junge Leute ausgebildet. Mit anzusehen, wie besonders junge Kollegen in der Krise litten, tue ihm im Herzen weh.

Finanziell werde es für viele kritisch. Ein herzzerreißendes Video einer jungen Friseurin aus Dortmund hatte in den sozialen Netzwerken erst kürzlich für Aufmerksamkeit im Netz gesorgt.

Vorsichtig geschätzt, Kulig habe keine konkreten Zahlen, könnten wohl bei 35 Prozent der Läden in Dortmund für immer die Lichter ausgehen, wenn diese nicht zeitnah Hilfe kriegen: „Die Politik muss wach werden“, sagt der Friseurmeister.

Kunden und Friseure leiden unter Lockdown

Bis Mitte Dezember hatten Friseure ihre Läden öffnen dürfen. November- oder Dezemberhilfen gibt es keine. Viele der Stammkunden seien nach dem ersten Lockdown aus Angst aber weg geblieben, so Kulig.

Ein Kunde, der zur Risikogruppe gehöre, rasiere sich jetzt mit der Maschine aus Verzweiflung ganz die Haare ab. „Wir bilden doch nicht drei Jahre Friseure aus, damit sich jeder die Birne glatt rasiert.“

Und auch den Kunden, die alleine nicht zurecht kommen, darf der Friseurmeister nicht helfen. Eine Kundin etwa trage jetzt eine Schürze und beuge sich über die Toilette, während der Ehemann ihr Wasser über die Haare gieße, erzählt er. Kunden leiden und Friseure bangen um ihre Existenz, sagt er.

Friseure brauchen schnelle Hilfen

Die laufenden Fixkosten und die Beiträge für die Krankenkasse müssten gedeckelt werden, um das Überleben zu sichern, sagt der Innungs-Chef. Die Überbrückungshilfen müssten nun schnell und unbürokratisch gewährleistet werden, damit in vielen Läden nicht für immer das Licht ausgehe.

Ob er das Licht in seinem Laden in der Balkenstraße am Sonntag anlassen solle, darüber habe er nachgedacht. Wer sollte es brennen sehen, wenn niemand auf der Straße unterwegs ist? Er könne verstehen, wenn Kollegen sich gar scheuten, das Licht wegen ihrer finanziellen Not auszulassen. Für die Symbolik mache Kulig es dennoch.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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