Innungs-Chef Frank Kulig lässt von Sonntag (31.1) auf Montag die Lichter in seinem Laden an. © Schaper
Corona-Regeln

Friseure dürfen öffnen – doch in die Freude mischen sich neue Sorgen

Große Freude bei den Friseuren in Dortmund: Ab 1. März sollen sie wieder öffnen dürfen. „Diese Nähe zu den Kunden hat uns gefehlt“, sagt einer. Aber er sorgt sich auch vor dem, was nun kommt.

„Wenn ich gleich nach Hause komme, habe ich bestimmt noch viele Anrufe auf dem AB.“ So schätzte Frank Kulig nach einem langen Büro-Arbeitstag am Mittwoch die Lage ein.

Die Signale aus Berlin, von der Video-Schalte der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten: Ab 1. März sollen Friseure wieder öffnen dürfen, auch wenn viele andere Branchen noch im Lockdown bleiben.

Schwarzarbeit als große Verlockung

Kulig, Friseurmeister mit eigenem Laden in der Dortmunder Innenstadt und Obermeister der Innung vor Ort, kennt die Nöte seiner Kollegen. Viele hätten ihm das Leid weitergegeben in den vergangenen Wochen und Monaten: Gerade bei jüngeren Kollegen wird das Geld knapp.

Dem gegenüber steht die Verlockung Schwarzarbeit, allen Corona-Strafandrohungen zum Trotz. Zumal es ja auch Kunde gebe, die androhten: Schneidest du jetzt nicht, bin ich weg. Auch für die Zeit nach Corona.

„Friseur wird man nicht, um viel Geld zu verdienen“

„Wir haben so viel Schelte bekommen“, unterstreicht Kulig. Umso schöner, dass es bald wieder losgehe. „Ich freue mich darauf – und das geht all meinen Kollegen so – also: Wir freuen uns darauf, wieder für unsere Kunden da zu sein.“

Friseur werde man doch nicht, „um viel Geld zu verdienen“. Nein, es sei der direkte Kontakt zum Kunden. Das Lob – oder auch der Tadel – direkt nach dem Färben, Schneiden, Waschen, Legen.

Und das Begleiten, oft über Jahrzehnte: „Es ist kaum jemand so nah beim Kunden wie wir. Wen lassen Sie sonst freiwillig so nah an uns heran wie uns?“ Kulig überlegt: Den Hausarzt vielleicht, einen Masseur, den Psychotherapeuten, aber sonst?

Verlässliche Politik? Wann kommen Überbrückungshilfen?

Nun hofft Kulig, dass auch die Überbrückungshilfe zeitnah komme. „Mir ist unheimlich wichtig, dass wir von der Politik Verlässlichkeit und Ehrlichkeit bekommen.“ Was er zuletzt von den SPD-Bundes- und Landtagsabgeordneten

Sabine Poschmann und Volkan Baran gehört habe, bewahrheite sich nun. Auch da war eine rasche Öffnung Thema.

Zum Problem für viele Kollegen könnte aber eine neue Corona-Regel werden, die die Berufsgenossenschaft weitergeleitet habe: 10 Quadratmeter für jede im Raum befindliche Person, ohne Unterscheidung von Kunden und Mitarbeitern.

Neue Regel: Haben alle Mitarbeiter noch genügend Platz?

Kulig rechnet vor: In einem 48-Quadratmeter-Laden – und etwas in der Größe gebe es häufiger – wären dann nur noch zwei Mitarbeiter und zwei Kunden erlaubt. Falls es Mitarbeiter Nummer drei gibt, vielleicht auch als Azubi – was dann? Wer müsse dann draußen bleiben?

Doch am Mittwochabend überwog bei Kulig die Freude: „Warten wir erst mal an, was das Land NRW sagt. Jetzt haben wir erst nochmal 14 Tage Urlaub bekommen mit der Hoffnung, dass unsere Kunden die paar Tage auch noch aushalten.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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