Friseurbesuch mit Schutzmaske - ein Erfahrungsbericht

dzErster Tag der Wiedereröffnung

Normalerweise kann ein Friseurbesuch durchaus entspannend sein. In Zeiten von Corona bringt er aber einige Schwierigkeiten mit sich - und Dinge, mit denen man nicht rechnet.

Dortmund

, 05.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor knapp neun Wochen war ich das letzte Mal beim Friseur. Für jemanden, der sonst ungefähr alle vier bis sechs Wochen den Friseursalon seines Vertrauens aufsucht, eine ziemlich lange Zeit.

Kurz nachdem ich hörte, dass Friseure wieder öffnen dürfen, rief ich im Salon „Kopfarbeit“ von Fatma Kasmann in der Chemnitzer Straße an und vereinbarte für den ersten Tag der Wiedereröffnung einen Termin. Meine kläglichen Versuche, mir selbst scheinbar überflüssige Strähnen zu kürzen, mussten nämlich dringend ein Ende finden...

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Ich hatte Glück, dass ich mit meinem Terminwunsch früh dran war, „denn die erste Woche war direkt vollkommen ausgebucht“, erzählt Fatma dann am Montag, als ich um kurz vor 13 Uhr in dem Laden auflaufe. Kein Wunder also, dass vor dem kleinen Salon jetzt eine gepolsterte Bank steht, auf der die Kunden warten können, falls sie, wie in meinem Fall, zehn Minuten zu früh zum Termin aufschlagen und noch kein Platz im Salon frei ist.

Schutzmaskenpflicht auch in Friseursalons

„Nur so kann ich im Laden die Abstandsregeln einhalten. Ich habe keine Lust direkt ein Bußgeld bezahlen zu müssen“, betont Fatma. Doch die neuartige Freiluft-Wartelounge ist nicht die einzige Vorsichtsmaßnahme.

Ähnlich wie in anderen Geschäften ist auch das Betreten von Friseursalons nur mit einer Schutzmaske erlaubt. Also verkrieche ich mich unter meinem neuen Alltagsbegleiter, der mittlerweile schon so einige Einkaufstouren mitmachen durfte und jetzt auch seinen ersten Friseurbesuch erleben soll.

Haare müssen vorher gewaschen werden

Außer mir sind noch zwei weitere Kunden im Geschäft. In Fatmas Friseursalon werden alle Plätze mit Trennwänden voneinander abgeschirmt, sodass es sich für mich anfühlt, als würde ich in einer eigenen, kleinen Kabine sitzen. Doch bevor die ersten Haare Richtung Fußboden segeln, werden sie erst einmal gewaschen.

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Das hatte ich zwar eigentlich schon zuhause erledigt, allerdings gehört auch das obligatorische Haarewaschen zu den neuen Vorschriften, erklärt mir Friseur Bobby. Gemeinsam mit Fatma ist er an diesem Tag dafür verantwortlich, den ersten Kundenansturm nach der Zwangspause zu bewältigen.

Zudem steht auch im Friseursalon ständig Desinfektionsmittel griffbereit. „Ich habe mir heute schon unzählige Male die Hände gewaschen und desinfiziert. So sauber wie heute waren die vermutlich noch nie“, sagt Fatma.

„Man muss eine Pause machen, weil man sonst keine Luft bekommt“

Auch Bobby und Fatma müssen während der Arbeit eine Schutzmaske tragen. Dass das auf Dauer nicht sonderlich angenehm ist, ist offensichtlich. „Es ist wirklich anstrengend und manchmal muss man einfach mal eine Pause machen, weil man sonst keine Luft mehr bekommt“, erklärt Bobby.

Dabei sitzt beim Umgang mit der Maske aber ansonsten scheinbar jeder Handgriff. Als würde er seit Wochen nichts anderes machen, befestigt Bobby meine Schutzmaske so hinter meinen Ohren, dass er problemlos schneiden kann und die Gummibänder nicht im Weg sind.

Somit hat sich auch meine anfängliche Sorge, was denn mit den Haaren an der Seite passiert und wie das mit der Schutzmaske funktionieren soll, zügig in Luft aufgelöst.

Rasieren ist vorerst verboten

Schnipp, schnipp, schnipp... für einen Augenblick entsteht bei mir fast der Eindruck, dass es sich um einen ganz normalen Friseurbesuch handelt. Doch dieser kurze Moment der Normalität endet, sobald ich im Spiegel mein maskiertes Gesicht entdecke.

Bobby und Fatma Friseursalon "Kopfarbeit"

Für Bobby und Fatma wird der Mundschutz in den nächsten Wochen erst einmal zur neuen Arbeitskleidung gehören. © Marius Paul

Auch mir fällt das Atmen schwer, doch vermutlich ist mein Wunsch nach frischer Luft längst nicht so ausgeprägt wie der von Bobby. Schließlich wirbelt er mit Schere und Kamm um meinen Kopf herum, während ich ruhig im Stuhl sitzen kann.

Unterdessen muss Bobby beim Frisieren auf ein spezielles Werkzeug verzichten - sein Rasiermesser. „Das ist auch eine der Regelungen. Aus hygienischen Gründen dürfen wir nicht rasieren. Deshalb müssen wir bestimmte Sachen jetzt etwas anders machen.“ Das heißt: Die Stellen, bei denen normalerweise das Rasiermesser zum Einsatz kommt, müssen diesmal mit der Maschine geschnitten werden.

Trotzdem: Wenig später sehen meine Haare tatsächlich wieder nach einer Frisur aus. So, als wäre ich in den vergangenen Wochen regelmäßig beim Friseur gewesen.

Fragebögen sollen mögliche Infektionsketten nachvollziehbar machen

Zum Abschied fülle ich noch einen kurzen Fragebogen mit meinen persönlichen Daten aus. Natürlich mit einem sorgsam desinifzierten Kugelschreiber. So sollen auch Friseure im Fall eines positiven Corona-Tests die Infektionskette innerhalb der Kundschaft nachhalten können.

Der Friseurbesuch ist diesmal etwas teurer als zuvor. Die entstehenden Mehrkosten durch notwendige Sicherheitsmaßnahmen müssen schließlich wieder ausgeglichen werden. Aber immerhin kann man sich nun wieder mit einer vernünftigen Frisur vor die Tür trauen.

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