In Wellinghofen finden Menschen ihre letzte Ruhe unter Obstbäumen

dzBezirksfriedhof

Naturnahe Bestattungsformen sind beliebt. Auch auf dem Friedhof Wellinghofen gibt es neuerdings Gräber unter Bäumen. Der Friedhof ist einer von vieren in Dortmund mit besonderem Angebot.

Wellinghofen

, 19.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die ewige Ruhe wünschen sich viele Menschen für sich oder ihre Angehörigen einen Platz im naturnahen Umfeld ohne abgezirkelte und pflegeintensive Grabfläche. Grabstätten im Friedwald und Hain- oder Baumgräber nehmen zu.

Viele mögen die Idee dahinter – die Verbindung mit Wald, Wiese und Erde. Außerdem entfällt die aufwendige Grabpflege. Und diese Bestattungsarten sind in der Regel günstiger als herkömmliche Grabstätten.

Für einen Friedwald fehlt der Platz

In Dortmund gibt es zwar keinen Friedwald, aber andere alternative Bestattungsarten. Auch für den Bezirksfriedhof Wellinghofen wurde der Wunsch an die Bezirksvertretung herangetragen, Friedwald-Beisetzungen zu ermöglichen. Für die Neuanlage eines größeren Bereichs mit Baumpflanzung fehle es auf dem Friedhof allerdings an Platz, teilte Baudezernent Arnulf Rybicki den Bezirksvertretern mit.

Trotzdem werden Urnengrabstätten in baumnaher Lage angeboten, als sogenannte Haingräber. Die Beisetzung erfolgt in Friedhofsbereichen mit einem alten Baumbestand. Auch Obstbaumgräber können auf dem Wellinghofer Friedhof gewählt werden.

„Durch die Integration der Baumgräber in die vorhandene Friedhofsgestaltung entsteht auch ein Vorteil gegenüber einer ,Friedwaldbeisetzung‘“, so Rybicki. Die Grabstätten sind ganzjährig über befestigte Wege zu erreichen.“

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Bislang sind zwei Haingrabstätten auf dem Friedhof Wellinghofen vergeben worden, teilt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Stadtweit entschieden sich 127 für diese Bestattungsart. Hinzu kommen 87 Obstbaumgrabstätten, die den Haingrabstätten sehr ähnlich sind.

In den entsprechenden Bereichen würden ausschließlich alte Obstsorten angepflanzt, teilt die Stadt mit, sodass auf manchen Friedhöfen hochinteressante Streuobstwiesen entstünden.

Neun kommunale Friedhöfe bieten mittlerweile solche Obstbaumgräber an, ebenfalls neun verfügen über Haingrabstätten. Auf vier Friedhöfen werden beide Bestattunsgarten angeboten, einer von ihnen ist der in Wellinghofen.

Der Wellinghofer Friedhof ist bereits zum allergrößten Teil belegt. Zumindest ohne Geländeankauf könne er nicht erweitert werden, so Christian Schön. „Aus diesem Grund erfolgt die Bewirtschaftung immer unter dem Aspekt, dass möglichst nur Grabarten vorgehalten werden, die gerade nachgefragt werden.“

Sargbeisetzungen werden seltener

Sargbeisetzungen beispielsweise seien stark rückläufig, deswegen würden die Flächen jetzt für Urnenbeisetzungen genutzt.

Noch sei aber die Kapazitätsgrenze des Bezirksfriedhofs nicht erreicht: „So, wie es sich zurzeit darstellt, ist die Bestattungsfläche auf dem Friedhof Wellinghofen ausreichend.“

Grabarten für Urnen

  • Urnennische:
    Auf dem Hauptfriedhof können Nutzungsrechte an einer Urnennische in einem historischen Urnenturm (Kolumbarium) erworben werden. Es können bis zu zwei Aschebehältnisse in einer Schmuckurne beigesetzt werden.
  • Grabeskirche Liebfrauen:
    In der Liebfrauenkirche gibt es seit 2009 die Möglichkeit, Urnen in Gemeinschaftsgrab-, Reihen- und Wahlgrabstätten beizusetzen.
  • Haingrab:
    Haingräber befinden sich auf Flächen mit waldähnlichem Charakter. Die Urnen- bzw. Aschebeisetzung erfolgt im Wurzelbereich eines Baumes.
  • Obstbaumgrab:
    Die Beisetzung erfolgt in einem Obstbaumfeld mit Kräuterrasenmischung. Pro Grabstelle können vier Urnen oder Aschen beigesetzt werden.
  • Urnenreihengrab:
    Bei Urnenreihengräbern wird jeweils eine Urne in einem dafür vorgesehenen Feld beigesetzt. Das erfolgt der Reihe nach.
  • Urnenreihengrab pflegefrei:
    Gräber werden mit einem Bodendecker bepflanzt und gehen optisch ineinander über. Dennoch ist jeder Platz erkennbar und kann mit einer kleinen Grabplatte namentlich gekennzeichnet werden. Die Stadt kümmert sich um die Pflege.
  • Urnenwahlgrab:
    Eine Urnenwahlgrabstätte bietet die Möglichkeit der Beisetzung von maximal vier Urnen. Die Grablage kann gewählt werden.
  • Urnenwahlgrab pflegefrei:
    Die Stadt übernimmt die Pflege. In die Bepflanzung kann eine kleine Grabplatte eingelassen werden. Zur Ablage von Blumen und Gestecken ist ein kleiner Betonstein eingearbeitet.
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