Freibad noch zu: Für Kiosk-Besitzer geht es ums geschäftliche Überleben

dzFreibad Hardenberg

Noch ist unklar, ob das Freibad in Deusen öffnen darf. Während die Anwohner zwiegespalten sind, wäre ein Ausfall der Freibad-Saison eine Katastrophe für Kiosk-Besitzer Ismet Ilgün.

Deusen

, 13.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während andernorts die Freibäder bereits Ende Mai wieder Badegäste auf ihre Gelände gelassen haben, steht die Entscheidung über die Freibad-Saison 2020 in Dortmund noch aus. Am 18. und 19. Juni (Donnerstag und Freitag) soll der Rat der Stadt in seiner Sitzung beschließen, welche Freibäder wie öffnen dürfen.

Nach dem Park- und Verkehrs-Chaos rund um das Freibad Hardenberg in Deusen im vergangenen Jahr sind die Anwohner allerdings zwiegespalten. Einerseits genießen sie die derzeitige Ruhe, andererseits liegt ihnen „ihr“ Freibad am Herzen.

„Die An- und Abreise – egal, ob mit Bus oder Auto – war schon immer chaotisch und ist natürlich ärgerlich für die Anwohner“, sagt Theresa Siewecke. „Trotzdem ist das Freibad eine super Sache, eine schöne Anlaufstelle an heißen Tagen und wird ja auch von vielen genutzt.“

Bei einer Öffnung wären deutlich weniger Besucher erlaubt

Sie selbst gehe wie die meisten Deusener nur früh morgens oder abends ins Freibad, wenn es nicht so voll ist. „Es wäre schade, wenn das dieses Jahr gar nicht ginge“, so Siewecke.

Das sieht Anwohnerin Adriane Ossmann ähnlich. „Wenn es allerdings so extrem von der Geräuschkulisse, dem Müll und der fehlenden Rücksicht würde wie in den vergangenen zwei Jahren, wäre es auch nicht schlimm, wenn das Freibad geschlossen bliebe“, sagt sie.

Ähnlich chaotische Szenen vor dem Freibad-Eingang, auf dem Parkplatz und an der Bushaltestelle seien in diesem Jahr aufgrund der Beschränkungen allerdings ohnehin nicht möglich.

2019 wurde die Zufahrt zum Freibad-Parkplatz zum Teil gesperrt, um Chaos zu vermeiden.

2019 wurde die Zufahrt zum Freibad-Parkplatz zum Teil gesperrt, um Chaos zu vermeiden. © (A) Antje Scheurer

Jörg Husemann von Sportwelt Dortmund gGmbH, die das Freibad betreibt, teilte bereits Mitte Mai mit, dass bei 15 Quadratmetern Liegefläche pro Person voraussichtlich 1567 Badegäste erlaubt seien. Ein Bruchteil der bislang an heißen Tagen gezählten mehr als 5000 Besucher.

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Mit einem sinnvoll organisierten Online-Verkauf der Freibad-Karten könnten sich so laut Adriane Ossmann sicherlich auch die Anwohner, die aufgrund der Nähe ihrer Häuser zum Bad am stärksten gebeutelt waren, arrangieren.

„Meine Sorge ist, dass das Problem sich durch eine Beschränkung der Besucherzahl nur verschiebt“, sagt hingegen ein Anwohner, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte. „Wenn nicht alle reinkommen, könnte es egal mit welcher Karten-Verkaufsmethode zu Tumulten vor dem Eingang kommen.“

Kiosk- und Pizzeria-Besitzer ist verzweifelt

Dennoch sei auch er grundsätzlich dafür, dass das Freibad geöffnet wird, um den Dortmundern eine Abwechslung und Abkühlung an heißen Tagen zu bieten. „Morgens ist es ja auch für uns Anwohner ganz angenehm, hinzugehen – und dann auch noch fußläufig erreichbar“, sagt er.

Ismet Ilgün, dem die Pizzeria und der Kiosk an Deusener Straße gehören, hofft inständig auf eine positive Entscheidung zur Freibad-Saison. Seine Ladenlokale liegen direkt gegenüber der Haltestelle, die die Badegäste nutzen.

Dank dieser „Poleposition“ mache er im Sommer den doppelten, wenn nicht gar dreifachen Umsatz wie im Rest des Jahres, so Ismet Ilgün. „Von Deusen alleine können wir wahrscheinlich nicht überleben“, sagt er. „Dafür ist der Ort zu klein. Für uns ist das geschlossene Freibad gerade ein großer Nachteil.“

Zumal ihm Einnahmen aufgrund der Corona-Krise fehlen. Die Verluste sollte die Freibad-Saison so gut wie möglich wieder reinholen. „Für uns ist es unheimlich wichtig, dass das Freibad aufmacht“, erklärt Ismet Ilgün. „Ich habe auch schon mit der Badleitung gesprochen – wir hoffen alle das Beste.“

Sportwelt hofft auf Öffnung ihrer Bäder

Die Sportwelt Dortmund selbst schreibt auf ihrer Homepage, dass sie gespannt auf die Entscheidung des Rates warte. Die Vorbereitung der Becken sei bis zur Sitzung am 18. und 19. Juni abgeschlossen. Dann könnte es also schnell gehen.

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