Fred Ape (†67): Ein Leben voller Leidenschaft für die Musik endet zu früh

dzNachruf

Der Liedermacher Fred Ape ist im Alter von 67 Jahren gestorben. In der regionalen Kulturszene ist die Anteilnahme groß. Ein persönlicher Nachruf auf eine bemerkenswerte Dortmunder Persönlichkeit.

Dortmund

, 10.11.2020, 19:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fred Ape ist tot. Nach Informationen dieser Redaktion wurde er am Montag (9.11.) tot in seiner Wohnung aufgefunden. Zur Todesursache ist bisher nichts bekannt. Ape hinterlässt seine Lebensgefährtin und eine Tochter.

Das ist der Nachruf, den ich niemals schreiben wollte. Denn es ist der Nachruf auf einen Dortmunder, mit dem ich in den vergangenen zehn Jahren als Redakteur so regelmäßig Kontakt hatte, wie mit kaum jemand anderem.

Zuletzt sprachen wir Ende Oktober. Es ging um die Lage von Künstlern im kulturellen Lockdown. Ape war sorgenvoll, was die Lage vieler junger Musiker und Kabarettisten angeht. „Manche sterben leise“, steht als Zitat in diesem Artikel. Gemeint waren die Existenzen von Künstlern.

Ende Oktober sprach er noch voller Energie über sein neues Album

In unserem letzten Telefonat ging es auch um sein neues Album. Dabei klang bei ihm viel Energie durch, die Musik unter die Menschen zu bringen, auch wenn das gerade nicht auf der Bühne geht.

Es war ein Gespräch wie viele, die ich mit Fred Ape geführt habe. Es gab einen Anlass, aber du wusstest vorher schon, dass du später abschweifen würdest. Es ging dann irgendwann um den Stand der Kultur im Allgemeinen, die Ungerechtigkeit der Welt oder die Probleme des Klimawandels.

Aufschreiben konntest du das meiste nicht, zumindest nicht im Lokalteil. Aber ich habe das Abschweifen immer sehr geschätzt. Ich werde diese Gespräche vermissen.

Ein bemerkenswertes Gespräch im Jahr 2019

Das bemerkenswerteste Treffen liegt rund zwei Jahre zurück. Im Januar 2019 war Fred Ape Gast im Podcast „Gespräche von hier“.

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In dem fast einstündigen Gespräch ging es zum Teil um sehr persönliche Dinge, wie seine Erfahrungen mit der Polizei in der Hausbesetzer-Szene in Dorstfeld. Es ging um Protest, um Wut. Aber auch darum, wie sich seine Sicht auf die Welt mit den Jahren verändern kann.

Er präsentierte sich in dem Gespräch als Mensch, der sich seiner Privilegien bewusst ist und sie hinterfragt. Auch wenn das Widersprüche auslöst. Und als jemand, der nicht aufhören kann, Ungerechtigkeiten zu beklagen und darüber Lieder zu schreiben.

Politisch geprägt und immer sozial engagiert

Ape war durch die Jugendorganisation „Die Falken“ und die linke Umweltbewegung geprägt. Mit „Festung Gorleben“ komponierte er eine Hymne der Anti-Atom-Bewegung. Mit seiner Musik und seinen Konzerten unterstützte er immer wieder soziale Zwecke und spielte immer wieder auf politischen Veranstaltungen wie „Dortbunt“ oder bei „Fridays For Future“.

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Die Nachricht über Apes Tod schockierte am Dienstag viele Menschen in der Kulturwelt in Dortmund und der Region. „Viel zu früh“, lautet eine der häufigsten Reaktionen.

Fast 50 Jahre lang war der Gitarrist und Sänger mit seiner Musik auf Bühnen in ganz Deutschland unterwegs. Viele der deutschsprachigen Songs des Benninghofers standen in der Liederbestenliste für Folk-Musik auf vorderen Plätzen zwischen Künstlern wie Element of Crime oder Konstantin Wecker.

Erfolge mit Folk-Trio, Musik-Kabarett-Duo und als Solokünstler

Bekannt wurde er Ende der 1970er-Jahre mit dem Trio „Ape, Beck und Brinkmann“, das mit seiner Folk-Musik ein musikalischer Ausdruck der Friedens- und Umweltbewegung war. Er schrieb außerdem den Song „Rauchzeichen“, den die Dortmunder Band „Cochise“ populär machte.

Weitere Erfolge hatte er als politisches Musik-Kabarett-Duo mit dem Musiker Guntmar Feuerstein sowie als Solomusiker mit rund 4000 Konzerten.

Zudem prägte er gemeinsam über zwei Jahrzehnten mit Georg Delfmann das Programm des Cabaret Queue in Hörde. Dort fanden unter anderem Künstler wie Atze Schröder, Helge Schneider oder Ingo Appelt einen ersten Zugang in die Kabarett-Welt.

Ape hatte erst im Oktober mit „Bedingungslos“ eine neue CD veröffentlicht, seine 30. insgesamt. Darin hatte er unter anderem die Erfahrungen als Künstler in der Corona-Krise verarbeitet.

Seine zweite Leidenschaft war der Fußball. Viele Jahre lang stand er in Mannschaften des FC Brünninghausen im Tor und trainierte Jugendteams. Seine letzte Partie im Tor des FC Brünninghausen II bestritt er im Mai 2019 mit 66 Jahren.

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