Frauenzentrum: Früher waren Männer hier tabu, nun gibt‘s einen Preis für Gleichberechtigung

dzFrauenzentrum Huckarde

Früher waren Männer im Frauenzentrum tabu. Inzwischen sind sie so eingespannt, dass das Zentrum einen Preis für Gleichberechtigung erhält - jedoch nicht wegen der männlichen Mitarbeiter.

Huckarde

, 29.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Zutritt verboten: Männer durften von knapp 30 Jahren keinen Fuß in das Frauenzentrum Huckarde setzen. „Ich erinnere mich, dass, als ich 1990 hierher kam, ein Zeitungsfotograf nicht ins Zentrum gelassen wurde“, erzählt Helma Huste, die Vorsitzende des Vereins „Frauenzentrum Huckarde 1980“, und lacht. Denn schließlich war das Frauenzentrum nur für Frauen gegründet worden.

Eine Initiative, die Frauen einen Versammlungsort bot. Später wurde das Zentrum zu einem Bildungs- und Qualifizierungsort, der Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichte. Hinzu kam das Fachseminar für Familienpflege, aus dem sich ab 1996 der Mobile Soziale Dienst entwickelte. Aber Männer waren noch immer ein Tabu.

Für eine Förderung müssen Männer her

Erst als das Frauenzentrum Ende der 90-er Jahre eine Beratungsstelle an das Zentrum andocken wollte, für die es eine finanzielle Förderung vom Land NRW benötigte, kamen Männer ins Spiel. Denn eine Förderung gab es nur für eine Beratungsstelle für beide Geschlechter. „Wir beraten inzwischen seit knapp 20 Jahren Männer und Frauen, die arbeitslos geworden oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind“, sagt Helma Huste. Auch als Mitarbeiter und Auszubildende sind Männer seitdem im Frauenzentrum willkommen. Seit einem Jahr dürfen sie sogar Mitglieder im Frauenzentrums-Verein werden.

Neben der Beratungsstelle gibt es einen Seniorenbegleitdienst sowie eine Kita. Und die könnte bald Zuwachs bekommen: Das Frauenzentrum plant eine zweite Kita. „Das ist eines unserer Ziele, nachdem wir das Total-E-Quality-Prädikat erhalten haben“, erklärt Helma Huste. Die Auszeichnung für Chancengleichheit wurde dem Zentrum Mitte Juli zugesprochen. Und der Weg zur Bewerbung war lang.

Mit einem dicken Ordner hat sich das Zentrum beworben

Ein dicker Ordner liegt vor Helma Huste. „Wir mussten da sehr viele Daten angeben, Fragen beantworten“, erzählt Annette Tegethoff, die sich gemeinsam mit Helma Huste federführend um die Bewerbung gekümmert hat. Familienfreundlichkeit, Aufstiegsmöglichkeiten und Frauen in Führungspositionen seien beispielsweise Kriterien für die Auszeichnung.

Sechs Monate habe es gedauert, alle Daten zusammenzutragen - und dann noch einmal gut drei Monate bis die gute Nachricht in Huckarde ankam. „Wir haben das dann sofort an alle Mitarbeiter weitergeleitet“, sagt Helma Huste.

Im Zentrum arbeiten 87 Prozent Frauen

Auch wenn es seit der Eröffnung der Beratungsstelle auch Männer im Frauenzentrum gibt - das Total-E-Quality-Prädikat gab es vor allem für die hohe Frauenquote. Von 102 Mitarbeitenden sind 87 Prozent Frauen - in der Führungsetage sind es sogar 100 Prozent.

„Chancengerechte Weiterbildung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind Schwerpunktthemen der Personalarbeit, die strategisch verfolgt und erfolgreich umgesetzt wird“, heißt es dazu in der Jurybegründung.

Neue Bewerber sollen sich angesprochen fühlen

Verliehen wird das Prädikat erst im November in München. Dann werden auch sieben weitere Unternehmen aus der Region ausgezeichnet, unter anderem die Wilo SE.

Von der Auszeichnung erhofft sich das Frauenzentrum, dass Bewerber sie als ein Qualitätsmerkmal für einen guten Arbeitsplatz sehen. „Und diejenigen, die schon hier arbeiten, sind hoffentlich auch froh, dass sie hier sind“, sagt Helma Huste und lacht.

Die Ziele werden nach und nach auf den Weg gebracht

Um in drei Jahren das Qualitätssiegel nicht zu verlieren, muss das Frauenzentrum bis dahin seine Ziele angehen, die es in der Bewerbung angegeben hat. Dazu gehören nicht nur die neue Kita, sondern beispielsweise auch die Digitalisierung sowie der Ausbau der unterstützenden Dienste für Familien und Senioren.

„Die Ziele hatten wir ohnehin“, sagt Helma Huste. „Das Prädikat ist zwar ein Anreiz, aber wir hätten uns auch so auf den Weg begeben. Das sieht man ja auch daran, wie alles bisher gewachsen ist - ohne Zertifizierung.“

Auszeichnung für das Frauenzentrum

Das ist das Total-E-Quality-Prädikat

  • Das Total-E-Quality-Prädikat wird jährlich von Total E-Quality Deutschland e.V. an Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung verliehen.
  • Seit 2015 gibt es zudem Prädikate für vorbildliches Engagement für Diversität.
  • Die Bewerbung basiert auf einem Fragebogen.
  • Das Prädikat ist drei Jahre lang gültig.
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