Frau mit Behinderung muss bei Heim-Rückkehr Corona-Test selbst bezahlen

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Menschen, die Urlaub in corona-geplagten Ländern machen, dürfen den Corona-Test kostenlos machen. Eine Frau mit Behinderung musste ihn selbst zahlen, als sie zurück in ihr Heim wollte.

Hostedde

, 07.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum muss ich einen Corona-Test bezahlen, den das Gesundheitsamt indirekt selbst angeordnet hat? Diese Frage stellt sich derzeit Christiane Siebers (70).

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Es geht um ihre 42-jährige Tochter Jenni Teresa, die eine geistige Beeinträchtigung verbunden mit Epilepsie hat und in der Wohnstätte der Lebenshilfe in Hostedde lebt. Erst vor Kurzem ist bei ihr die sehr seltene Chromosomen-Veränderung IDIC 15 diagnostiziert worden.

In kontaktloser Zeit sehr gelitten

Jenni Teresa hat, so erzählt Christiane Siebers, extrem unter den kontaktlosen Besuchen gelitten, die in der Anfangszeit der Corona-Pandemie galten. Sie sei ein Mensch - und das gehöre zum Krankheitsbild -, der andere Menschen gerne umarmt und ihnen Küsschen gibt.

Dass sie das zeitweise nicht durfte, habe sie schlecht verkraftet. Das ging soweit, dass sie die Nahrung im Heim verweigerte und sich auch sonst auffällig und teilweise aggressiv gegenüber dem Pflegepersonal verhielt.

Christiane Siebers ärgert sich darüber, dass sie einen indirekt vom Gesundheitsamt angeordneten Corona-Test für ihre Tochter selbst zahlen soll

Christiane Siebers ärgert sich darüber, dass sie einen indirekt vom Gesundheitsamt angeordneten Corona-Test für ihre Tochter selbst zahlen soll. © Andreas Schröter

„Ich musste sie für einige Tage nach Hause holen“, sagt Christiane Siebers, „es ging nicht mehr anders.“ Aber auch aufgrund ihrer nicht barrierefreien Wohnsituation gehe das auf Dauer nicht. Fünf Tage später zog Jenni Teresa wieder zurück ins Heim nach Hostedde. Ihr Zustand hatte sich erheblich verbessert. Problem: Wenn man dort (wieder) aufgenommen werden will, muss man einen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das sei keine Entscheidung der Lebenshilfe, sondern der Heimaufsicht der Stadt. Und die wiederum erhalte ihre Anweisungen vom Gesundheitsamt.

152 Euro bezahlt

Und genau das ist der Grund, warum Christiane Siebers nicht versteht, dass sie diesen Corona-Test für ihre Tochter selbst zahlen musste: 152 Euro, weil sie einen Arzt aufsuchte, der den Coronatest ganz praktisch im Hausflur seiner Praxis durchführte.

Ein normaler Praxisbesuch mit Jenni Teresa sei schwierig. Grundsätzlich gelte doch: Nur Corona-Tests, die nicht vom Gesundheitsamt angeordnet werden, müssen selbst bezahlt werden. Christiane Siebers sei als geschiedene Rentnerin nicht reich. Für sie seien 152 Euro viel Geld.

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Stadtsprecherin Anke Widow sagt: „Die Gesundheitsaufsicht ist wie jede Behörde grundsätzlich - und natürlich auch in diesem Fall - an die rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden. Die Notwendigkeit einer Testung vor der Aufnahme in die Einrichtung ergab sich aus der damals gültigen Verordnung.“

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Diese habe die Testung vor der Rückkehr in die Einrichtung vorgeschrieben. Das bedeute: Weder das Gesundheitsamt noch die Heimaufsicht haben den Test angeordnet. Das bedeute auch, dass der Stadt Dortmund für die Übernahme der Kosten - trotz allen Verständnisses - die rechtliche Basis fehle.

Jenni Teresa geht’s mittlerweile besser. Denn die Beschränkungen wurden gelockert. Der selbst bezahlte Test war negativ.

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