Frau belastet Kampfsporttrainer: „Kann mich noch an sein Grinsen erinnern“

dzVergewaltigungs-Prozess nach 30 Jahren

Mit der Vernehmung der Belastungszeugin ist der Prozess gegen einen Sporttrainer aus Castrop-Rauxel fortgesetzt worden. Einen Sex-Übergriff in Dortmund nennt die Frau „demütigend“.

Bochum/Dortmund/Castrop-Rauxel

, 06.03.2020, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast 30 Jahre nach mutmaßlich drei Sex-Übergriffen durch einen Kampfsporttrainer (59) aus Castrop-Rauxel hat sich am Freitag am Bochumer Landgericht die mittlerweile erwachsene Belastungszeugin noch einmal die fraglichen Geschehnisse in Erinnerung gerufen.

Die 44-jährige Frau aus Süddeutschland schilderte Gewaltszenen geprägt von Ekel, Panik, Angst und Schmerzen. Mit Blick auf die erste angeklagte Vergewaltigung erklärte die Zeugin: „Ich kann mich heute noch an sein breites Grinsen danach erinnern.“

„Er war für mich eine Respektsperson“

Im Alter von 14 oder 15 Jahren, so die Zeugin, sei sie damals Mitglied in dem Bochumer Kampfsportverein geworden, in dem der Angeklagte als Trainer aktiv war. „Er war für mich schon eine Respektsperson“, erinnerte sich die 44-jährige Pädagogin. Sie dagegen sei extrem schüchtern und zurückhaltend gewesen.

„Meine Eltern waren sehr streng, wir haben als Familie schon sehr katholisch gelebt“, so die Zeugin. Daher sei sie auch sehr froh gewesen, überhaupt erlaubt bekommen zu haben, eine sportliche Aktivität ausüben zu dürfen.

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Der erste Sex-Übergriff ihres Trainers habe sie damals regelrecht überrumpelt. „Wir haben in der Trainingshalle aufgeräumt. Irgendwann hat er mich zu sich gerufen, in die Umkleide reingezogen und mit dem Kopf an die Wand gedrückt“, erinnerte sich das mutmaßliche Opfer. Fixiert durch einen Kampfsportgriff, sei sie dann von ihrem Trainer brutal vergewaltigt worden. „Ich kann mich bis heute noch an total große Schmerzen erinnern.“ Der Angeklagte dagegen habe sie danach nur überlegen angegrinst.

Dass sie diesen Übergriff nicht sofort ihren Eltern anvertraut oder bei der Polizei angezeigt hat, erklärte die Pädagogin mit ihrer damals übergroßen, inneren Unsicherheit. „Ich wollte erst alles so normal wie möglich aussehen lassen“, sagte sie den Bochumer Richtern. Später habe sie dann aber doch Bauchschmerzen vorgetäuscht, um nicht mehr zum Training zu müssen.

„So blöd wie ich war, bin ich mit in seine Wohnung gekommen.“

Mit 16 Jahren sei sie schließlich aus dem Bochumer Kampfsportverein ausgetreten. Später hätte sie massiv an psychischen Problemen und an Essstörungen gelitten, sich selbst verletzt und sich in die „Sportsucht“ geflüchtet. Die 44-Jährige: „Ich habe exzessiv getanzt, bin stundenlang gelaufen oder Rennrad gefahren.“ Auch ihrem späteren Ehemann habe sie sich erst nach Jahren anvertrauen können, so die Zeugin.

Auch an einen zweiten Übergriff in der damaligen Dortmunder Wohnung des Kampfsporttrainers erinnerte sich die Zeugin. „Es ging damals darum, etwas bei ihm zu Hause abzuholen. So blöd wie ich war, bin ich mit in seine Wohnung gekommen.“

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Oben angekommen, habe der Trainer sie mit ihren gerade 15 Jahren gefragt, ob sie denn schon einen Freund habe. Auf ihr schüchternes „Nein“ habe der Angeklagte ihr erklärt: „Dann kannst Du ja froh sein, dass Du jetzt einen richtigen Mann hast.“ Dann sei ihr Trainer über sie hergefallen und habe sie vergewaltigt. „Das war schon sehr demütigend.“

Ein dritter Vergewaltigungs-Übergriff soll sich laut Anklage 1993 und wiederum in der Kampfsportschule ereignet haben. Obwohl aus dem Taekwondo-Verein bereits ausgetreten, soll sich die Belastungszeugin damals während ihrer Ausbildung zur Gymnastiktrainerin in der Halle aufgehalten haben.

20 Jahre Verjährungsfrist ab dem 30. Geburtstag

Der Angeklagte schweigt vor der 10. Strafkammer zu den Vorwürfen der Bochumer Staatsanwaltschaft. Im Falle von Vergewaltigung beträgt die Verjährungsfrist 20 Jahre. Die Frist beginnt nach der aktuellen – seit 2015 auch rückwirkend geltenden – Rechtslage aber frühestens mit Ablauf des 30. Lebensjahres des mutmaßlichen Opfers zu laufen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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