Dortmunderin erhält 31.500 Euro – und sieht bislang nichts von dem Geld

dzBetrugs-Vorwurf

Wer einen Pflichtanteil aus einer Erbmasse erhält, trauert meist, kann sich aber oft über ein hübsches Sümmchen freuen. Für eine Frau aus Wickede blieb nur die Trauer - und jede Menge Ärger.

Wickede

, 09.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Birgit Weinhold aus Wickede beklagt einen Schaden in Höhe von genau 31.500,78 Euro - und das nur, weil es einem Unbekannten gelungen ist, ihr E-Mail-Postfach beim Anbieter web.de zu hacken. Und das kam so:

Im Februar 2020 nach dem Tod ihrer Mutter hat sie den ihr zustehenden Pflichtanteil aus der Erbmasse bekommen. Nach Abzug der Anwaltskosten blieb Birgit Weinhold der oben genannte Geldbetrag. Am 18. Februar teilte die beauftragte Anwältin mit, dass das Geld nun da sei. Sie erbitte Anweisungen, auf welches Konto es überwiesen werden soll.

Sicherheitswarnung vom E-Mail-Provider

Weil Birgit Weinhold jedoch nicht jeden Tag ihren Posteingang kontrolliert, bemerkte sie erst einen Tag später, dass sie von web.de eine Sicherheitswarnung erhalten hatte: Jemand habe ihr Konto gehackt.

Aufgeregt setzte sich Birgit Weinhold sofort mit ihrer Anwältin in Verbindung. Doch es war zu spät. Sie hatte das Geld bereits auf ein unbekanntes Konto überwiesen, das nicht Birgit Weinhold gehört.

Dieses Schreiben (Auszug) erhielt Birgit Weinhold Anfang September von der Staatsanwaltschaft Dortmund

Dieses Schreiben (Auszug) erhielt Birgit Weinhold Anfang September von der Staatsanwaltschaft Dortmund. © Andreas Schröter

Sowohl das Opfer als auch die Anwältin schalteten sofort die Polizei ein und erstatteten Anzeige. Seither - also immerhin seit acht Monaten - laufen die Ermittlungen, und Birgit Weinhold hat nach eigenen Angaben während der gesamten Zeit so gut wie nichts zu dem Fall gehört.

Angeblich sei der Betrüger aber sogar ermittelt worden. Er behauptet, Birgit Weinhold habe ihm das Geld freiwillig überlassen, um damit alte Schulden zu begleichen. „Was für ein Unsinn“, sagt die Wickederin, „ich kenne den Mann doch überhaupt nicht.“

Sie wurde gebeten, die Sicherheitswarnung vorzulegen, die web.de ihr geschickt hatte. Das könne sie aber nicht, weil bei web.de die Nachrichten nach 90 Tagen gelöscht werden. Sie wirft Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund Untätigkeit vor.

Am 7. September hat sie von der Staatsanwaltschaft nun sogar eine Nachricht erhalten, das Verfahren sei eingestellt worden, weil der Aufenthaltsort des Beschuldigten nicht ermittelt werden konnte.

Birgit Weinhold wollte sich ein Auto kaufen

Das jedoch möchte Birgit Weinhold nicht hinnehmen. Schließlich wartet sie immer noch auf ihr Geld, von dem sie sich unter anderem ein Auto kaufen wollte.

Den Vorwurf der Untätigkeit weist der Dortmunder Presse-Staatsanwalt Henner Kruse zurück. Im Gegenteil: Es gebe kaum einen Fall, für den es einen derart hohen Aktenberg gebe wie für diesen.

Die 31.500 Euro seien auf dem Konto des Beschuldigten eingefroren worden, sodass auch er nicht darüber verfügen könne und das Geld also keinesfalls verloren sei. Die Staatsanwaltschaft neige dazu, der Version von Birgit Weinhold zu glauben. Allerdings behaupte eben auch der Beschuldigte, dass ihm das Geld zustehe. Er kann sogar Schreiben vorlegen, die besagen, dass Birgit Weinhold ihm das Geld abgetreten hat. „Das sind Fälschungen“, sagt sie, „das sieht man doch auf den ersten Blick, ich kenne den Mann nicht.“

Australien, Vietnam, Los Angeles, Israel

Und es sei tatsächlich schwierig, den Aufenthaltsort des Beschuldigten festzustellen, so Kruse weiter. Mal melde er sich aus Australien, dann aus Vietnam, dann wiederum gebe es Hinweise, er sei in Los Angeles oder Israel.

Kruse geht dennoch davon aus, dass Birgit Weinhold früher oder später das Geld erhält, aber es gebe eben in der Tat ein paar Ungereimtheiten - zum Beispiel auch diese: Warum wurde Birgit Weinholds Konto ausgerechnet in einem so sensiblen Moment gehackt, als es um die Überweisung eines hohen Geldbetrags ging? Wusste der Täter davon? Und wenn ja, woher? Vielleicht aus dem Umfeld des Opfers? Birgit Weinhold selbst hat darauf jedenfalls keine Antworten.

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