Fotografieren verboten? So gehen Dortmunder Grundschulen mit Fotos bei der Einschulung um

dzDatenschutz an Schulen

An manchen deutschen Grundschulen sind Fotos bei der Einschulungsfeier verboten. Eine Stichprobe an Dortmunder Schulen ergibt unterschiedliche Ansichten – und eine Art Fotografierverbot.

Dortmund

, 28.08.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Moment fürs Leben: die Einschulung. Am Mittwoch (28.8.) geht das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen los. Am Tag darauf (29.8.) beginnt für fast 160.000 Kinder in NRW ihre Schullaufbahn mit der Einschulungsfeier.

Noch Jahre später werden Mutter und Vater das Fotoalbum hervorholen und stolz zeigen, wie der Sprössling am ersten Schultag aussah.

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Dass diese Fotoalben leer bleiben könnten, haben jetzt einzelne Schulen in Sachsen-Anhalt beschlossen und damit für Aufsehen gesorgt. Sie haben die Zügel des Datenschutzes angezogen und strikte Fotografierverbote ausgesprochen.

Schulen entscheiden selbst, ob Fotos erlaubt sind

Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, gibt es dieses Phänomen auch in Nordrhein-Westfalen: beispielsweise im niederrheinischen Moers.

Im Einzugsgebiet des Regierungsbezirks Arnsberg, zu dem Dortmund gehört, sei ihm Vergleichbares jedoch nicht bekannt, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Aber: „Die Schulen müssen uns so etwas nicht melden“, sagt er. Und sie können selbst entscheiden, in welchem Maße sie das Fotografieren erlauben. Die Schulen haben Hausrecht.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ermahnte Eltern und Schulleitungen jüngst eindringlich, die Datenschutzregeln einzuhalten. Es geht um Fotos, auf denen nicht nur der eigene Nachwuchs zu sehen ist, sondern auch fremde Kinder, andere Eltern oder Lehrer. Diese Bilder dürfen ohne die Zustimmung der fotografierten Personen nicht ins Netz gestellt werden. Aber: „Ein generelles Fotoverbot gibt es nicht.“

Keine Fotos während der Feier

Bei einer Stichprobe der Redaktion an 11 der 89 Grundschulen in Dortmund ließ sich keine Schule mit striktem Fotografierverbot finden – aber dennoch unterschiedliche Ansichten.

An der Libellen-Grundschule in der Dortmunder Nordstadt ist etwa die Vorgabe: Während der Einschulungsfeier sollen die Handys, Tablet-PCs und Fotoapparate in der Tasche bleiben. Zum Fotografieren gibt es feste Zeitpunkte, etwa an einem eigens aufgebauten Fotobogen oder auch später in den Klassen.

Schulleiterin Christiane Mika möchte das aber weniger als Verbot verstanden wissen denn als pädagogische Maßnahme. „Uns geht es mehr darum, dass die Eltern mit allen Sinnen dabei sind. Man guckt doch auch lieber in Augen als in kleine schwarze Kästen“, meint sie.

„Fotos gehören dazu“

„Ich werde den Eltern nicht verbieten, zu fotografieren“, meint dagegen Rita Mölders von der Dortmunder Friedrich-Ebert-Grundschule. „Das ist ein ganz wichtiger Tag und die Fotos gehören dazu“, sagt die Leiterin der Schürener Grundschule.

„Wir werden, was den Datenschutz angeht, seit ein bis zwei Jahren noch intensiver sensibilisiert. Das finde ich auch nicht verkehrt. Auch ich werde bei der Einschulung noch mal darauf aufmerksam machen, sensibel mit Fotos umzugehen“, sagt sie.

Die meisten der abgefragten Schulen weisen die Eltern besonders darauf hin, nur das eigene Kind abzulichten und Fotos fremder Personen unter keinen Umständen im Internet zu veröffentlichen.

Der Appell, die Vernunft walten zu lassen

Almuth Grau von der Hangeney-Grundschule in Westrich ist von der Datenschutz-Diskussion eher genervt. „Ganz entspannt“ sei sie dagegen, was das Fotografieren angeht.

„Wir können auch schlecht sagen, ‚Alle ducken, der Kevin wird fotografiert.‘“
Almuth Grau, Schulleiterin Hangeney-Grundschule

„Ich denke, jeder möchte sein Kind an diesem Tag fotografieren. Im Handy-Zeitalter lässt sich das auch kaum kontrollieren. Ich kann ja schlecht alle Handys einsammeln“, meint sie. „Ich appelliere nur an die Eltern, das mit Vernunft zu machen und nicht wild rumzufotografieren.“

Sie meint auch: An diesem Tag solle das eigene Kind im Fokus stehen. Und wenn zufällig ein fremdes Kind durch das Bild läuft? „Das sind nun mal Kinder, die bewegen sich“, antwortet Almuth Grau. „Wir können auch schlecht sagen, ‚Alle ducken, der Kevin wird fotografiert‘“.

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