Der Bundesverband der Schwimmmeister schlägt vor, Flüchtlinge zu Rettungsschwimmern und Bademeistern ausbilden zu lassen. Ist das eine Option, um in Dortmund Fachkräftemangel zu bekämpfen?

Dortmund

, 02.09.2019, 11:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Personell sitzen die zwölf Frei- und Hallenbäder in Dortmund noch nicht auf dem Trockenen. Doch rosig ist die Situation nicht - das Thema Fachkräftemangel betrifft auch Bademeister und Rettungsschwimmer.

Die Stadt Dortmund betreibt drei Hallenbäder: Nord-, Süd-, und Westbad.

Stadtsprecher Michael Meinders sagt, man sei auskömmlich personell besetzt. Dennoch: „Der Markt ist aktuell leergefegt, von daher ist die Personalakquise hier tatsächlich im Moment schwieriger“, bemerkt Meinders. Dass wegen personeller Engpässe auch mal ein Städtisches Bad kurzzeitig dicht gemacht werden musste, sei durchaus schon vorgekommen. Durch krankheitsbedingte Ausfälle habe die Stadt unlängst zwei Tage lang das Nordbad geschlossen, da sonst der zeitgleiche Betrieb des Freibades Stockheide nicht möglich gewesen wäre.

Fachkräfte schwer zu finden

Michael Dominik, Geschäftsführer der Sportwelt Dortmund gGmbH, bestätigt ebenfalls, dass es seit geraumer Zeit immer schwieriger werde, die Schwimmmeister- und Rettungsschwimmerstellen zu besetzen. Die Schwimmbäder der Sportwelt Dortmund seien aktuell mit einem festen Stamm von 22 Fachangestellten für Bäderbetriebe und zwei geprüften Schwimmmeistern sowie weiteren Rettungsschwimmern besetzt. Bei guten Witterungsbedingungen stocke man personell mit Rettungsschwimmern der DLRG und der lokalen Schwimmvereine auf.

"Konsequenzen bezüglich der Öffnungszeiten der Bäder gab es aufgrund von Engpässen beim Personal in diesem Jahr noch nicht", so Michael Dominik. Der Jahrhundertsommer im Vorjahr und der damit verbundene Ansturm auf die Freibäder habe jedoch Auswirkungen gehabt. "In den Sommerferien haben wir Personal aus den Hallenbädern in die Freibäder geschickt. Dadurch wurde die Blockschließung in den Sommerferien bei zwei Hallenbädern um vier Tage verlängert." Die Schwimmbäder der Sportwelt Dortmund gGmbH seien aber sonst hinsichtlich der Öffnungszeiten auf für die vorhandene Personaldichte eingestellt. So dass sich die Frage danach, wie viele Fachkräfte fehlen würden, nicht eindeutig beantworten ließe.

Rund 2000 Schwimmmeister fehlen

Zwischen 26.000 und 30.000 Schwimmmeister und Fachangestellte für Bäderbetriebe gibt es aktuell bundesweit, sie verteilen sich auf rund 6000 Bäder, sagt Peter Harzheim, Präsident des Deutschen Bundesverbands der Schwimmmeister (BDS). Konkrete Zahlen darüber, wie viele Fachkräften derzeit benötigt werden, hat der BDS jedoch nicht. "Allerdings lässt sich abschätzen, dass uns rund 2000 Schwimmmeister fehlen", so Harzheim. In den vergangenen Jahren habe man um Azubis zu kämpfen gehabt - "so wie das in allen Handwerksberufen halt so schon länger ist".

Der Rückgang der Nachfrage nach der Ausbildung habe eine Vielzahl von Gründen gehabt, so weiß der BDS-Präsident: "Die Bezahlung zu Beginn ist mager. Manche, die bei privaten Badbetreibern arbeiten, bringen unter 2000 Euro Bruttolohn monatlich nach Hause. Kommunale Badbetreiber zahlten aber meist etwas mehr. Auch die Arbeitszeiten hätten es in sich, denn die Schwimmmeister müssten immer dann ran, wenn andere Urlaub machen.

Spezielle Angebote für Geflüchtete

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hält es Harzheim spezielle Ausbildungsangebote für Geflüchtete für sinnvoll: "Der Einstieg sollte eine Fortbildung zum Rettungsschwimmer sein, das könnte auch die Neugier wecken, sich für eine Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe entscheiden zu wollen", so Harzheim.

Nur müssten die potenziellen Azubis von Morgen eben die grundlegenden Voraussetzungen wie zum Beispiel Sprachkenntnisse mitbringen. Spezielle Angebote, wie sie Harzheim vorschlägt, gibt es bisher vereinzelt in Form von Pilotprojekten bei denen verschiedene Trägervereine kooperieren. Beispielsweise in Oberhausen oder Kempen haben solche Integrationsprojekte neue Fachkräfte für den Beckenrand hervorgebracht.

Nur positive Erfahrungen gemacht

Bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Bezirk Dortmund steht man der Idee des BDS-Präsidenten offen gegenüber. Verbandssprecher Philipp Parche weist auch darauf hin, dass es in einzelnen Fällen bereits gut geklappt hat, geflüchtete Menschen über eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer in den Beruf zu führen. Spezielle Kurse für Geflüchtete biete man jedoch nicht an. "Wir haben regelmäßig Geflüchtete in den normalen Kursen und können da nur Positives berichten", sagt Parche.

An Rettungsschwimmern mangele es Dortmund nicht: "Die meisten sind Schüler und Studenten, die bei Bedarf in den Badbetrieben mit aushelfen oder andere Aufgaben übernehmen." Dass die Teilnahme an den Rettungsschwimmer-Kursen rückläufig sei, mag Philipp Parche nicht bestätigen, denn die Gruppen für die Kurse seien konstant gut gefüllt. Unter anderem auch deshalb, weil die Teilnahme daran für Angehörige verschiedener Berufsgruppen zur Pflicht gehöre.

Polizisten, Feuerwehrleute oder Sportlehrer etwa absolvieren bei der DLRG die Kurse. In den vergangenen Jahren sei die Anzahl derer, die bei der DLRG eine Rettungsschwimmerprüfung ablegten, auch stetig gestiegen. Waren es 2013 noch 827 Prüflinge, so absolvierten 2018 sogar 935 den Kurs.

Doch nicht nur die DLRG bildet Rettungsschwimmer aus. Auch die Abteilung Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuz übernimmt diese Aufgabe. Auf Anfrage heißt es, dass keine besonderen Kurse für Geflüchtete dort Thema seien, da für den Bezirk Dortmund die Abteilung Wasserwacht nicht wirklich groß sei.

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