Flaschenwurf aus Partyzug: Verdächtiger korrigiert seine Aussage

dzBahnhof Kamen

Die Polizei hat den Mann ermittelt, der mit einem Flaschenwurf aus einem Partyzug ein Kleinkind am Bahnhof Kamen lebensgefährlich verletzt haben soll. Erst überraschte der 31-Jährige mit seiner Aussage, dann korrigierte er sie.

Kamen, Dortmund

, 04.11.2019, 11:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der mutmaßliche Flaschenwerfer aus dem Partyzug tischte der Polizei erst eine abenteuerliche Erklärung auf. Dann korrigierte er seine Aussage und räumte den Wurf einer Whiskyflasche ein. Die Polizei gab am Montag weitere Einzelheiten über die Umstände seiner Festnahme bekannt.

Dortmunder Kripobeamte stellten den Verdächtigen, einen 31-Jährigen aus Moers, am Sonntag auf der Rückfahrt des Partyzugs von Norderney nach Köln. Kriminalbeamte stiegen am Nachmittag in Münster zu. Sie forderten die Passagiere per Lautsprecherdurchsage auf, Hinweise auf den mutmaßlichen Flaschenwerfer zu geben. Daraufhin meldeten sich Zeugen. „Im Rahmen dieser Ermittlungen hat sich der Tatverdächtige von sich aus zu erkennen gegeben“, erklärte Polizeisprecher Gunnar Wortmann am Montag in Dortmund.

Flaschenwurf aus Partyzug: Verdächtiger korrigiert seine Aussage

Am Bahnhof Kamen wurde an Allerheiligen ein Kleinkind von einer Flasche aus einem fahrenden Partyzug getroffen. © Stefan Milk

Nach Flaschenwurf aus Partyzug: Druck wurde immer größer

Durch die intensiven Ermittlungen lastete ein erheblicher Druck auf dem 31-Jährigen, sich zu stellen. Der Mann wurde noch an Bord festgenommen und nach dem Halt des Partyzugs in Dortmund auf der Polizeiwache vernommen.

Der 31-Jährige räumte ein, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Aber er wollte die Flasche nicht geworfen haben, wie er den Beamten zunächst erklärte.

Verdächtiger ändert seine Aussage

Erst sagte er aus, die Flasche habe in einem Zugabteil nahe am Fenster gestanden und sei hinausgeflogen, als er an einem daneben im Gepäckfach liegenden Koffer hantierte. Das gab die Polizei auch so am Montagmorgen bekannt. Später am Tag erschien der 31-Jährige erneut bei der Polizei und korrigiert seine Geschichte.

Er räumte ein, die Flasche unachtsam aus dem Fenster geworfen zu haben. Dass der zügig fahrende Zug sich in diesem Moment in Höhe eines Bahnhofes befunden habe, sei ihm nicht bewusst gewesen, so die Polizei in einer Mitteilung vom Montagnachmittag.

Zuvor hatte die Polizei erklärt, durch einen Gutachter prüfen zu lassen, ob die Flasche wie ursprünglich geschildert aus dem Fenster geflogen sein kann. Der 31-Jährige räumte ein, dass er unter Alkoholeinfluss stand.

Die Polizei hatte die Festnahme des 31-Jährigen am Sonntagabend gemeldet. Die Ermittlungen laufen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Nach der Vernehmung durfte der 31-Jährige wieder gehen.

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Zweijähriges Mädchen nach Flaschenwurf außer Lebensgefahr

Das zweijährige Mädchen, das die Flasche am Freitag um 10.50 Uhr bei der Durchfahrt des Partyzugs am Bahnhof Kamen an den Kopf bekam und lebensgefährlich verletzt wurde, befindet sich seit Freitagabend außer Lebensgefahr. Das Kind liegt in stabilem Zustand auf der Intensivstation, so der Polizeisprecher am Montag.

Der Vater, ein 40-Jähriger aus Kamen, hatte das Mädchen auf dem Arm, als er eine Treppe zum Bahnsteig hochging. Dort wurde seine Tochter von der Flasche getroffen, die nach neuen Erkenntnissen der Ermittlungskommission erst noch von einem Hindernis abgelenkt wurde und so etwas Wucht verlor, bevor sie gegen den Kopf des Mädchens prallte.

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Das mutmaßliche Wurfobjekt soll in mehrere Einzelteile zersplittert sein, die von der Polizei sichergestellt wurden. Ob etwaige Fingerabdrücke oder Speichelproben bei der Aufklärung des Falls halfen, wollte der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Mehrere Tausend Euro Spenden

Eine von Passagieren gestartete Spendenaktion für die Zweijährige hat bislang „mehrere 1000 Euro“ erbracht. „Wir werden mit Hilfe der Polizei Kontakt zur Familie aufnehmen und dann gemeinsam entscheiden“, erklärte Bernd Niemeyer vom Reiseveranstalter Müller Touristik am Montag. Man sei sehr froh, dass der Verursacher ermittelt sei.

Bislang kein Glasverbot im Partyzug

Ob es künftig im Partyzug ein Glasverbot geben wird, wird überlegt. Bislang sind mitgebrachte Speisen und Getränke, auch in Glasflaschen, nicht verboten. Der Veranstalter schenkt Getränke nach eigenen Angaben in kompostierbaren Plastikbechern aus.

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