Gegen 16 Uhr eskalierte die Situation kurz, als die Polizei nach Flaschenwürfen gegen Beamten einen Verdächtigen aus der Demonstration herausholen wollte. © Schaper
Kriegsende-Kundgebung

Flaschenwürfe und Schlagstock-Schläge bei Antifa-Demo in Dortmund

Bei einer Demo zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Dorstfeld ist es am Samstag mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Es gab Festnahmen.

Einige Anwohner des Wilhelmplatzes in Dorstfeld verbrachten einen Großteil ihres Samstagnachmittags (8.5.) hinter ihren Fenstern oder auf ihren Balkonen. Es wurde ihnen auch einiges geboten.

Im Herzen Dorstfelds waren einige Einsatzhundertschaften der Polizei aufgezogen, überall standen Polizei-Bullis, der Platz selbst war mit sogenannten Hamburger Gittern gesäumt, die Wittener Straße am Rand des Platzes gesperrt. Einige Dutzend Meter den Hellweg nach Osten hinunter riegelten ein Dutzend Polizisten die Thusneldastraße ab. Dort liegt ein Haus, in dem mehrere Neonazis wohnen, das Zentrum der rechtsextremen Dortmunder Szene.

Mehr als doppelt so viele Teilnehmer als angekündigt

Der Grund für das Polizei-Großaufgebot: Zum 76. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs hatten Dortmunder Antifa-Gruppen für 14.30 Uhr zu einer Demonstration gegen vergangenen und aktuellen Rechtsextremismus ins Herz von Dorstfeld gerufen. 310 Menschen kamen nach Polizei-Angaben – mehr als doppelt so viele wie erwartet.

Anfangs war alles friedlich: Die Demonstranten, die alle Masken trugen und sich größtenteils an den Mindestabstand hielten, hörten der Eröffnungsreden zu und skandierten Parolen.

Doch schon gegen 14.40 Uhr war es vorbei mit dem entspannten Demo-Nachmittag: Da kamen plötzlich über 50 Demo-Teilnehmer aus Bochum in einem kleinen Demozug am Wilhelmplatz an. Es kam im Zuge dessen zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Stimmung am Wilhelmplatz verschlechterte sich noch weiter, als bekannt wurde, dass in der Nordstadt eine kleine Gruppe Neonazis vor beliebten linken Treffpunkten aufgetaucht war. Sie wurde am Nordmarkt von der Polizei angehalten und nach Hause geschickt.

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Antifa-Demo in Dorstfeld

Kurz vor 16 Uhr kam es erneut zu einer Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Polizei. Plötzlich rangen mehrere Dutzend Menschen aus beiden Lagern miteinander, die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein, führte einen Mann ab.

Flaschenwürfe gegen Polizisten, Pfefferspray gegen Demonstranten

Aus den Reihen der Demonstranten seien Flaschen auf Polizisten geworfen worden, schrieb die Polizei am Abend in einer Pressemitteilung, darüber hinaus sei ein Beamter mit einer Stange geschlagen worden.

Deshalb habe man die Verdächtigen aus der Menge herausgeholt, so die Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion. Demo-Teilnehmer kritisierten das Vorgehen als unnötige Polizeigewalt. Nach Angaben der Organisatoren mussten rund zehn Demonstranten wegen Pfeffersprays versorgt werden.

Kurz darauf wurde aus der Stand-Kundgebung spontan ein Demo-Zug: Aufgrund der Ereignisse in der Nordstadt meldeten die Organisatoren kurzfristig einen Solidaritäts-Marsch zum Nordmarkt an.

Die Polizei kontrollierte am Samstagnachmittag eine kleine Gruppe Neonazis.

Dieser zog ab 16.40 Uhr eine gute Stunde über die Rheinische Straße und die Unionstraße auf die Grüne Straße. Von dort ging es am Hauptbahnhof vorbei über Leopold- und Mallinckrodtstraße zum Nordmarkt. Dort löste sich die Demo gegen 18 Uhr auf. Während des Demo-Zugs gab es zwischenzeitlich Straßensperrungen und Verkehrsprobleme, auch auf den Stadtbahnlinien U43 und U44.

Konflikte zwischen Polizei und Demonstranten gab es auf dem Weg in die Nordstadt nicht mehr. Dafür machten nun Rechtsextreme Ärger, berichtet die Polizei. Am Ortsausgang von Dorstfeld kam es ihr zufolge zu einem tätlichen Angriff auf Bereitschaftspolizisten, als diese eine Gruppe Neonazis vom Weg der Antifa-Demo abdrängte.

Die Einsatz-Bilanz der Polizei vom Demo-Geschehen: Vier Strafanzeigen und zwei Ingewahrsamnahmen aufseiten der Antifa und zwei Strafanzeigen gegen Rechtsextreme.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel
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