Feuer würde auch dem hölzernen Dachstuhl der Brackeler Kirche zusetzen - weitere Gefahr

Nach Notre Dame

Der Brand von Notre Dame wirft viele Fragen auf. Wie gut sind eigentlich Kirchen hier geschützt? Brackels evangelische Kirche am Hellweg hat noch mit einer ganz anderen Gefahr zu kämpfen.

Brackel

, 23.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Feuer würde auch dem hölzernen Dachstuhl der Brackeler Kirche zusetzen - weitere Gefahr

Nach der gut dreijährigen Sanierung von Dach, Turm und Altarraum erstrahlt die evangelische Kirche am Brackeler Hellweg seit 2018 wieder im alten Glanz. © Oliver Schaper

Erschreckend schnell haben sich die Flammen in der Pariser Kathedrale Notre Dame verbreitet. Wäre das genauso, wenn zum Beispiel die evangelische Kirche am Brackeler Hellweg Feuer finge?

„Käme es bei uns zu einem Feuer, würde ebenfalls der Dachstuhl sehr leicht brennen, denn er ist aus Holz“, erläutert Pfarrerin Sandra Sternke-Menne. Im Zuge der Dachsanierung seien zwar morsche Holzteile ausgetauscht worden, doch die grundsätzliche Gefahr bestehe weiter.

Im Kirchraum selbst gebe es dagegen nicht viel Holz, aber auch hier müsse man immer aufpassen. „Besonders, wenn wir mit offenem Licht agieren, zum Beispiel mit den Kerzen in der Osternacht.“ In solchen Fällen werde Wasser bereitgestellt, und grundsätzlich seien drei Feuerlöscher in der Kirche verteilt, und zwar in der Sakristei, im Turmraum und an der Orgel. „Denn jede Minute zählt, falls beispielsweise ein Feuer auf der Empore ausbräche“, erklärt die Pfarrerin die vorbeugenden Maßnahmen. „Außerdem geht nach einem Gottesdienst mit Kerzen immer noch einer durch die Kirche, um sich zu vergewissern, ob auch wirklich alle Lichter aus sind.“

Aufmerksame Anwohner haben immer einen Blick auf die Kirche

Zum Brandschutz für die Kirche, die das erste evangelische Gotteshaus auf dem heutigen Stadtgebiet war, gehören darüber hinaus regelmäßige Kontrollen durch die Feuerwehr. Einen Anruf von der Feuerwehr habe sie im September 2014 erhalten, erzählt die Pfarrerin. Ein aufmerksamer Anwohner wollte eine Rauchentwicklung im Turm beobachtet haben. Glücklicherweise sei es ein Fehlalarm gewesen. Sandra Sternke-Menne findet es sehr gut, dass die Anwohner so genau auf die Kirche schauen. Dies sei ein zusätzlicher Schutz für die Kirche. „Wir hoffen einfach, dass ein Brand niemals passiert“, sagt die Pfarrerin. „Und wenn es doch dazu kommen sollte, ist die Feuerwehr hoffentlich schnell da.“

Doch es ist nicht nur die Möglichkeit eines Brandes, der die Kirche bedroht, sondern auch der moderne Verkehr, der dem Bauwerk zu schaffen macht. Die Autoabgase an der stark befahrenen Kreuzung Hellweg/Flughafenstraße/Leni-Rommel-Straße schädigen den relativ weichen Sandstein. „Diese Stoffen machen den Sandstein porös.“ Nach der Sanierung von Turm und Dach seien Nacharbeiten an der Außenfassade vorgenommen worden.

„Für die nächsten zehn Jahre ist das jetzt in Ordnung, danach muss wieder etwas gemacht werden“, kündigt die Pfarrerin an. Der Zustand der Kirche müsse kontinuierlich kontrolliert werden. Die Schädigung des Sandsteins ließe sich mit einem Einschlemmen des Gebäudes aufhalten, wie dies bei der Johannes-Kirche in Wickede getan wurde. Doch gibt es Vorbehalte dagegen, denn es nicht allen gefällt das. „Vielleicht gibt es in zehn Jahren eine neue Technik, und das Einschlemmen bleibt uns erspart“, sagt Sandra Sternke-Menne.

Verkehrsberuhigung am Brackeler Hellweg könnte helfen

Der Kirche helfen würde auch ein Plan der Politik zur Verkehrsberuhigung des vierspurigen Brackeler Hellwegs, ist die Pfarrerin überzeugt. Die Bezirksvertretung Brackel möchte den Hellweg zwischen den Einmündungen Oberdorf- und Oesterstraße zu einer nur noch zweispurigen Tempo-30-Zone mit viel mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger machen. „Dieses Konzept können wir nur begrüßen“, so die Seelsorgerin.

„Wir investieren in Menschen“, schildert Sandra Sternke-Menne, dennoch seien die Gebäude der Gemeinden wichtig und hätten einen ideellen Wert. „Die Kirchen bilden einen großen Identifikationspunkt.“

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