Grund für die spontane Kundgebung: die Brände im Flüchtlingslager Moria © Robin Albers
Kundgebung

Feuer in Moria: 1000 Dortmunder gingen auf die Straße

Nach den Bränden im griechischen Flüchtlingslager Moria gab es Proteste in der Dortmunder City mit klaren Forderungen an die Politik. Es kamen deutlich mehr Teilnehmer als erwartet.

Die Organisation Seebrücke hat am Donnerstagabend (10. September) zu einer Kundgebung in Dortmund aufgerufen. Der Anlass: Am Mittwoch (9. September) kam es im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos zu mehreren Bränden. Fast das gesamte Areal ist mittlerweile zerstört, rund 12.600 Geflüchtete sind nun obdachlos.

Laut Anja Sportelli von der Seebrücke Dortmund war am Morgen allerdings noch nicht ganz klar, ob die Kundgebung tatsächlich wie geplant vor der Reinoldikirche stattfinden kann – aus Platzmangel.

Denn: Für die Demo waren ursprünglich 300 Teilnehmer angemeldet, es sei aber möglich, dass mehr Menschen bei dem Protest dabei sein werden. Und so kam es dann auch.

Rund 1000 Menschen kamen zur Kundgebung am Donnerstagabend in die Dortmunder City.
Rund 1000 Menschen kamen zur Kundgebung am Donnerstagabend in die Dortmunder City. © Robin Albers © Robin Albers

Am Mittag gab die Polizei bekannt, dass die Kundgebung zwar nach wie vor an der Reinoldikirche stattfinden soll, allerdings vorsorglich auf die Seite zur Straße Friedhof in der Nähe der U-Bahnhaltestelle verlegt werde und nicht, wie ursprünglich geplant, am Ostenhellweg stattfinden soll.

Die Polizei schätzt, dass sich letztendlich zu Spitzenzeiten rund 1000 Menschen an der Reinoldikirche versammelten.

Sicherer Hafen, aber ohne Anleger

Seit Mai 2019 erklärt sich die Stadt Dortmund als „sicherer Hafen“ für geflüchtete Menschen. Wie viele andere Kommunen. Bis heute sind aber noch keine weiteren Menschen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln in Deutschland angekommen.

Denn das Bundesinnenministerium muss zustimmen, wenn sichere Häfen wie Dortmund Geflüchtete aufnehmen wollen. Das wird jedoch von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) abgelehnt. Er pocht auf eine europäische Lösung bei der Aufnahme von Geflüchteten.

Die Brände zerstörten das Flüchtlingslager fast komplett. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Die Menschen leben dort zu unmenschlichen Bedingungen, nachdem sie eine gefährliche Flucht über das Mittelmeer zurücklegen mussten. Die Zustände dort und in anderen Lagern werden seit einiger Zeit von Menschenrechtsorganisationen kritisiert und die Politik aufgefordert, die Geflüchteten dort herauszuholen.

Seebrücke: Eine Katastrophe mit Ansage

Die Brände in Moria seien eine „Katastrophe mit Ansage“, so die Dortmunderin Anja Sportelli (52). Sie engagiert sich bei der Seebrücke. Die Bewegung kritisiert seit 2018 die europäische Politik gegenüber Geflüchteten und setzt sich gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung ein.

Ihre Forderung: Sichere Fluchtwege, menschenwürdige Unterbringung und eine dauerhafte Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland.

Das Flüchtlingscamp auf Lesbos sei laut Sportelli ursprünglich nur auf 2.000 Menschen ausgelegt gewesen – es war also völlig überfüllt. Das sorge für fatale hygienische Zustände, tausende Männer, Frauen und Kindern mit schlimmen Schicksalen leben eng zusammengepfercht auf kleinem Raum. Das sei in Zeiten der Corona-Pandemie verbunden mit dem hohen Infektionsrisiko nochmal problematischer.

Doch nun nach den Bränden stehen diese tausenden Menschen auf der Straße, werden auf den Autobahnen zusammengehalten und teilweise sogar von der griechischen Polizei mit Tränengas beschossen, sagt Sportelli.

Bundesregierung muss handeln

Die Situation in Moria bekräftige das, was die Seebrücke schon seit Jahren fordert: Deutschland solle Verantwortung übernehmen, die Lager auf den griechischen Inseln sollen evakuiert werden.

Die Bundesregierung solle jetzt aktiv zu werden. Sportelli dazu: „Die Menschen sollen erstmal in Deutschland aufgenommen werden, anstatt sich hinter einer europäischen Lösung zu verstecken.“ Denn von der werde schon seit Jahren geredet, während die Geflüchteten weiter in unmenschlichen Bedingungen leben.

Die Geflüchteten aus Moria sind seit dem Brand obdachlos und müssen auf den Straßen schlafen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Laut Anja Sportelli sei gerade in Dortmund Platz und das nötige Know-How im Umgang mit Geflüchteten vorhanden. Viele Einrichtungen und Wohngruppen seien geschlossen oder zusammengelegt worden.

Aber auch wenn Dortmund sich als sicheren Hafen betitelt – einfach so kann die Stadt keine Geflüchteten aufnehmen. Und das wird von der Bundesregierung und gerade von Innenminister Seehofer entschieden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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