Mit Maske und Abstand soll auch zum Zuckerfest ein Gebet in der Wali-Moschee in Barop möglich sein. © Adelhay Fadil

Fasten im Lockdown hatte nicht nur Nachteile

Nach 30 entbehrungsreichen Tagen geht der Ramadan zu Ende. Drei Dortmunder Muslime blicken zurück auf das Fasten im Lockdown. Was diesmal anders war? „Alles!“

Immerhin das Wetter hat mitgespielt. Dass es in den letzten vier Wochen recht kalt war, oft ungemütlich sogar, hat vielen Dortmundern vermutlich aufs Gemüt geschlagen.

Vielen praktizierenden Muslimen haben die niedrigen Temperaturen hingegen dabei geholfen, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken zu verzichten und so eine der zentralen Regeln des Ramadan zu befolgen.

Am Mittwoch (12.4.) endet der heilige Fastenmonat des Islam mit dem Zuckerfest. Auch dieses Mal hatte Corona erheblichen Einfluss auf den Ramadan. „Alles“, antwortet Nafisath Tabiou knapp auf die Frage, was denn anders gewesen sei als sonst.

Ramadan im Kreis der Familie

Normalerweise hätte sie das tägliche Fastenbrechen mit Freunden und Verwandten zelebriert, dieses Jahr hätte man das aber „komplett gestrichen“, erklärt die 17-Jährige, auch wegen der Ausgangssperre. Stattdessen hätte sie den Ramadan überwiegend im Kreis ihrer sechsköpfigen Familie verbracht.

So viel Zeit mit denselben Personen zu verbringen, kann natürlich auch zu Streit führen – oder nicht? „Ramadan heißt nicht nur Verzicht auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr, sondern auch auf böse Gedanken, dass man Streit präventiv aus dem Weg geht“, sagt Mert Can Cetin (22).

Diskussionen und Streit gebe es durchaus, aber das sei weniger Ramadan als Pandemie bedingt. Für den jungen Zahntechniker aus Hombruch beinhaltet das Fasten noch einen weiteren wichtigen Aspekt: „Man denkt mit dem Verzicht auch an Menschen, die Tag für Tag um jede Mahlzeit bangen.“

Zahntechniker Mert Can Cetin will sich während des Ramadan auf seine Spiritualität besinnen. © Mert Can Cetin © Mert Can Cetin

Sorge um hungernde Studenten

Die Sorgen um Mitbürger, die zu wenig zu essen haben, treibt Adelhay Fadil während dieses Ramadan besonders um. „Wir haben auch von Studenten gehört, die Probleme haben, genug Essen zu bekommen“, so der Imam der Wali-Moschee in Barop. Am Telefon wirkt er besorgt.

Letztes Jahr, als der Ramadan bereits von Corona beeinflusst worden war, sei die Lage noch nicht so schlimm gewesen. Jeden Abend bieten er und sein Team Bedürftigen eine Mahlzeit. Damit allein sei es aber nicht getan. Auch für die Psyche müsse man aktuell Angebote bereithalten.

Auch einige Studenten sind aktuell aus das Essens-Angebot der Moschee angewiesen. © Adelhay Fadil © Adelhay Fadil

Seelsorge besonders wichtig

Der Imam ist überzeugt: „Wir müssen den Menschen das geben, was sie haben wollen.“ Deshalb seien 70 Prozent der Gäste, die er aktuell für Vorträge in die Moschee einlade, auch Psychologen und Erziehungswissenschaftler. „Das ist sehr gut angekommen.“

So entbehrungsreich die Zeit in der Pandemie an sich und gerade im Ramadan auch sei, die muslimische Gemeinde sieht auch das Gute. Natürlich sei die 17-jährige Nafisath beispielsweise traurig darüber, dass sie ihre Cousine und ihre Freunde während des Ramadans kaum sehen konnte. „Gleichzeitig bin ich aber auch froh, bei meiner Familie sein zu können.“

Schülerin Nafisath Tabiou vermisst ihre Freunde, freut sich aber über die Zeit mit ihrer Familie. © Nafisath Tabiou © Nafisath Tabiou

Spiritualität im Vordergrund

Ramadan in der Pandemie, das sei auch eine Chance, findet Mert Can Cetin: „Man hat mehr Zeit für sich, mehr Zeit für die engste Familie mehr Zeit für die eigene Spiritualität.“

Und liege darin nicht irgendwie auch der Sinn des Ganzen, fragt er. Außerdem sei man aktuell in einer Phase der Pandemie, die wieder viel zulasse. Zum Zuckerfest, das am Mittwoch und Donnerstag stattfindet, möchte er seine bereits geimpften Großeltern besuchen. Mit negativem Testergebnis natürlich.

Online-Anmeldung notwendig

Auch bei Adelhay Fadil laufen die Vorbereitungen für Ramazan Bayrami, wie das Zuckerfest auch genannt wird. „Für das Festgebiet machen wir dieses Jahr nicht einen Gottesdienst, sondern zwei“, erklärt der Imam.

Wer dabei sein wolle, müsse sich online anmelden und beim Beten den nötigen Abstand halten. Tests sollen auch angeboten werden. Alles dafür, dass von dem zweiten Zuckerfest während Corona vor allem die Erinnerungen an das gesellige Miteinander im Gedächtnis bleiben.

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Freier Mitarbeiter
Geboren in Ulm, aufgewachsen im Allgäu, angekommen im Ruhrgebiet schreibe ich über alles, was die Menschen in Dortmund und Umgebung umtreibt.
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