Ratten plagen sechsköpfige Familie: Vermieter sieht kein Problem

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Die Verzweiflung bei Sandra Hauer (38) und ihren fünf Kindern ist groß. Ihre Wohnung weist nicht nur bauliche Mängel auf, sie ist zudem von Ratten befallen. Die Tiere sitzen in den Wänden.

Westerfilde

, 05.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer bei Sandra Hauer (38) und ihren fünf Kindern im Wohnzimmer sitzt, hört trappelnde Schritte. „Anfangs habe ich den Kindern noch gesagt, das seien bestimmt Vögel in der Regenrinne“, sagt die 38-Jährige. „Wir wohnen ja im Dachgeschoss.“

Doch die Kinder seien recht schnell davon überzeugt gewesen, dass es sich dabei um Ratten handele. Seit Januar tauchten die Tiere immer wieder im kleinen Hinterhof des Wohnhauses an der Westerfilder Straße auf. Im Keller hing plötzlich ein Schild: „Achtung, Ratten, bitte das Licht anlassen“.

Wohnung war eigentlich ein „Glücksfall“

Dass die Tiere tatsächlich nicht nur im Keller und im Hinterhof unterwegs seien, habe sie aber erst begriffen, als sie eine Ratte unter dem Kinderwagen im ersten Stock des Hauses entdeckte. Als nächstes sei ihr aufgefallen, dass alle Sachen, die sie auf dem Dachboden gelagert hatte, angefressen und vollgekotet waren.

„Spätestens in der letzten Maiwoche, als mir eine Ratte in der Küche über die Füße lief, war es für mich vorbei“, sagt Sandra Hauer, die schon seit Anfang des Jahres eine neue Wohnung für sich und ihre Kinder sucht. „Angst und Ekel sind schlimm.“

Und die Ratten sind nicht das einzige Problem der sechsköpfigen Familie. Hinzu kommen bauliche Mängel in der Wohnung.

Als Sandra Hauer Ratten in ihrer Küche entdeckte, forderte sie endgültig die Hilfe ihres Vermieters ein. Passiert ist jedoch bislang nichts.

Als Sandra Hauer Ratten in ihrer Küche entdeckte, forderte sie endgültig die Hilfe ihres Vermieters ein. Passiert ist jedoch bislang nichts. © Privat

Dabei sei die ursprünglich ein Glücksgriff gewesen. „Vom Schnitt her passt sie perfekt, Einkaufsmöglichkeiten sind fußläufig erreichbar und die Kinder kommen wunderbar zur Schule“, erzählt Sandra Hauer.

Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten habe sie im vergangenen Jahr schnell eine neue Bleibe gebraucht. Zunächst sei sie begeistert von der Wohnung in Westerfilde gewesen.

Schließlich sei es als Alleinerziehende mit fünf Kindern nicht leicht, kurzfristig eine Wohnung zu finden. Zudem habe der Vermieter bei der Besichtigung versprochen, die „Schönheitsfehler“ in den Räumen bis zum Einzug zu beheben.

Vormieter haben Ähnliches erlebt

Doch Familie Hauer musste schnell feststellen, dass der Vermieter nicht so hilfsbereit war, wie es zunächst den Anschein hatte. Beim Einzug im November 2019 seien das Küchenfenster, die Heizung in einem der Kinderzimmer, die Armaturen im Badezimmer und das Schloss der Wohnungstür ebenso beschädigt gewesen wie bei der Besichtigung.

Nach erfolglosen Anfragen beim Vermieter, der sich auch vom eingeschalteten Mieter-Netzwerk Dortmund nichts sagen ließ, habe sie die Tür und Armaturen auf eigene Kosten reparieren lassen, so Sandra Hauer. Die Heizung habe der Vermieter nach einem Wasserschaden entfernt und nie ersetzt.

Auf der Wohnzimmer-Fensterbank fängt Sandra Hauer zwei bis drei Ratten pro Tag.

Auf der Wohnzimmer-Fensterbank fängt Sandra Hauer zwei bis drei Ratten pro Tag. © Privat

Das Küchenfenster, das Orkantief Sabine aus seinen Angeln gerissen hatte, habe er einfach am Rahmen festgenagelt, sodass sie es nicht mehr öffnen könne. Am Sonntag wandte sich Sandra Hauer schließlich verzweifelt an die Facebook-Gemeinde, um endlich eine neue Wohnung zu finden.

Darüber fand sie auch Vormieter ihrer Wohnung, die Ähnliches berichteten und wegen der Rattenplage wieder ausgezogen waren. „Ich fange täglich zwei oder drei Ratten auf der Wohnzimmer-Fensterbank“, sagt Sandra Hauer. „Wir müssen hier raus.“

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In der Zwischenzeit habe ein Schädlingsbekämpfer festgestellt, dass die Ratten im Gemäuer sitzen. Den könne jedoch nur der Vermieter beauftragen. „Und damit rechne ich nicht.“

Vermieter sagt, dass es keine Ratten in den Wohnungen gebe

Gegenüber der WDR-Lokalzeit hatte der Vermieter Ayhan Yilmazer zwar betont, dass er etwas gegen die Rattenplage tun wolle, sagte jedoch auch, dass es in der Wohnung keine Ratten gebe. Dem entgegen stehen die Aussagen und Fotos von Familie Hauer.

Inzwischen habe sich jedoch glücklicherweise ein Besichtigungstermin für eine Wohnung in Kamen ergeben, so Sandra Hauer. „Wir würden zwar lieber in Dortmund bleiben, damit die Kinder nicht die Schule wechseln müssen“, sagt sie. „Aber wenn die Wohnung passt, nehmen wir sie sofort.“

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