Diebeszug beim Probeputzen: „Falsche“ Putzfrau hat es auf Senioren abgesehen

dzFiese Masche

Eine angebliche Putzfrau bewirbt sich gezielt auf Inserate älterer Menschen. Alle finden sie nett. Bis sie merken, dass plötzlich Schmuck und Bargeld fehlen.

Dortmund

, 07.08.2019, 10:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie nannte sich Elisa, Linda oder Rezi. Sie sah gut aus, war extrem nett und sprach trotz ihrer kosovarischen Herkunft fast akzentfrei Deutsch. Kein Wunder also, dass alle begeistert waren, als sich die angebliche Putzfrau bei ihnen meldete. Doch das böse Erwachen ließ nicht lange auf sich warten.

Die 34-Jährige ist am Dienstag zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Laut Urteil hatte sie sich meist schon beim Probeputzen Schmuck und Bargeld eingesteckt. Manchmal schlich sie sich danach still und leise davon, ließ sogar die Wohnungstür offen.

Auf rund 50.000 Euro soll sich der Wert der Beute belaufen – aus sieben Putz-Einsätzen. Nichts davon ist wieder aufgetaucht. Kein einziger Ehering, keine Uhr, keine Goldkette.

Auf Inserate älterer Menschen gemeldet

Die Angeklagte hatte sich gezielt auf Inserate älterer Leute gemeldet.

„Meine Frau ist vor zwei Jahren gestorben und ich hatte im Haushalt ja keine Ahnung“, sagte einer der Betroffenen als Zeuge vor Gericht. „Außerdem bin ich an und für sich nicht besonders ordentlich.“

Der 71-jährige Rentner hatte beim „Probeputzen“ sogar noch seine Schwiegertochter angerufen. „Die ist top“, sagte er am Telefon. „Die ist in Ordnung.“

Später stellte er jedoch fest, dass Schmuck fehlte. Die Angeklagte muss ihn mitgenommen haben, als er im Wohnzimmer auf der Couch saß. Und das ärgert ihn am meisten. „Diese Dreistigkeit“, sagte er den Richtern. „Ich bin dabei und werde bestohlen. Darüber komme ich nicht weg.“

Mit sechs aus dem Kosovo geflüchtet

Die Angeklagte war als Sechsjährige mit ihrer Familie vom Kosovo nach Deutschland geflüchtet. Sie ging in Dortmund zur Schule, machte ihren Realschulabschluss, wollte Verkäuferin werden. Doch anders als Eltern und Geschwister hatte sie kein Aufenthaltsrecht. „Ich hätte einen Deutschen heiraten müssen, aber das wollte ich nicht“, sagte sie den Richtern.

Zweimal ist sie schon ausgewiesen worden, beide Male illegal zurückgekehrt. Nach dem Urteil droht ihr nun die dritte Abschiebung.

Im Prozess vor dem Dortmunder Amtsgericht hatte die 34-Jährige zu den Vorwürfen geschwiegen. Sie wurde allerdings von fast allen Zeugen wiedererkannt. Verteidiger Jens Jeromin hatte trotzdem Zweifel: „Es ist nicht immer klar, wann die fehlenden Gegenstände von den Besitzern zuletzt gesehen worden sind.“ Vielleicht könne ja auch ein anderer heimlich zugegriffen haben.

Das hielt Richterin Nicole Altemeier jedoch für ausgeschlossen: „Die Puzzleteile passen ineinander. Es kommt kein anderer Täter in Betracht.“

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