Wie der Fachkräftemangel Unternehmen in Dortmund ganz konkret trifft – drei Beispiele

dzBerufe und Ausbildung

Rund 34.000 Fachkräfte könnten in zehn Jahren in Dortmund fehlen. Doch schon jetzt gibt es Unternehmen, bei denen sich der Fachkräftemangel auf den Betrieb auswirkt - teils drastisch.

Dortmund, Lünen

, 15.02.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist inzwischen sowas wie ein geflügeltes Wort geworden, das Einzug in verschiedenste Debatten gehalten hat. Aber was bedeutet das konkret, wenn es einem Betrieb an Fachkräften fehlt?

Bis 2030 soll es laut dem IHK-Fachkräftemonitor in Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna etwa 34.000 unbesetzte Fachkräftestellen geben.

„Ein Problem, das uns täglich begleitet.“

Zwischen fünf und acht unbesetzte Stellen gibt es schon jetzt beim Elektrotechnik-Unternehmen E.u.G. Lange. Volker Conradi ist dort Geschäftsführer. Das Unternehmen hat etwa 60 Mitarbeiter. „Für uns ist der Fachkräftemangel ein Problem, das uns täglich begleitet“, sagt Conradi.

Gesucht werden dort vor allem Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik. „Wir machen fast alles – vom Lichtschalter bis zu bestimmten Industrieinstallationen.“

Wegen des Fachkräftemangels musste das Unternehmen bereits Termine mit Kunden verschieben, sagt Volker Conradi. Auch würden andere Mitarbeiter Mehrarbeit leisten. Etwa 10 bis 15 Prozent mehr Umsatz wären drin, sagt Conradi, gäbe es mehr qualifizierte Kräfte.

Volker Conradi ist zudem auch Obermeister der Innung für Elektrotechnik Dortmund und Lünen. Er sagt: „Das Problem, das wir haben, trifft so oder so ähnlich auch bei vielen anderen Betrieben zu.“

„Oftmals liegt das an den Eltern.“

Noch kein Problem mit dem Fachkräftemangel hat die Boehringer Ingelheim microParts GmbH. Allerdings wird das absehbar kommen. Denn bei dem Hersteller eines Tascheninhalators sind eher die Azubis das Problem.

Wie der Fachkräftemangel Unternehmen in Dortmund ganz konkret trifft – drei Beispiele

Andy Giowanowicz von der Firma Boehringer Ingelheim Micro Parts im Technologiezentrum betont vor allem den Mangel an guten Auszubildenden. © Stephan Schütze

„Nach zehn Minuten Gespräch merken wir oft, dass es nicht passt. Manche Bewerber wissen gar nicht, auf welches Berufsbild sie sich bewerben. Oft fehlt auch die menschliche Reife“, so schildert das Andy Giowanowicz, Ausbildungsreferent des Unternehmens.

Oftmals liege das auch an den Eltern: „Kinder sind grundsätzlich hochbegabt. Alle wollen Abitur machen und machen sich daher nicht rechtzeitig Gedanken über eine Ausbildung.“

„Vielleicht nicht das beste Image“

Auch Malermeister Marcus Schulz merkt den Fachkräftemangel in seinem Betrieb. Es sei schwer, an qualifizierte Mitarbeiter zu kommen. „Wir versuchen, das über Zeitarbeit auszugleichen. Aber das ist teuer und man muss die neuen Mitarbeiter natürlich erst einarbeiten.“ Aufträge würden auch an dritte Unternehmen ausgelagert.

Wie der Fachkräftemangel Unternehmen in Dortmund ganz konkret trifft – drei Beispiele

Malermeister Marcus Schulz im Einsatz mit Kollegen. © Stephan Schütze

„Der Fachkräftemangel hängt sicher auch damit zusammen, dass das Handwerk vielleicht nicht das beste Image hat: anstrengend, früh aufstehen, laut.“ Dort müsse man ansetzen, um gegenzusteuern. Man müsse zeigen, dass das Handwerk viele ehrenhafte Berufe habe.

„Wenn ich auf einer Party Leute treffe, die ich noch nicht kenne, sage ich denen immer: ‚Ich bin Anstreicher.‘ Da sieht man schon die Reaktionen“, erzählt Marcus Schulz noch. Er könnte auch sagen, dass er ein Unternehmen leitet, tut er aber nicht. Ein bisschen auch, um zu provozieren.

Neues Bündnis soll helfen

Ansätze, das Problem Fachkräftemangel zu bekämpfen, gibt es viele. Finanzielle Förderung oder Imagepflege sind nur zwei. In Dortmund haben sich Mitte Januar verschiedene Wirtschaftsakteure in einem neuen „Bündnis für Fachkräfte Westfälisches Ruhrgebiet“ zusammen getan.

Wie der Fachkräftemangel Unternehmen in Dortmund ganz konkret trifft – drei Beispiele

IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann und die Bündnispartner bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung. Vorne neben ihm: Thomas Helm (Agentur für Arbeit Hamm). Im Hintergrund von links: Heike Bettermann (Agentur für Arbeit Dortmund), Berthold Schröder (Präsident Handwerkskammer Dortmund), Thomas Schäfer (Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland) und Jutta Reiter (DGB Region Dortmund-Hellweg). © IHK Dortmund

Die Industrie- und Handelskammer, die Agenturen für Arbeit Dortmund und Hamm, der DGB Region Dortmund-Hellweg, der Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland und die Handwerkskammer Dortmund wollen so in Zukunft enger zusammenarbeiten - und vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung unterstützen.

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