Umwelt-Rebellin über Brücken-Blockade: „Keine Zeit, Corona abzuwarten“

dzExtinction Rebellion Dortmund

Die Umweltgruppe Extinction Rebellion hat am vergangenen Samstag den Verkehr auf der Möllerbrücke lahmgelegt. Eine der Umweltaktivistinnen meldet sich nach der achtsstündigen Sitz-Blockade zu Wort.

Dortmund

, 05.08.2020, 09:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Mit zivilem Ungehorsam gegen die ökologische Katastrophe“ - Damit wirbt die Umweltgruppe Extinction Rebellion (XR) für ihre Zwecke. Diesen „zivilen Ungehorsam“ haben Dortmunder Autofahrer am eigenen Leib gespürt, als sie vergangenen Samstag über die Möllerbrücke fahren wollten - und einen Umweg einlegen mussten.

Die XR Gruppe in Dortmund hat am 1. August für mehrere Stunden die Möllerbrücke blockiert. Die unangekündigte Straßenblockade musste von der Polizei aufgelöst, die Teilnehmer teilweise abtransportiert werden. Alles nur eine PR-Show oder was steckt genau dahinter? Wir haben mit Amelie Meier (25) gesprochen, XR-Mitglied in Dortmund.

„Brücken-Blockade nicht nur Show“

Amelie Meier studiert nachhaltiges Wirtschaften im Master. Nach Abschluss ihres Studiums möchte sie daran mitwirken, dass Deutschland klimaneutral wird - nicht nur auf der Straße, sondern auch aktiv im Beruf. Mit der Straßenblockade am vergangenen Samstag auf der Möllerbrücke wollte XR ihren Forderungen an die Stadt Dortmund Ausdruck verleihen.

„Wir wollen auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes aufmerksam machen“, sagt Amelie Meier. Drei Forderungen richtet die Umweltgruppe an die Stadt: Aufklärung über Artensterben und Klimawandel, bis 2025 soll die Stadt Dortmund klimaneutral werden und mehr Bürger-Beteiligung durch Bürger-Versammlungen. „Die Brücken-Blockade war nicht nur Show, sondern diente auch anderen Zwecken“, sagt Meier.

Amelie Meier möchte sich für ein klimaneutrales Deutschland einsetzen - später im Beruf und am vergangenen Wochenende auf der Straße.

Amelie Meier möchte sich für ein klimaneutrales Deutschland einsetzen - später im Beruf und am vergangenen Wochenende auf der Straße. © Anne Schiebener

Wenn Amelie Meier von der Blockade spricht, benutzt sie immer das Gemeinschafts-Wir. Generell ist sie eine sehr vorsichtige Gesprächspartnerin. Sie spreche nicht für die gesamte Gruppe, sagt sie später. Außerdem habe Meier nichts mit der Planung der Blockade zu tun und sei auch nicht die Veranstalterin. In der Extinction Rebellion Gruppe gebe es keine Hierarchien.

Provozieren für den Klimaschutz

Provozieren ist das Stichwort von XR. In einer vergangenen Aktion Ende Juni haben die Aktivisten in einer Kunstblut-Larche auf dem Dortmunder Friedensplatz protestiert. Dagegen wirkt die Brücken-Blockade schon fast harmlos. Die Möllerbrücke ist an einem Samstagnachmittag zwar nicht leer, der Wall beispielsweise wäre jedoch deutlich stärker befahren.

Wenn die Umweltgruppe XR mit ihren Aktionen provozieren und stören möchte, warum wählt sie dann keinen größeren und „störenderen“ Straßenabschnitt? Das habe mehrere Gründe. „Wir wollten die Autofahrer nicht nötigen. Die Möllerbrücke ist gut umfahrbar“, sagt Meier. „Außerdem wäre die Aktion auf dem Wall schneller abgebrochen worden.“

Grenzen fließend zwischen Show und Stören

Ebenfalls von Bedeutung ist aber die Kapazität der XR Gruppe in Dortmund. Wer einen großen Straßenabschnitt blockieren möchte, braucht dafür viele Mitglieder. „Wir haben höhere Ziele, aber bisher noch nicht genügend Leute, um größere Straßen zu blockieren“, sagt Meier. Das ist ebenfalls der Grund, warum sich die Aktivisten zum Abbruch der Aktion von den Polizisten abtransportiert haben lassen.

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„Um als Umweltgruppe zu wachsen, wollten wir schöne Bilder erzeugen“, sagt Meier. „Ziel des massenhaften zivilen Ungehorsams war es aber nicht nur, Bilder zu erzeugen, sondern auch zu stören.“ Die Grenzen zwischen Aufmerksamkeit auf die eigene Gruppe sowie Aufmerksamkeit auf den Klimaschutz leiten, waren bei der Brücken-Blockade scheinbar fließend.

Abtransport der Polizei trotz Corona

Eine unangekündigte Straßenblockade mit mehr als 60 Teilnehmern, bei denen sich die Aktivisten von der Polizei wegtragen lassen, ist vor allem in Zeiten einer globalen Pandemie kritisch. Auch wenn die Aktivisten einen Mundschutz tragen und Abstand zum Nächsten halten, ist die Nähe zum Polizisten beim Abtransport nicht außer Acht zu lassen - zu mal sie sich einfach hätte verhindern lassen können. Jeder der XR Aktivisten war in der Lage, die Möllerbrücke selbst zu verlassen.

Die Meinung von Amelie Meier: „Wir haben keine Zeit mehr die Corona-Krise abzuwarten. Die Klima-Krise läuft trotz Corona weiter.“ Des Weiteren war der Abtransport ein symbolisches Zeichen: „Alle legalen Mittel sind ausgeschöpft, deswegen müssen wir auf illegale Mittel ausweichen.“

Die Möllerbrücke als Schauplatz der Umweltgruppe Extinction Rebellion in Dortmund. Auch nach dem Wochenende erinnern die Pflanzenkästen an die Brücken-Blockade.

Die Möllerbrücke als Schauplatz der Umweltgruppe Extinction Rebellion in Dortmund. Auch nach dem Wochenende erinnern die Pflanzenkästen an die Brücken-Blockade. © Anne Schiebener

Auch nach dem Wochenende stehen die von Extinction Rebellion aufgestellten Pflanzenkästen auf der Mittelinsel der Möllerbrücke. Ebenfalls die mit Kreide aufgemalten Sprüche erinnern an die Aktion der Umweltgruppe. Amelie Meier berichtet, sie haben positive Rückmeldung von den Anwohnern des Kreuzviertels zu den Blumenkästen bekommen und sie hofft nun, dass die Stadt diese stehen lasse.

Welche Aktionen XR Dortmund als nächstes plane, wolle Amelie Meier noch nicht preisgeben. Wenn die Kapazität der Umweltgruppe es hergebe, solle etwas größeres in Dortmund geplant werden, sagt Meier.

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