Annette und Marius Gelhausen mit Tochter Lea suchen ein Haus in Eichlinghofen © privat
Immobilien

Explodierende Haus-Preise: Junge Familie sucht mit ungewöhnlichen Mitteln

Explodierende Immobilienpreise bei einem engen Markt: Um ihr Traumhäuschen doch noch zu finden, setzen immer mehr Familien auf kreative Werbung in eigener Sache - wie die Gelhausens.

Wenn Marius und Annette Gelhausen am Wochenende mit ihrer kleinen Tochter durch Dortmund-Eichlinghofen spazieren gehen, gucken sie in jede Nebenstraße – und denken häufig: „Hier würden wir auch gern wohnen.“ Seit zweieinhalb Jahren suchen sie über Zeitungs- und Ebay-Kleinanzeigen, über Immobilienscout und Makler ein Haus. Bisher ohne Erfolg.

„Es ist kaum etwas verfügbar, und wenn doch, werden oft hohe Preise verlangt für Häuser, die veraltet sind“, sagt Annette Gelhausen. Einmal waren sie mithilfe eines Maklers ihrem Häuschen zum Greifen nah – glaubten sie. „Doch dann kam zwei Tage später die Nachricht, dass jemand anderes das Haus bekommt.“ Andere Interessenten würden im Hintergrund weiter bieten, sagt die junge Mutter. Das sei frustrierend.

Der Ingenieur (31) und die Leiterin der Personalabteilung bei einem E-Commerce-Unternehmen (32) haben 2019 geheiratet und frühzeitig angefangen, nach einem Haus zu suchen. Zwischen Eichlinghofen und Lütgendortmund, wo sie ursprünglich herkommen. Dann kam Töchterchen Lea, inzwischen fünf Monate alt. Die 86 Quadratmeter große 2,5-Zimmer-Wohnung, in der sie derzeit in Eichlinghofen zur Miete wohnen, hat nur ein Schlafzimmer und ist deshalb auf Dauer zu klein.

Visitenkarte mit schönem Foto

Also was tun? Sie folgten dem Beispiel von Freunden der Familie. Die hatten vor Jahren Visitenkarten mit ihrem Anliegen drucken lassen, sie in Briefkästen verteilt – und kamen so zu einem Haus.

Die kreative Werbung in eigener Sache von Familie Gelhausen sieht so aus: „Wir suchen ein Eigenheim“, steht am Kopf ihrer Visitenkarte mit einem schönen Foto von Vater, Mutter, Kind. „Wollen Sie oder jemand, den Sie kennen, ein Haus oder ein Grundstück verkaufen? Melden Sie sich bitte bei uns.“

„Jedes Mal, wenn wir spazieren gehen, verteilen wir die Karten“, erzählt Annette Gelhausen, „am Wochenende vor Weihnachten haben wir die ersten eingeworfen.“ 500 haben sie drucken lassen, mehr als 100 davon schon unter die Leute gebracht. Noch ohne Resonanz.

Annalena Krapp und ihre Verlobte haben das gleiche Problem – und versuchen es mit einer Postkarte („Operation Eigenheim“), die sie in ihrer Wunschgegend in Eichlinghofen verteilen. Beide Frauen sind 27 Jahre alt, Annalena Krapp ist Angestellte bei einem Energiekonzern, ihre Verlobte ist Polizeibeamtin.

Gute Erfolgsquote

„Wir suchen schon seit drei Jahren, mal mehr mal weniger intensiv“, sagt Annalena Krapp. Zunächst seien sie über die üblichen Portale gegangen. „Wir waren auch schon häufiger an Objekten dran, doch das hat dann aus verschiedenen Gründen nicht geklappt.“ Meist hätten sich andere Interessenten gegenseitig hoch geboten.

Auch dieses Paar mit Kinderwunsch, das in diesem Jahr heiraten möchte, hörte von einer Freundin, dass in einem anderen Fall ein Flyer zum Erfolg geführt habe. Die beiden setzten dann auf eine Postkarte, die man individualisiert auch im Internet bestellen kann.

„Letztes Jahr im Frühjahr haben wir rund um Menglinghausen schon mal welche verteilt“, berichtet Annalena Krapp. Drei Leute hätten sich daraufhin gemeldet. „Schon eine gute Erfolgsquote“, meint sie.

„Operation Eigenheim“, steht auf der Postkarte, mit der Annnette Krapp und ihre Verlobte auf Haussuche gehen.
„Operation Eigenheim“, steht auf der Postkarte, mit der Annnette Krapp und ihre Verlobte auf Haussuche gehen. © privat © privat

Einmal sei es ein Hang-Grundstück gewesen, dann ein Reihenmittelhaus. Aber nicht das, was sie suchen: „Eigenheim oder Grundstück. Alt oder neu, charmant oder mit Potenzial zum Schönwerden. Bevorzugt Dortmund Eichlinghofen und Umgebung“, heißt es auf ihrer Postkarte.

Blick auf Rampen und Rollatoren

Sie wohnen schon seit einigen Jahren in Eichlinghofen in einer Mietwohnung mit 90 Quadratmetern. „Unsere Wohnung ist schön, aber zur Miete. Was soll man aktuell sonst mit seinem Geld machen?“, fragt Annalena Krapp.

Gerade in Eichlinghofen gebe es viele Häuser aus den 50er-Jahren. Bei Spaziergängen guckt das Paar auf Rampen und Rollatoren vor den Türen, nach allem, was nach Verkauf in absehbarer Zeit aussehen könnte. „Doch ältere Leute wollen ihr Haus nicht abgeben“, sagt sie und beeilt sich hinzuzufügen: „Wir wollen auch niemanden aus seinem Haus drängen.“

Ein anderes Paar versucht es über die Nachbarschafts-Plattform „nebenan.de“. Zwei promovierte Wissenschaftler, die ebenfalls in Eichlinghofen in einer 70-Quadratmeter-Wohnung zur Miete wohnen und im Sommer ihr erstes Kind erwarten. Er arbeitet an der TU Dortmund, sie an einem staatlichen Forschungsinstitut. Ob über die üblichen Portale oder Zeitungsanzeigen – „bislang hatten wir bei unserer Suche leider kein Glück“, sagen sie und würden sich über konkrete Angebote freuen.

Nur mit Netzwerk eine Chance

Sie bekamen eine interessante Rückmeldung von einer alteingesessenen Frau, die sie wissen ließ, dass man nur mit Vitamin B ein Haus in der gesuchten Gegend finde. Man brauche im Dorf ein Netzwerk. Sonst habe man keine Chance. „Doch mit Corona fällt es aktuell schwer, Menschen kennenzulernen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Makler Stephan Richter von Immobilien & Service Richter bestätigt, dass vieles im Vorfeld verkauft wird, ehe es die Immobilien-Portale erreicht. Marktbedrohlich sei die Immobiliensuche per Post- oder Visitenkarte für seine Branche nicht: „Der Dortmunder Süden ist insgesamt begehrt. Der Markt ist eng. Viele lassen sich bei uns als Suchende registrieren. Nicht alles geht in Immoscout. Manches ist schon weg und wird erst gar nicht inseriert.“

Für junge Familien ist das frustrierend. Annette Gelhausen sagt es so: „Man spart das Geld dafür, man kann es sich leisten – aber man kann es nicht kaufen, weil es nicht da ist.“

Kontakt-E-Mail-Adressen

So kann man die Haussuchenden erreichen

Über mögliche Hinweise und konkrete Angebote würden sich die im Text genannten Familien, beziehungsweise Paare freuen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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