„TrixStar“ (l.) und Pfeiffer sehen der Zukunft gelassen entgegen - auch wenn die Situation gerade alles anders als gut ist. © Oliver Schaper
Konzertabsagen

Existenznot: Wie zwei Dortmunder Musiker die Corona-Pandemie überleben

Keine Auftritte, keine Proben, kein Geld: Für Kulturschaffende geht es aktuell um ihre Existenz. Zwei Dortmunder Musiker haben in der Corona-Pandemie ihre eigenen Wege gefunden.

Die vergangenen Monate sind auch an Musikern nicht spurlos vorbeigegangen. Der oft genannte „Corona-Blues“ schlägt ihnen auf das Gemüt – die Pandemie verändert aber auch ihre Arbeit.

Für Musiker gibt es seit einem Jahr keine Auftrittsmöglichkeiten mehr und Festivals für 2021 sind schon abgesagt. Die Situation verändert auch den Umgang mit der Musik. So wie bei „TrixStar“ und Pfeiffer.

„Jetzt erst recht“- Einstellung

Björn Patrik Pfeiffer und „TrixStar“, alias Ima Ghafouri, leben für und von der Musik. Trotz der emotional und finanziell harten Zeit haben beide für sich einen eigenen Weg gefunden. Mut, Durchhaltevermögen, Kreativität und eine „Jetzt erst recht“-Einstellung führt bei beiden zu Veränderungen – und aktuell zu neuen Videos, neuen Songs, neuen Alben und neuen Ideen.

Ima Ghafouri begann mit 15 Jahren Musik zu machen, veröffentlicht seit 2008 als „TrixStar“ und ist mittlerweile eine der bekanntesten deutschen Reggae- und Dancehall-Sängerinnen.

Mit guten und kreativen Ideen gegen den „Corona-Blues“: „TrixStar“ geht da ihren eigenen Weg.
Mit guten und kreativen Ideen gegen den „Corona-Blues“: „TrixStar“ geht da ihren eigenen Weg. © Privat © Privat

Sie hatte mit ihrem Management bereits die Tour 2020 zu ihrem zehnjährigen Bühnenjubiläum geplant und war zu Beginn der Pandemie auf Tour auf Jamaika. „Ich dachte damals, es wäre ein schlechter Witz, als mich Leute aus Deutschland fragten, ob sie für mich etwas bunkern sollten“, erinnert sie sich.

Dann kam auch bei „TrixStar“ die Corona-Kettenreaktion. Nach und nach wurden alle Auftritte und die Europatour mit 15 Konzerten abgesagt. „Anfänglich haben wir versucht, das Beste daraus zu machen, mit der Hoffnung, dass der Lockdown nicht so lange anhält“, sagt sie. Nachdem sie aber im Sommer 2020 nur drei Konzerte gespielt hatte, fing sie an, ihre eigene Corona-Strategie zu entwickeln.

Musikvideo mit Gebärdendolmetscherin

Dazu gehörte ein Remix-Wettbewerb mit Songs aus dem kurz zuvor erschienen Album. „Das war großartig. Es wurden über 30 Remixe eingereicht“, sagt, „TrixStar“, die von Live-Streamings oder Onlinekonzerte nichts hält. „Ich muss den Hype nicht mitmachen“, stellt sie klar.

Stattdessen begann sie, alle zwei Wochen einen Song zu veröffentlichen und diese Songs mit Videos zu begleiten, darunter auch ein Video mit einer Gebärdendolmetscherin.

Dazu kamen Fernsehauftritte bei ZDF Frontal 21 oder dem jamaikanischen Frühstücksfernsehen sowie viel Radiopromotion. Aktuell plant sie für Mai 2021 die Veröffentlichung ihrer neuen EP, begleitet mit Videos.

Sie sei froh, dass sie durch ihren Job als Assistenzkraft und in der Arbeit mit Jugendlichen finanziell nicht zu sehr in Schieflage geraten sei. Obwohl die Situation sehr angespannt und sie unter anderem auf die Kulanz ihres Vermieters angewiesen sei.

Als Musiker neu erfunden und mit neuen Ideen am Markt

Ähnlich sieht es bei Pfeiffer aus. Vor allem, da er zu 100 Prozent von der Musik lebt. Doch der Gitarrist, Sänger, Autor und Produzent hat sich zu Corona komplett neu erfunden. „Alle Eckpfeiler meines Berufslebens haben etwas mit Musik zu tun“, sagt Pfeiffer.

Nachdem er in der Vergangenheit viele Songs für Dritte schrieb oder Synchronsprecher bei Netflix war, nennt er sich seit 2019 als Künstler „Pfeiffer“ – sein echter Name und gleichzeitig die mittelalterliche Bezeichnung für Musiker.

2020 sollte dann sein Jahr als Musiker werden. Doch mit dem ersten Lockdown kam die Absage aller Produktionsaufträge, aller Autorentätigkeiten für Dritte und aller Konzerte bis heute.

Pfeiffer liebt die Musik und den guten Klang. Sein gesamtes Leben dreht sich um Musik in all ihren Facetten.
Pfeiffer liebt die Musik und den guten Klang. Sein gesamtes Leben dreht sich um Musik in all ihren Facetten. © Privat © Privat

„Ich hatte einfach Glück, dass ich auf die Hilfsprogramme zurückgreifen konnte und ich bei der Gesellschaft für Leistungsschutzrechte verrechenbare Vorschüsse bekam“, erklärt er.

Dazu kam im Sommer 2020 die Ausschüttung der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema). Ohne diese Finanzspritzen sähe es heute noch schlimmer aus.

„Die Tankanzeige ist schon lange im roten Bereich und ich weiß nicht, wann die nächste Tankstelle kommt“, so Pfeiffer. Seine Entscheidung, sich mit gefühlvollem, modernen Deutschpop mit Rockanleihen auf eigene Beine als Musiker zu stellen, bereue er aber nicht.

Kunst und Kultur werden sich wieder durchsetzen

Grundsätzlich sei alles auf einem guten Weg und Pfeiffer arbeitet an seinem Album, das er Dank eines Stipendiums durch das Programm „Neustart Kultur“ produziert.

Für ihn sei es vor allem schlimm, zurzeit nicht planen zu können. Auch wenn ihm einige schon geraten hätten, mit der Musik aufzuhören, da dies angeblich nichts mehr bringe. Doch das sieht Pfeiffer anders und ist der festen Meinung, dass sich Kunst und Kultur wieder durchsetzen werden.

Für das Frühjahr 2022 ist die Veröffentlichung des Debüt-Albums geplant sowie zwei weitere Singleauskopplungen. Seine aktuelle Single „Wenn du abdrehst“ gibt dabei schon mal einen Vorgeschmack auf Zukünftiges – mit einem Namen, der gut zur Situation passt.

Zumal Pfeiffer davon ausgeht, dass es in 2021 nur Konzerte geben wird, die keine wirtschaftlichen Zwecke verfolgen. „Ich bin schlaflos hoffnungsvoll und sehe Licht am Ende des Tunnels für 2022“, sagt er.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.