Ex-Mitglied zu Dortmunder CDU-Panne: „Ich möchte nichts Böses denken“

dzKommunalwahl 2020

Der Wahlkampf des CDU-Stadtbezirks Lütgendortmund steht unter keinem guten Stern. Erst verlassen 13 Mitglieder einer Ortsunion die Partei, dann fehlen Kandidaten auf der Wahlliste. Was ist da los?

Lütgendortmund

, 01.09.2020, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Barbara Hofmann war rund zehn Jahre Mitglied in der CDU-Ortsunion (OU) Lütgendortmund - zuletzt fungierte die 62-Jährige als Beisitzerin. Zum 1. August 2020 trat die Lütgendortmunderin aus der Partei aus, gemeinsam mit zwölf weiteren Mitgliedern der Ortsunion Lütgendortmund.

„Ich bin menschlich enttäuscht“, sagt Barbara Hofmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Gerne wird sie konkret. Die Ortsunion Lütgendortmund, sagt sie, sei jahrelang benachteiligt worden, vor allem dann, wenn es um die Kandidatenlisten für die Bezirksvertretung und den Rat gegangen sei.

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„Gegen die Übermacht der OU Bövinghausen kommt man einfach nicht an“, sagt sie. Deshalb habe man an höherer Stelle um Unterstützung gebeten. Doch Landes- und Bundespolitiker wie Thorsten Hoffmann und Claudia Middendorf hätten die OU Lütgendortmund und die damalige Vorsitzende Petra Trümper genauso im Stich gelassen wie der Dortmunder CDU-Chef Steffen Kanitz. „Auf unseren Brandbrief hat er noch nicht einmal reagiert.“

„Das passt ins Gesamtbild“

Barbara Hofmanns Austritt liegt mittlerweile einen Monat zurück, das politische Interesse ist geblieben. Die Nachricht aus der vergangenen Woche, dass drei Kandidaten des CDU-Stadtbezirks Lütgendortmund auf der Wahlliste für die Kommunalwahl 2020 fehlen, treibe auch sie als Ex-Mitglied um.

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„Ich möchte nichts Böses denken“, sagt sie. Und weiter: „Aber dass es wieder die OU Lütgendortmund trifft, passt ins Gesamtbild.“ Denn zwei der drei „verschwundenen“ Kandidaten für die Bezirksvertretung gehörten zum Zeitpunkt der Wahl der OU Lütgendortmund an.

Acht Kandidaten des CDU-Stadtbezirks Lütgendortmund zeigt das Foto auf den Wahl-Flyern, die schon längst im Umlauf sind.

Acht Kandidaten des CDU-Stadtbezirks Lütgendortmund zeigt das Foto auf den Wahl-Flyern, die schon längst im Umlauf sind. © CDU Dortmund

Sabine Rollwagen, auch Ratskandidatin, und Daniel Schürhoff, mittlerweile Ex-CDU-Mitglied, waren auf die Plätze 6 und 7 gewählt worden. So beteuert es auch der CDU-Stadtbezirks-Vorsitzende Dr. Arne Küpper. Zudem sind auf dem offiziellen Foto für die Wahl-Flyer acht Kandidaten abgebildet.

„Warum haben die keinen Popo in der Hose?“

Barbara Hofmann fordert Aufklärung, wie viele andere in ihrem politischen Umfeld: „Fehler sind menschlich. Aber wir wollen wissen, was passiert ist.“ Stattdessen werde gemauert und das Protokoll der Delegiertenversammlung zurückgehalten. „Warum haben die keinen Popo in der Hose?“, fragt die 62-Jährige.

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Auch der CDU-Kreisgeschäftsführer Andreas Brausen hält sich mit Erklärungen zurück. Auf Anfrage dieser Redaktion, warum nur fünf Kandidaten des CDU-Stadtbezirks Lütgendortmund auf der Wahlliste zu finden seien, antwortete er: „Die Wahlentscheidung liegt bei der Delegiertenversammlung.“ Erneute Anfragen blieben bis Dienstag (1.9.) unbeantwortet.

Auch Steffen Kanitz, Claudia Middendorf und Thorsten Hoffmann haben unsere Anfragen zu den Vorwürfen der OU Lütgendortmund bislang nicht beantwortet.

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