Hallenbad-Chef: „Chlor-Menge reicht aus, um das Virus abzutöten“

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Ohne Badegäste ist es in einem Hallenbad auf Dauer nicht schön, sagt ein Dortmunder Bad-Leiter. Er hofft, im Juni wieder öffnen zu dürfen – mit Einlass-Kontrollen und abgesperrten Umkleiden.

Eving

, 05.05.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 16. März geschlossen – das gilt auch für das Hallenbad in Eving. Leiter Jens Langenfeld von der Schwimmgemeinschaft Eving hofft auf eine baldige Öffnung. Ein Hallenbad habe ohnehin erhöhte Hygiene-Standards.

Hallo Herr Langenfeld, Ihnen geht’s grade nicht so gut, oder?

Ach, doch, uns geht’s ganz gut. Wir nutzen die Auszeit für eine Grundreinigung und für den Austausch eines maroden Wasserspeichers. Das wollten wir eigentlich erst im Sommer machen, aber jetzt haben wir das eben vorgezogen. Auch die Sammelumkleide kommt noch an die Reihe. Die hat ein Alter von schlappen 55 Jahren.

Es ist noch keine Ende der Schließung in Sicht...

Nein, ich gehe auch davon aus, das wir als letztes drankommen, weil wir nicht systemrelevant sind. Ich hoffe trotzdem, dass wir vielleicht Ende Mai oder Anfang Juni wieder vorsichtig öffnen können. Ohne Badegäste ist es in einem Hallenbad auf Dauer nicht schön (Anmerkung der Redaktion: Nach unserem Interview mit Jens Langenfeld erklärte die Landesregierung, dass Hallenbäder wieder ab 30. Mai öffnen dürfen)

Vorsichtig? Wie soll das gehen?

Über unseren Einlassautomaten am Eingang könnten wir es problemlos regulieren, dass beispielsweise immer nur 15 Gäste gleichzeitig im Bad sind. Auch könnten wir einen Teil der Umkleidekabinen absperren, sodass immer nur jede zweite benutzt wird.

Über den automatischen Einlass im Evinger Hallenbad ließe sich die Gästezahl prima regulieren, meint Badleiter Jens Langenfeld

Über den automatischen Einlass im Evinger Hallenbad ließe sich die Gästezahl regulieren, meint Badleiter Jens Langenfeld. © Andreas Schröter

Haben Sie Erkenntnisse darüber, ob sich das Coronavirus im Wasser übertragen kann?

Nach meinen Erkenntnissen reicht die Chlor-Menge in jedem Fall aus, um das Virus abzutöten. Sie müssen bedenken, dass ein Hallenbad sowieso schon erhöhte Hygiene-Standards hat. Wir würden die im Falle einer Öffnung natürlich noch weiter erhöhen.

Anmerkung der Redaktion:
  • Das Bundesministerium für Bildung und Forschung weist darauf hin, dass durch Chlor keine Viren getötet werden, die schon in den Körper eingedrungen sind. Die Haut sollte keinesfalls mit Chlor eingesprüht werden.
  • Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen schreibt: Schwimmbäder sind ein öffentlicher Raum – wie Schulen, Kindergärten, Verwaltungen und Universitäten auch. Sie unterscheiden sich von diesen Institutionen durch das Schwimm- und Badebeckenwasser, über das Krankheitserreger theoretisch übertragen werden können. Alle vorliegenden Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass Viren durch das Chlor sicher abgetötet werden. Damit besteht in Schwimmbädern kein größeres Ansteckungsrisiko als in anderen Einrichtungen auch.

Wie klappt’s finanziell?

Die vier Festangestellten sind in Kurzarbeit. Gott sei Dank reichen unsere Rücklagen, um eine gewisse Zeit zu überstehen. Natürlich müssen wir aus Kostengründen auch einiges zurückstellen, was wir eigentlich jetzt in Angriff nehmen wollten.

Sie könnten doch jetzt eigentlich auch Geld sparen, indem Sie das Wasser ablassen und alle Maschinen ausschalten.

Es würde den Maschinen nicht gut tun, wenn sie zu lange ausgeschaltet wären. Wir haben immer noch Wasser im Becken, weil ich Angst habe, dass die Fliesen wieder hochkommen, wenn alles trocken ist. Das ist schon mal passiert.

So richtig schön ist die Badschließung auch nicht für die vielen Kinder, die jetzt schwimmen lernen wollen...

In der Tat. Ich gehe davon aus, dass wir bei den meisten von ihnen später wieder bei null anfangen müssen.

Wie lief es im Hallenbad Eving vor der Schließung?

Richtig gut. Die Kurse waren sehr gut ausgebucht. Auch waren oft 25 bis 30 Schwimmer im Bad.

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