Evakuierung, U-Bahn-Stopp und Parkverbote: Alle Infos zur Mega-Evakuierung am 12. Januar

Blindgänger-Entschärfung in Dortmund

Eine große Herausforderung wird die Mega-Evakuierung am 12. Januar, wenn Blindgänger im Klinikviertel aufgespürt und entschärft werden. Anwohner bekommen dies schon Tage vorher zu spüren.

Dortmund

, 03.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Evakuierung, U-Bahn-Stopp und Parkverbote: Alle Infos zur Mega-Evakuierung am 12. Januar

Der Radius der Evakuierung in der westlichen Innnestadt mit den Haltestellen der Evakuierungsbusse. © Volmerich, Oliver

Ob wirklich Bomben im Boden schlummern, weiß man nicht mit Gewissheit. Aber der Verdacht besteht, nachdem Experten für Kampfmittelbeseitigung bei Sondierungen mehrere Punkte mit verdächtigen Gegenständen im Untergrund ausgemacht haben.

Um herauszufinden, ob es sich wirklich um Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, müssen sie ausgegraben werden. Und dazu sind umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen nötig. Denn wenn sich der Bombenverdacht bestätigt, müssen die Blindgänger sofort unschädlich gemacht werden.

? Wie wurden die Bomben-Verdachtspunkte entdeckt?

Entdeckt wurden sie durch die Auswertung von historischen Luftbildern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Sichtung gehört mittlerweile zum Standardprogramm vor geplanten Baumaßnahmen. So soll ausgeschlossen werden, dass man beim Buddeln im Untergrund zufällig auf Bombenblindgänger stößt.

Die ausgemachten Verdachtspunkte wurden im zweiten Schritt mit Sondierungen vor Ort untersucht. In zwei Fällen hat sich der Verdacht nicht bestätigt, in drei Fällen allerdings doch. Dort soll nun in einem dritten Schritt gegraben werden, um die Verdachtspunkte freizulegen.
Außerdem werden im Garten des Johannes-Hospitals, in dem ebenfalls Bauarbeiten geplant sind, Grabungen stattfinden. Dort gibt es zwar keine konkreten Verdachtsfälle, aber sechs „Anomalien“ im Boden, die während der Evakuierung untersucht werden sollen.

? Warum passiert das am 12. Januar?

Anders als bei spontanen Funden von Bombenblindgängern, bei denen dann sofort entschärft werden muss, kann man sich bei geplanten Erkundungen Zeit lassen. Denn so lange die Bombenblindgänger nicht bewegt wurden - etwa durch eine Baggerschaufel - besteht keine Gefahr.

Das Problem ist: Zwei Verdachtspunkte liegen im Klinikviertel, an der Beurhausstraße und an der Luisenstraße, ein dritter am Hohen Wall in der Nähe des Westentores. Damit liegen sie alle in unmittelbarer Nähe der städtischen Kliniken und des Johannes-Hospitals, die deshalb ebenfalls weitgehend geräumt werden müssen. Dazu ist ein großer zeitlicher Vorlauf nötig. In Absprache mit den Kliniken wurde der 12. Januar 2020, ein Sonntag, als guter Zeitpunkt für die Aktion festgelegt.

Evakuierung, U-Bahn-Stopp und Parkverbote: Alle Infos zur Mega-Evakuierung am 12. Januar

Das Klinikviertel und Teile der City, des Kreuz- und des Union-Viertels sind von der Evakuierung betroffen. © Oskar Neubauer

? Welcher Bereich ist betroffen?

Weil man nicht weiß, welche Sprengkraft die möglichen Bombenblindgänger haben, wurde ein Sicherheitsradius von 500 Metern um jeden Verdachtspunkt festgelegt. Alle Gebäude in diesem Bereich müssen am 12. Januar bis 8 Uhr evakuiert werden.

Das Evakuierungs-Gebiet reicht vom Hauptbahnhof und der Unionstraße im Norden bis zum Neuen Graben im Süden, von der Ritterhausstraße am Westpark im Westen bis zum Rathaus im Osten. Hausnummernscharf gibt es die Straßen und Gebäude, die von der Evakuierung betroffen sind, auf einer speziellen Homepage der Stadt.

Damit sind zwischen 13.000 und 14.000 Anwohner von der Evakuierung betroffen. Dazu kommen das Klinikum an der Beurhausstraße, das Johannes-Hospital und die Kinderklinik mit Kinderchirurgie.

Evakuierung, U-Bahn-Stopp und Parkverbote: Alle Infos zur Mega-Evakuierung am 12. Januar

Am Hohen Wall liegt einer der Bombenverdachtspunkte, den man bei Sondierungen vor Ort aufgespürt hat. © Oliver Volmerich

? Was passiert mit den Krankenhäusern?

Sie werden teilweise geräumt. Zudem wurde die Belegung in den vergangenen Tagen bereits heruntergefahren. Viele Patienten wurden entlassen, neue Fälle erst gar nicht mehr aufgenommen. Von einer kompletten Evakuierung hat man aber Abstand genommen, weil bei Intensivpatienten ein Transport in ein anderes Krankenhaus lebensgefährlich sein kann.
Die Folge: Im Johannes-Hospital bleiben rund 16 Intensivpatienten, die in sicheren Bereichen betreut werden. Etwa 120 Patienten werden ab Samstag (11.1.) in andere Krankenhäuser in Dortmund und Lünen verlegt.
Komplett geräumt wird die Kinderklinik. 45 kleine Patienten werden in andere Krankenhaus verlegt. Intensiv- und Krebspatienten kommen in das gegenüberliegende Klinikum Mitte. Hier hat man sich entschieden, die verbleibenden Patienten in sicheren Teilen des Gebäudekomplexes unterzubringen.
Möglich wird dies wie beim Johannes-Hospital auch durch eine besondere Sicherheitsvorkehrung. Erstmals werden in Dortmund ab Samstag vorübergehend Schutzwände aus Containern aufgebaut, die insbesondere die Kliniken abschirmen sollen.


? Was passiert mit den Seniorenheimen?

Auch hier müssen die Bewohner verlegt werden. Betroffen sind das Christinenstift am Eisenmarkt und das Seniorenheim Josefa an der Lange Straße/ Heinrich-Schmitz-Platz sowie eine größere Senioren-Wohngemeinschaft. Alle Bewohner werden bereits ab dem 11. Januar in anderen Heimen untergebracht und sollen dann am 13. Januar zurückkehren. 140 Bewohner des Christinenstifts ziehen vorübergehend nach Herne um.

? Was müssen Anwohner beachten?

Sie müssen sich darauf einstellen, am 12. Januar spätestens ab 8 Uhr ihre Wohnungen zu verlassen. Wer nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen kann, kann die von der Stadt eingerichtete Evakuierungsstelle nutzen, wo man auch mit Essen und Getränken versorgt wird. Sie wird in der Gesamtschule Scharnhorst eingerichtet. Allerdings sollte man wegen der knappen Parkplätze vor Ort nicht mit dem eigenen Pkw dorthin fahren.

Genutzt werden können Sonderbusse, die zur Reinoldikirche fahren. Von dort geht es mit der Stadtbahn U42 weiter nach Scharnhorst. Für die Evakuierungsbusse werden sogar eigene Haltestellen eingerichtet - an der Lindemannstraße/Ecke Neuer Graben, an der Möllerstraße/Ecke Lange Straße, an der Kampstraße/Ecke Wallstraße, am Hiltropwall vor der Postbank und an der Hohen Straße/Ecke Gutenbergstraße. Der normale Bus- und U-Bahn-Verkehr im Evakuierungsbereich ist natürlich eingestellt.

Wer lieber einen Ausflug unternehmen will, ist von der Stadt eingeladen, kostenlos den Zoo, den Westfalenpark, die Tropenhäuser im Rombergpark oder das Südbad zu besuchen. Von der Evakuierung betroffene Anwohner müssen dazu nur ihren Personalausweis vorlegen.

Weil die Evakuierung einige Stunden, womöglich bis zum Nachmittag oder Abend, dauern könnte, sollte man nötige Medikamente oder Babynahrung mitnehmen. Wer Hilfe benötigt, weil er gehbehindert oder bettlägerig ist, kann schon jetzt einen Krankentransport unter Tel. 0231/50-28888 anmelden.

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Die Gesamtschule Scharnhorst wird zur Evakuierungsstelle für die Anwohner aus dem Klinikviertel. © Oskar Neubauer

Die Polizei hat angekündigt, bereits ab Samstag, wenn viele Anwohner das Gebiet verlassen, zum Schutz vor Einbrechern verstärkt Streifen durch das Viertel zu schicken. Am Sonntag werden dann sogar Kameras und Drohnen zur Überwachung eingesetzt, möglicherweise auch der Polizeihubschrauber.

Beim Ordnungsamt hofft man darauf, das alle Anwohner mitspielen und ihre Wohnungen verlassen. Dort könnte es sonst auch kalt werden. Aus Sicherheitsgründen unterbricht Versorger DEW21 im unmittelbaren Bereich rund um die Verdachtspunkte die Gas- und Wasserversorgung mehrerer Häuser. Rund 30 Häuser werden von der Gasversorgung und etwas mehr als 60 von der Wasserversorgung getrennt, teilt DEW21 mit.

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Aushänge weisen im Evakuierungsgebiet auf die Unterbrechung der Gas- und Wasserversorgung hin. © Oliver Volmerich

? Wer ist ist sonst noch von der Evakuierung betroffen?

Die Geschäfte in der City sind natürlich am Sonntag ohnehin geschlossen. Betroffen sind allerdings einige Gastronomiebetriebe und insgesamt vier Hotels und das Jugendgästehaus an der Silberstraße. Das größte betroffene Haus ist das Unique-Hotel am Westentor, das unmittelbar neben einem der Verdachtspunkte liegt. Geschlossen sind an diesem Sonntag auch das Dortmunder U, das Deutsche Fußballmuseum, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte und das Kindermuseum Adlerturm. In der Propstei- und Petrikirche können keine Gottesdienste stattfinden. Das Theater Dortmund hat bereits alle Vorstellungen für den 12. Januar abgesagt.

? Welche Folgen gibt es für den Straßen- und Bahnverkehr?

In der Evakuierungszeit sind am 12. Januar alle Straßen im Quartier gesperrt. Aber die Einschränkungen beginnen schon Tage vorher.
Bereits ab Freitag (10. Januar) ist der Hohe Wall in Fahrtrichtung Süden vollgesperrt. Ab 16 Uhr, gelten in mehreren Straßen des Klinikviertels absolute Halteverbote. Das heißt, dass auch Anwohner ihre Pkw wegstellen müssen. Als Ausweichparkplatz bietet die Stadt den Fredenbaumplatz an der Eberstraße an, der mit der U-Bahn zu erreichen ist. . Ab Freitagnachmittag wird im Klinikviertel ansonsten abgeschleppt. Betroffen von dem Halteverbot sind:

  • die Beurhausstraße auf der gesamten Länge
  • die Alexanderstraße auf der gesamten Länge
  • die Humboldtstraße von Beurhausstraße bis Lange Straße
  • die Josephstraße von Hiltropwall bis Humboldtstraße
  • die Amalienstraße von Wilhelmstraße bis Lange Straße
  • die Wilhelmstraße von Beurhausstraße bis Humboldtstraße
  • die Johannesstraße von Hiltropwall bis Beurhausstraße.


Über das Halteverbot hinaus werden die genannten Straßen ebenfalls ab Freitag, 16 Uhr, zu Einbahnstraßen. Die Beurhausstraße ist dann nur von Ost nach West, also von der Hohen Straße aus befahrbar, die Josephstraße in Richtung Osten, alle anderen Straßen von Süd nach Nord. Das bedeutet, dass die geltende Einbahnstraßen-Regelung in der Johannesstraße und im Westteil der Josephstraße umgekehrt wird.

Keine Zufahrt gibt es auch für Lieferdienste, Anwohner mit privaten Stellplätzen können diese bis zum Beginn der Evakuierung am Sonntagmorgen weiter nutzen.
Mit all diesen Maßnahmen soll Platz geschaffen werden für Fahrzeuge des Rettungsdienstes, die frühzeitig Patienten aus den Krankenhäusern abtransportieren. Eine Folge: Die EDG hat die Weihnachtsbaum-Sammlung um eine Woche verschoben.

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Das Verkehrskonzept für das Klinikviertel ab dem 10. Januar. © Stadt Dortmund


Massive Folgen hat die Evakuierung für den Bus- und Bahnverkehr hat. Bereits ab 8 Uhr kann man an den U-Bahn-Stationen Stadtgarten, Städtische Kliniken, Kampstraße, Westentor und Möllerbrücke nur noch einsteigen.
Während der Entschärfung fahren U-Bahnen und Busse dann gar nicht oder nur in Teilbereichen. Der Betrieb auf den Linien U45, U46 und U49 wird ganz eingestellt. Die anderen Linien fahren bis an den Rand der Innenstadt. Als Ersatz lässt DSW21 ab 14 Uhr zwischen Hafen und Märkische Straße mit mehreren Zwischenhalten Busse fahren.
Diese Regelung gilt bis zum Betriebsende am Abend, also auch über das Ende der Evakuierung hinaus.
Am Hauptbahnhof werden voraussichtlich ab 12 Uhr keine Züge mehr fahren. Der Südzugang am Wall ist schon ab dem Morgen gesperrt. Geöffnet ist nur der Nordausgang. Ab 12 Uhr werde der Bahnhof dann „auf Anordnung der Behörden“ evakuiert. Dann schließen auch alle Geschäfte.
Eingestellt wird dann auch der Verkehr auf der S-Bahn-Linie S4. Sie endet aus Unna kommend an der Station Körne-West.

? Wann beginnt die weitere Erforschung und Entschärfung der Bomben?

Die weiteren Arbeiten der Kampfmittelexperten beginnen ebenfalls schon in den Tagen vorher. An den Fundstellen wird bis in ein Meter Nähe zu den verdächtigen Objekten gegraben. „Der Abstand ist nötig, um sicherzustellen, dass wir auf keinen Fall mit dem Zünder in Berührung kommen“, erklärt Klaus Bekemeier als Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung Arnsberg. Erst nach abgeschlossener Evakuierung können die möglichen Blindgänger weiter freigelegt werden.
Um möglichst schnell voran zu kommen, sind fünf Teams mit jeweils fünf Mitarbeitern gleichzeitig im Einsatz, davon zwei am Johannes-Hospital, wo man noch keine Einschätzung zu den kritischen Stellen im Gartenbereich hat.

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