Erster Tag im Dortmunder Volksbad: So sieht Schwimmen mit Auflagen aus

dzÖffnung der Freibäder

Hygiene-Auflagen, ein neues Buchungssystem und ein gestresster Geschäftsführer: Das Dortmunder Volksbad nahm am Samstag wieder den Betrieb auf. Wir begleiteten die Mitarbeiter und Besucher.

Dortmund

, 20.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Allerhand Blatt Papier sind auf dem Schreibtisch verstreut, das Telefon klingelt beinah im Minutentakt und Fragen kommen von allen Seiten: Jörg Husemann war am Samstagmittag (20.6.) ein gefragter und viel beschäftigter Mann. Er ist Geschäftsführer der Sportwelt Dortmund gGmbH und eröffnete unter anderem das Freibad Volksbad. Für ihn war es der erste Tag nach der Corona-Pause; unsere Redaktion hat ihn, die Mitarbeiter und die Gäste im Volksbad ein Stück begleitet.

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Seine größte Herausforderung: Die Hygieneauflagen, die erst am Vortag nach einer Ratssitzung der Stadt Dortmund endgültig beschlossen wurden, innerhalb kürzester Zeit umzusetzen. „Ich muss zugeben, bis zum Ende habe ich das Konzept immer noch nicht durch. Bis gestern Abend um elf habe ich noch letzte Telefonate geführt“, sagt Husemann.

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Neues Buchungssystem, keine Tageskasse

Innerhalb eines Tages hat die Sportwelt Dortmund ein Internetportal eingerichtet, damit die Gäste ihre Tagestickets online buchen können. Eine Tageskasse vor Ort gibt es nicht. Und schon Freitagabend (19.6.) sei die Seite heißgelaufen, noch bevor das Portal endgültig hochgeladen war. „Viele haben mich angerufen, ob sie schon Tickets buchen können, da war das System noch gar nicht eingerichtet“, sagt er.

Schwimmen mit ausreichend Sicherheitsabstand: Die ersten Gäste nach der Wiedereröffnung störten sich nicht an den Auflagen.

Schwimmen mit ausreichend Sicherheitsabstand: Die ersten Gäste nach der Wiedereröffnung störten sich nicht an den Auflagen. © Nick Kaspers

Schwimm- und Badelustige werden sich am Freitag (19.6.) gefreut haben, dass auch die Dortmunder Freibäder wieder öffnen dürfen. Nach der Regelung des Landes NRW hätten sie dies schon am 20. Mai gedurft. Die Stadt Dortmund ließ jedoch etwas auf sich warten. Nun darf aber auch in Dortmund wieder geschwommen werden.

Das Freibad Wischlingen legte am schnellsten wieder los: Es startete den Betrieb am Freitag (19.6.). Einen Tag später, am Samstag (20.6.), wurden auch in den Freibädern Wellinghofen, Deusen und im Volksbad der Sportwelt Dortmund gGmbH wieder einige Bahnen geschwommen.

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Und wie findet ein Freibad-Besuch in Corona-Zeiten statt? Eines ist klar: mit ausreichend Abstand. Nicht nur am Eingang und vor dem Imbissstand, sondern auch in den Umkleiden, unter den Duschen und im Schwimmbecken. Sitzbänke am Beckenrand wurden weggeräumt.

Besucher haben mit Auflagen „kein Problem“

Eine Maske muss nur auf der Toilette getragen werden. Check-in und Check-out erfolgen kontaktlos mit einem Barcode des Online-Tickets und im Einbahnstraßen-System. Die Anzahl der Gäste pro Tag ist begrenzt, ein befristetes Zeitfenster am Tag gibt es aber nicht. „Wenn es gut läuft werden wir überlegen, die Maximalanzahl an Gästen schrittweise zu erhöhen“, sagt Jörg Husemann.

Die Hygiene-Auflagen wurden bereits am Ein- und auch am Ausgang umgesetzt, zum Beispiel durch das Einbahnstraßen-System.

Die Hygiene-Auflagen wurden bereits am Ein- und auch am Ausgang umgesetzt, zum Beispiel durch das Einbahnstraßen-System. © Nick Kaspers

„Wir haben mit den Corona-Auflagen kein Problem“, sagen drei Dortmunder, die gerade die strahlende Sonne auf einer Liegewiese genießen. „Es ist sogar eher angenehm, wenn so wenige Leute hier sind. Die letzten Jahre war es oft überfüllt, gerade wenn es heiß war“, ergänzt einer der drei. Die Dortmunder sind Dauergäste im Volksbad: „Wenn's die Zeit zulässt, kommen wir immer, und natürlich, wenn uns die anderen nicht die Karten wegschnappen“, so der Tenor.

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Ein weiterer Gast, der gerade aus dem Wasser kommt und sich in der Sonne trocknen lässt, freut sich auch über die Wiedereröffnung des Volksbads: „Ich komme am liebsten hierher und bin direkt am ersten Tag hergekommen.“ Die Auflagen stören ihn nicht: „Ich musste nur zu Hause ein Ticket ziehen, ansonsten sind Umkleideschränke zu benutzen, und beim Schwimmen merkt man die Auflagen auch nicht, wenn so wenige Leute hier sind.“

Aufregender erster Tag für die Mitarbeiter

Gudrun Wilkenhöner ist stellvertretende Betriebsleiterin des Volksbads. Sie war am Tag der Eröffnung am Beckenrand im Einsatz. „Es ist ein aufregender Tag heute“, sagt sie. Sie konkretisiert: „Es ist aufregend, wie schnell die Gäste die Einschränkungen wahrnehmen und umsetzen. Bisher setzen sie sie aber alle sehr zufriedenstellend um.“

Wilkenhöner fragt sich: „Wie sieht es aus, wenn es richtig heiß wird. Ins Stadtbad kommen dann nicht nur die netten Leute. Wenn die Temperaturen hochgehen, gehen auch die Gemüter hoch.“ Der Satz ist noch nicht zu Ende gesprochen, als eine Besucherin unterbricht und eine kleine Diskussion beginnt, warum es im Volksbad keine Mehrfachkarten mit Vergünstigungen gibt.

Die stellvertretende Betriebsleiterin erklärt, sie sei nicht die einzige Person an diesem Tag gewesen, „die sich nicht einfach über die Öffnung, wenn auch mit Einschränkungen, freuen“ könne.

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Ümit Acar und seine Frau Nigar betreiben seit knapp zehn Jahren das Bistro Café Südbad und seit dieser Saison auch den Imbissstand im Volksbad. „Wir haben uns das erste Jahr hier natürlich anders vorgestellt“, sagt Ümit Acar. Er habe nämlich geplant, das Konzept des Imbissstands zu erneuern.

Neues Konzept für Imbiss geplant

„Wir wollten den Stand digitalisieren, damit die Gäste vom Platz aus bestellen können und dann nicht mehr lange anstehen müssen. Außerdem wollten wir viel für die Nachhaltigkeit tun und neue Produkte anschaffen“, erklärt Acar. Trotzdem freue er sich, dass die Saison losgeht: „Wenn das Bad drei Monate zu war, sind wir jetzt natürlich gallig.“

Ümit und Nigar Acar sind "gallig", nach drei Monaten Pause nun wieder hinter dem Tresen des Imbissstands zu stehen.

Ümit und Nigar Acar sind "gallig", nach drei Monaten Pause nun wieder hinter dem Tresen des Imbissstands zu stehen. © Nick Kaspers

Die Stimmung im Volksbad am Samstag (20.6.) war weitgehend gut. Für die meisten Mitarbeiter und Gäste waren die Auflagen zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht störend – erklärten zumindest die Besucher. Bereits zur Mittagszeit waren nur für den Samstag etwa 100 Tickets verkauft.

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