150 wohnungslose Menschen wurden am Montag (10. Mai) gegen Corona geimpft. 32 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. © Klinikum Dortmund
Corona-Impfung

Erste Obdachlose mit Johnson & Johnson geimpft – und sofort herrscht Irritation

In Dortmund wurden die ersten Obdachlosen mit Johnson & Johnson geimpft. Währenddessen verkündete Jens Spahn Neuerungen zur Priorisierung. Die Ärzte sind nun verwirrt.

Wo sonst Partys und Veranstaltungen stattfinden, wurde zu Beginn der Woche fleißig gespritzt. Das FZW wurde zu einem provisorischen Impfzentrum umgebaut, damit die ersten wohnungslosen Menschen in Dortmund mit dem Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft werden konnten.

Sechs Impfstraßen, 32 Mitarbeiter

Ein Empfangsbereich für die Anmeldung mit Informations- und Aufklärungstischen, besetzt mit fachkundigen Ärzten, sechs Impfstraßen und ein großer Wartebereich konnten problemlos in den Räumlichkeiten untergebracht werden.

Unter der Leitung des Gast-Hauses der Ökumenischen Wohnungslosen-Initiative e.V. und der ärztlichen Gesamtverantwortung von Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld halfen ehrenamtlichen Ärzten und MTA-Kräften, der Rettungsdienst der Malteser Dortmund und das Ärzte- und Assistenzteam des Mobilen Medizinischen Dienstes des Gast-Hauses sowie das Klinikum Dortmund mit dem Impfstoff dabei, diesen „besonderen Impftag“ möglich zu machen.

150 Menschen geimpft: Aber geht es weiter?

Insgesamt 32 ehrenamtliche Mitarbeiter waren von 8.00 bis 12.00 Uhr im Einsatz, um die Gäste des Gast-Hauses zu impfen.

150 Gäste nahmen das Impfangebot gleich am ersten Tag wahr, zwei weitere Tage folgen.

Hans-Georg Kubitzer, Leitender Arzt des Mobilen Medizinischen Dienstes Gast-Haus, und seine Kollegen machen sich allerdings ein wenig Sorgen: Denn Jens Spahn und die Ständige Impfkommission wollen, dass Johnson & Johnson nur für über 60-Jährige eingesetzt wird. Nur nach einem ausführlichen Arztgespräch dürfen auch jüngere Impfwillige unabhängig von der Priorisierungsstufe den Impfstoff wählen.

„Das ist eine merkwürdige Geschichte. Wir führen schließlich auch Gespräche mit unseren Gästen, bevor wir sie impfen. Dieses dauernde Hin und Her verunsichert“, sagt Hans-Georg Kubitzer, Leiter des Medizinischen Dienstes des Gast-Hauses.

Stadtsprecherin Anke Widow gibt auf Anfrage unserer Redaktion Entwarnung: Die Aufhebung der Impfpriorisierung von Johnson & Johnson habe keine Auswirkungen auf den Verteilungsplan.

Bisher seien 450 Impfdosen des Vakzins abgerufen worden. „Die Impfungen sollen obdachlosen Menschen und Flüchtlingen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, zugute kommen“, so Anke Widow.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Gäste so verantwortlich gehandelt haben. Sie haben die Notwendigkeit erkannt, sich und auch andere Menschen vor diesem Virus zu schützen. Wir sind sehr stolz auf dieses Angebot, all die Helfenden Hände und unsere Gäste“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Gast-Hauses, Heinrich Bettenhausen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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