Erneuter Millionen-Nachschlag: Projekt „Heimathafen“ wird noch teurer

dzEntwicklung der Speicherstraße

Es sollte der Startpunkt in die neue Speicherstraßen-Zukunft sein. Das Projekt „Heimathafen“ fällt aber bislang nur durch immense Kostenerhöhungen auf. Jetzt werden erneut Millionen fällig.

Dortmund

, 03.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollten die Handwerker längst an der Arbeit sein. Doch das Projekt „Heimathafen“ als soziales Zentrum für Zuwanderer und Nordstadt-Bewohner an der Speicherstraße verzögert sich immer weiter - und es wird immer teurer.

In dem mehr als 100 Jahren alten Lagerhaus an der Speicherstraße 42 soll unter dem Titel „Heimathafen“ ein Beratungs- und Bildungszentrum vor allem für Zuwanderer entstehen. Auch kulturelle Angebote wie Kurse der Musikschule und Gastronomie sind geplant. Träger des Projekts ist die Stiftung Soziale Stadt.

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Doch zum zweiten Mal muss die Politik jetzt eine Kostenerhöhung für den Umbau des alten Gemäuers bewilligen. 2016 waren die Kosten ursprünglich kalkuliert worden. Im Oktober 2017 wurden zunächst 3,7 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln von Bund, Land und EU bewilligt.

Statik-Probleme und steigende Baukosten

Doch nachdem die Planungen konkretisiert wurden, wurde schon Anfang 2019 der erste Nachschlag fällig. Die Gesamtinvestitionskosten wurden jetzt auf 5,97 Millionen Euro taxiert. Als Gründe wurden neben den allgemein gestiegenen Baukosten ein deutlicher Mehraufwand für die Verstärkung der Statik des alten Gebäudes und ein nötiger Anbau für Sanitäranlagen genannt.

Der Rat der Stadt machte im Frühjahr 2019 den Weg dafür frei und beschloss auch die Erhöhung des städtischen Eigenanteils von 370.000 auf 597.000 Euro. Der Förderbescheid ließ dann bis Anfang 2020 auf sich warten.

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Auf Basis der neuen Bewilligung wurde weiter geplant. Bis zu der bitteren Erkenntnis, dass das Geld wieder nicht reicht. Erneut ist unter anderem die Statik mit nötigen Abstützmaßnahmen während der Bauzeit und der Verbesserung des Baugrunds schuld. Allein die Mehrkosten dafür werden auf 389.000 Euro geschätzt.

Dazu kommen weitere 434.200 Euro an Mehrkosten, die sich aus den bisherigen Auftragsvergaben ergeben haben. Die Preise liegen weit über den Erwartungen, allein für den Rohbau-Bereich um mehr als 25 Prozent. Das Plus wird auch für noch ausstehende Vergaben angenommen.

Dringlichkeitsbeschluss gefasst

„Auch das ist eine Prognose“, betont Susanne Linnebach als Leiterin des federführenden Amtes für Stadterneuerung. Es könne am Ende günstiger, aber auch teurer werden. Erst einmal geht es um eine Kostenerhöhung von knapp 6 auf jetzt 8,12 Millionen Euro.

Weil die Zeit drängt, ist schon ein Dringlichkeitsbeschluss gefasst worden, den der Rat der Stadt am 8. Oktober bestätigen soll. Dabei geht es um einen weiteren Antrag auf Erhöhung der Fördermittel, der schon auf den Weg gebracht ist. Sie sollen von 5,37 Millionen Euro auf 7,16 Millionen Euro erhöht werden. Der städtische Eigenanteil steigt von 597.000 Euro auf 959.420 Euro.

Mit dem Land laufen zugleich Abstimmungsgespräche. „Es gibt sehr positive Signale, dass wir auch die Mehrkosten finanziert bekommen“, berichtet Susanne Linnebach. Schon jetzt gibt es die Zusage, dass man alle weiteren Gewerke ohne Einfluss auf die Förderung vergeben könne.

Umbau mit Neubau-Standard

Doch lohnt sich er Aufwand überhaupt, wären Abriss und Neubau nicht langsam billiger? „Die Frage haben wir uns durchaus auch gestellt“, sagt Susanne Linnebach. Doch man sei zu dem Schluss gekommen, dass Abriss und Neubau am Ende noch teurer würden.

Das umgebaute Fuhrmanns-Gebäude habe am Ende auch Neubaustandard, verspreche zugleich aber auch das besondere Hafen-Flair. Das Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, wird aber als denkmalwert eingestuft, erklärt die Amtsleiterin.

So soll das historische Gebäude an der Speicherstraße nach dem Umbau aussehen.

So soll das historische Gebäude an der Speicherstraße nach dem Umbau aussehen. © Ramsfjell HWR

Jetzt sollen die Umbauarbeiten möglichst noch in diesem Jahr beginnen. Denn die Zeit drängt. Bis Ende 2021 müssen die von der EU bewilligten Mittel abgerechnet sein. Deshalb bleibt es bei dem Zeitziel, den „Heimathafen“ im Jahr 2022 eröffnen zu können. Zu welchem Preis, das wird man am Ende sehen.

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