Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Veranstalter des „BVB-Spezial“. Der offizielle Grund: eine mutmaßliche Urheberrechtsverletzung. Hinter den Kulissen wird eine andere Vermutung laut.

Marten

, 15.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Anzeige gegen die Veranstalter des BVB-Abends im November 2019, die am Donnerstag (9.1.) bekannt wurde, ist möglicherweise das Instrument eines Machtkampfes um den Bürgerverein „Martener Forum“. Will da jemand der Vorsitzenden Monika Rößler bewusst schaden?

Die „BVB-Geschichten zum Schmunzeln“ haben am 22. November auf jeden Fall nicht alle in Marten amüsiert. Schon im Vorfeld gab es Zoff. Und der wirkt auch knapp zwei Monate später noch nach.

Wie jetzt bekannt wurde, gipfelt der Unmut in einem Ermittlungsverfahren gegen die Veranstalter und Ausrichter. Angezeigt sind der Moderator des BVB-Abends, Peter Schiefelbein, und Monika Rößler.

Ausstrahlung des Fußballspiels ist fragwürdig

Marieke Alberty, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Dortmund, bestätigte am Freitag (10. 1.), dass es dabei um eine mutmaßliche Urheberrechtsverletzung geht (das nicht-öffentliche Aktenzeichen ist der Redaktion bekannt).

Gegenstand der Ermittlungen ist die öffentliche Ausstrahlung der Bundesliga-Partie Dortmund gegen Paderborn über den privaten DAZN-Account von Peter Schiefelbein. Eine solche öffentliche Ausstrahlung soll nach den Nutzungsbedingungen des Streamingdienstes nicht erlaubt sein.

Schiefelbein betont jedoch auf Anfrage, sich im Vorfeld der Veranstaltung informiert zu haben. Laut seinen Informationen sei die Ausstrahlung in Ordnung gewesen. „Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, sagt er.

Fehde soll Schuld an der Anzeige sein

Zudem vermutet Peter Schiefelbein hinter der Anzeige ein ganz anderes Motiv. „Es geht hier nicht um Currywurst, Bier oder Fußball“, ist er sich sicher. „Es geht allein um den Vorstand des Martener Forums.“

Schließlich habe es einen Tag vor dem „BVB-Spezial“ Vorstandswahlen gegeben, mit deren Ausgang nicht alle Mitglieder glücklich seien. „Es gibt da Menschen, die Monika Rößler aus dem Vorstand haben wollen“, sagt Schiefelbein, der selbst Forums-Mitglied ist.

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Er erzählt von weiteren Situationen, in denen Monika Rößler angezeigt wurde. „Und das zu Unrecht – wegen Nichtigkeiten wie einem Stück fehlender Kabelabdeckung beim Sommerfest“, sagt er. „Frau Rößler tut viel Gutes für Marten. Aber hier herrscht ein ganz übles Denunziantentum.“

Vorstandswahlen im November 2019 waren für Monika Rößler positiv

Dennoch sind nicht alle auf ihrer Seite. Von vorschnell organisierten Veranstaltungen und mangelhafter Absprache innerhalb des Bürgervereins ist die Rede. Nach intensiven Recherchen im Wirkungsbereich des Martener Forums kristallisieren sich zwei Lager heraus.

Der BVB-Archivar und -Historiker Gerd Kolbe erzählte im Martener Meilenstein "BVB-Geschichten zum Schmunzeln".

Der BVB-Archivar und -Historiker Gerd Kolbe erzählte im Martener Meilenstein "BVB-Geschichten zum Schmunzeln". © Nils Foltynowicz

Ein Name, der als Gegenpol zu Monika Rößler immer wieder fällt, ist Axel Wolff. Wolff hatte sich bei den Wahlen am 21. November, am Vorabend des „BVB-Spezial“, ebenfalls um den Vorsitz des Martener Forums bemüht. Letztlich konnte er sich mit 5 von 24 Stimmen nicht gegen Monika Rößler durchsetzen.

Wer hat die Anzeige erstattet?

Aber ist das Grund genug für Axel Wolff, Anzeige gegen die Veranstalter der BVB-Abends zu erstatten?

Wolff, der sich als klarer Gegner der Veranstaltung positioniert hat, bestreitet auf Anfrage vehement, etwas mit der Anzeige zu tun zu haben.

Axel Wolff ist als Zeuge im Ermittlungsverfahren gegen Peter Schiefelbein und Monika Rößler geladen.

Axel Wolff ist als Zeuge im Ermittlungsverfahren gegen Peter Schiefelbein und Monika Rößler geladen. © Archiv

Er wurde allerdings als Zeuge im Fall der mutmaßlichen Urheberrechtsverletzung geladen und sollte am Dienstag (14.1.) im Polizeipräsidium Dortmund aussagen, bestätigt die Staatsanwaltschaft.

Wer Anzeige erstattet hat, möchte die Staatsanwaltschaft öffentlich nicht sagen. Nur so viel: Weder der Martener Wirt Michael Smajlovic, der den BVB-Abend im Vorfeld kritisiert hatte, noch DAZN selbst seien es gewesen. Es handele sich dabei um eine Privatperson.

Der Anzeigensteller weiß als erster Bescheid

Möglich ist eine solche Anzeige nämlich nicht nur für den Geschädigten, also DAZN, selbst. Wenn – wie in diesem Fall – ein besonderes öffentliches Interesse besteht, kann auch jeder andere, so Henner Kruse, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, einen Strafantrag stellen.

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„Der Anzeigensteller weiß üblicherweise als erstes von dem Verfahren und wird dann auch als erster Zeuge vernommen“, sagt dazu Henner Kruse von der Staatsanwaltschaft. „Erst später werden die Beschuldigten von unserer Seite informiert.“ Die hoffen indes, dass sich alles noch zum Guten wendet.

„Nach dem ganzen Ärger war ich trotz der gelungenen Veranstaltung froh, als alles vorbei war“, sagt Peter Schiefelbein. Dass jemand jetzt noch einmal nachtrete, könne er nicht verstehen. „Ich hoffe, dass diese Sache keinen Erfolg hat.“

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