Mehr Freiheiten sollen Menschen bekommen, die zweifach gegen Corona geimpft sind. © dpa
Corona-Pandemie

Erleichterungen für Geimpfte: Die meisten Dortmunder haben nichts davon

Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft oder nach Erkrankung wieder genesen sind, sollen ab Montag wichtige Rechte zurückbekommen. Doch wie viele Dortmunder können davon profitieren?

Ohne frischen Corona-Test zum Friseur oder in den Zoo oder zum Einkaufen mit Termin – das sind Rechte, die ab diesem Montag auch Menschen in Anspruch nehmen können, die vollständig geimpft oder nach einer Corona-Erkrankung genesen sind. Doch die Auslegung im Alltag ist recht kompliziert. Und die Zahl der Dortmunderinnen und Dortmunder, die davon profitieren, ist aktuell noch gering.

Die Corona-Schutzverordnungen enthalten viele komplexe Regelungen. Und die neueste Anpassung, die das Land NRW am Samstag vorgestellt hat, macht es nicht einfacher. Dabei geht es um die Gleichstellung von Menschen, die bereits einen Immunschutz gegen das Coronavirus haben, mit negativ Getesteten.

Betroffen sind davon zwei Gruppen:

  • Zum einen alle Menschen, die bereits zweimal mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff geimpft worden sind – das betrifft in diesem Fall die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Die Zweitimpfung muss aber mindestens zwei Wochen zurückliegen, weil erst dann der volle Impfschutz eintritt. In Dortmund wären das rund 28.200 Menschen (Stand: 30.4.).

  • Zum anderen alle Menschen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben und als Genesene gelten. Die Erkrankung darf aber nicht mehr als ein halbes Jahr zurückliegen – unter der Annahme, dass der Immunschutz mit der Zeit nachlässt. In Dortmund wären das rund 18.000 Menschen.

  • Eine Zwischenrolle nehmen die Menschen ein, die nach einer mehr als ein halbes Jahr zurückliegenden Corona-Erkrankung als gesund gelten und danach einmal geimpft wurden, um den Immunschutz aufzufrischen. Dazu gibt es keine aktuellen Zahlen. Sie dürften aber nicht allzu hoch sein. Denn bis vor einem halben Jahr galten gerade einmal knapp 3000 Dortmunderinnen und Dortmunder als Genesene nach einer Corona-Erkrankungen.

Zusammengerechnet dürften die jetzt geltenden Erleichterungen in Dortmund für weniger als 50.000 Menschen gelten – also etwa 8,6 Prozent der Dortmunder Bevölkerung. Und die meisten davon dürften mit Blick auf die Priorisierung bei den Impfungen über 70 Jahre alt sein.

Immerhin: Nach dem Tempo der Zweitimpfungen und Gesundungen der letzten Zeit dürfte die Zahl um knapp 3400 Menschen pro Woche steigen.

Komplizierter Nachweis

Kompliziert ist aber auch der Nachweis, mit dem man seine zurückerworbenen Rechte geltend machen kann. Zweifach Geimpfte haben den Impfpass als Beleg. Genesene müssen ein positives Testergebnis nachweisen, das mindestens 28 Tage und maximal 6 Monate her ist – und bei einer länger zurückliegenden Erkrankungen zusätzlich den Impfnachweis, der mindestens 14 Tage alt ist.

Und was bekommen sie dafür in Dortmund? Sie können ohne tagesaktuellen Test den Zoo oder einen Friseur besuchen oder eine andere „körpernahe Dienstleistung“ wie etwa Fußpflege in Anspruch nehmen.

Prinzipiell können sie auch wieder „Click and Meet“-Angebote des Einzelhandels, also nach Terminvereinbarung, ohne vorherigen Test nutzen. In Dortmund geht das allerdings noch nicht, so lange die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt über 150 liegt. Aktuell liegt sie knapp unter 200.

Generell sind die Erleichterungen für Geimpfte und Genesene selbst unter Fachleuten höchst umstritten. Dortmunds Gesundheitsamts-Chef, Dr. Frank Renken, warnte in der vergangenen Woche davor.

Er verwies darauf, dass auch zweifach Geimpfte und Genesene weiterhin andere Menschen anstecken könnten. Denn der Immunschutz schützt in der Regel zwar vor schweren Krankheitsverläufen, aber nicht generell gegen eine Ansteckung. Renkens Sorge: Wenn mehr 90 Prozent der Bevölkerung noch nicht in diesem Sinne immunisiert seien, nehme man in Kauf, dass das Infektionsgeschehen wieder aufflammen könne.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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