Erinnerungen an ein Eving mit Gummitwist auf der Straße

dzSerie: „Auf ein Eis mit ...“

Für unsere Serie „Auf ein Eis mit ...“ haben sich Nona Simakis und Andreas Schröter getroffen. Die 54-Jährige berichtet über Schönes - aber auch über einen Fall von Diskriminierung.

Eving

, 16.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Ur-Evingerin Nona Simakis (54) ist vielseitig interessiert. Sie ist Romanautorin und trägt den Titel Dai Shihan in der asiatischen Kampfsportart Ninjutsu - um nur einiges zu nennen. Und sie wollte mit uns ein Eis essen.

Hallo Frau Simakis, sind Sie auch in Eving geboren?

Nein, ein Großonkel hatte damals eine eigene Klinik in Veria in Griechenland. Also ist meine Mutter kurz vor der Geburt hingeflogen, obwohl meine Eltern in Deutschland lebten. Ich bin also in Griechenland geboren. Meine Eltern haben damals, glaube ich, erst in Huckarde gelebt, sind aber dann schnell nach Eving gezogen.

Also sind Sie auch in Eving zur Schule gegangen?

Ja, auf die Herder-Grundschule. Da hatte ich eine Lehrerin, Frau Nowicki, die mich für das Lesen und Schreiben begeistert hat. Und dafür werde ich ihr ewig dankbar sein. Leider ist sie schon gestorben. Ich habe damals meine erste Geschichte geschrieben: „Das Feuer im Haus“ - ein Brand aus der Sicht des Feuers. Danach wollte ich eigentlich aufs Heisenberg-Gymnasium, aber da wollten sie keine ausländischen Kinder.

Bitte?

Ja, das war damals so. Meinen Eltern wurde das klipp und klar so gesagt. Ich war dann auf der Theodor-Heuss-Realschule. Mein Vorname, eigentlich „Pagona“, wurde auch damals in „Ilona“ eingedeutscht. So habe ich noch bei meinem ersten Job bei Ylang geheißen. Deswegen werde ich mal irgendwann weniger Rente bekommen, weil diese Ilona damals in die Rentenversicherung eingezahlt hat und ich davon nichts habe.

Welche Erinnerungen haben Sie sonst an das Eving von damals?

Gute. Wir haben den ganzen Tag draußen gespielt. Wir wohnten an der Nachoder Straße in der Kirdorf-Siedlung. Wenn wir da zum Beispiel Gummitwist auf der Straße gespielt haben, haben sich die Eltern an die nächste Kreuzung gestellt und aufgepasst, dass keine Autos in die Straße fuhren. Heute wäre das undenkbar. Meinen Vater kannte damals jeder, weil er erst ein Taxi-Unternehmen hatte und dann Inhaber der Gaststätte „Rübezahl“ am Rübezahlweg war. Da trafen sich die ganzen Vereine. „Theo, Theo“, riefen immer alle, wenn ich mit ihm spazieren ging. Ich war sogar mal Schützenkönigin. Bei der Schützengilde Kemminghausen muss das gewesen sein. Da war ein einsamer Mann, der mich gefragt hat, ob ich seine Königin werden wollte. Und weil ich wusste, dass er nicht schießen konnte, habe ich ja gesagt. Und dann hat er den Vogel abgeschossen ...

Hat sich Eving seither verändert?

Ja leider - und nicht zum Guten. Zuerst hatten wir Mädchen Schwierigkeiten mit den muslimischen Mädchen. Die Eltern von denen hatten wohl Angst, dass der Umgang mit uns sie vom richtigen Glauben abbringen könnte. Später sind wir dann aber besser mit ihnen zurechtgekommen. Meine Oma konnte Türkisch. Das war die Brücke. Wir haben auch mal eine türkische Familie finanziell unterstützt. Was mir heute an Eving nicht gefällt, ist zum Beispiel der Umzug des Marktes. Ich war Stammkundin, als er noch an der Bayrischen Straße war. Der Markt war so eine Art Treffpunkt für alle. Auch gefällt es mir natürlich ganz und gar nicht, wenn Nazis über die Deutsche Straße ziehen, wie das vor ein paar Jahren öfter passiert ist.

Sie haben vor ein paar Jahren mit „Kassandras Weg“ einen Roman herausgebracht. Was ist aus Ihrem Schreiben geworden?

Ich schreibe zur Zeit an einer Serie mit dem Titel „Glaukos Memoiren - die wahren Geschichten über den Olymp und seine Götter“. Darin geht‘s um Eulen von Athen.

Erinnerungen an ein Eving mit Gummitwist auf der Straße

Nona Simakis bei der Vorstellung ihres Buches „Kassandras Weg“ im Jahr 2015. © Oliver Schaper


Und sind Sie noch Kampfsport-Trainerin?

Ja, aber nur noch eine Stunde samstags in der Turnhalle der Theodor-Heuß-Realschule. Ich teile mir das Training mit meinem Mann Raphael Shahni.

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