Erdbeeren pflücken mit Maske und Abstand – Polizei kontrollierte Selbstpflücker

dzCorona-Sommer

Nach dem Shutdown zieht es die Erdbeer-Pflücker aufs Feld. Trotz strenger Anti-Corona-Vorschriften herrscht reger Betrieb. Auch die Polizei war schon da.

Dortmund

, 04.06.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Obwohl die Sonne schon seit März strahlt, hat die schöne Jahreszeit für Doris Teubhardt erst jetzt so richtig begonnen. „Auf das Pflücken der Erdbeeren freue ich mich Jahr für Jahr“, sagt die Dortmunderin, „damit beginnt für mich der Sommer.“

Seit Ende Mai kann Teubhardt nun wieder ihrer Leidenschaft frönen: Auf dem Oespeler Erdbeerfeld des Bauern Schulze Neuhoff dürfen die Früchte nun wieder selbst geerntet werden. Nach Shutdown und Kontaktsperre ein Genuss für Naturliebhaber - allerdings unter strengen Auflagen.

Strenge Vorschriften

Die Schilder am Eingang zum Feld verdeutlichen, dass die Coronakrise auch an der Erdbeerbranche nicht spurlos vorübergegangen ist. Mehrere Tafeln weisen die Selbstpflücker darauf hin, den nötigen Abstand einzuhalten, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, sich die Hände im Vorfeld zu desinfizieren und das Kassenhäuschen nur einzeln zu betreten.

Erdbeerbauer Knut Schulze Neuhoff ist trotz der Auflagen mit dem Saisonstart zufrieden: „Der Absatz ist bislang gut.“

Erdbeerbauer Knut Schulze Neuhoff ist trotz der Auflagen mit dem Saisonstart zufrieden: „Der Absatz ist bislang gut.“ © Udo Hennes (A)

„Wir werden genauso behandelt wie ein Lebensmittel-Einzelhandelsgeschäft“, sagt Erdbeerbauer Knut Schulze Neuhoff, „und deshalb müssen wir alle Besucher auf diese Vorschriften hinweisen.“

Dazu gehört außerdem die Mitteilung, dass die Beeren nicht auf dem Feld oder in 50 Meter Umkreis gegessen werden dürfen. Ob sich jedes Kind - die dicken, roten Beeren vor Augen - daran hält, sei dahingestellt.

Doch generell verhalten sich die Besucher laut Schulze Neuhoff sehr diszipliniert: „Am Dienstag war die Polizei zur Überprüfung hier und hat alles für gut befunden.“

Abstand halten: Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, gibt es auf dem Oespeler Erdbeerfeld momentan eine Einbahn-Regelung.

Abstand halten: Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, gibt es auf dem Oespeler Erdbeerfeld momentan eine Einbahn-Regelung. © Michael Schuh

Felder gut besucht

Die Freunde der frischen Früchte nehmen die Einschränkungen offenbar gern in Kauf, denn das Feld in Oespel ist seit der Öffnung gut besucht. Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, dass in jedem Durchgang zwischen den Erdbeerreihen nur eine zusammengehörende Gruppe unterwegs ist.

Eine weitere Maßnahme, die dem Virus geschuldet sei, erläutert Schulze Neuhoff: „Wir haben ein Konzept erarbeitet, wie man den Abstand möglichst gut wahren kann. Hier herrscht jetzt eine Art Einbahnstraßenverkehr.“

Rainer Kolmitz ist Stammkunde in Oespel. Demnächst will er 16 Kilo Beeren für seine selbst gemachte Marmelade pflücken.

Rainer Kolmitz ist Stammkunde in Oespel. Demnächst will er 16 Kilo Beeren für seine selbst gemachte Marmelade pflücken. © Michael Schuh

Auch Rainer Kolmitz lässt sich von den neuen Regeln nicht abschrecken - nach Wochen der Kontaktsperre ist das Gegenteil der Fall. „Ich bin schon zum dritten Mal in diesem Jahr hier“, erzählt der Rentner, als er das Gelände mit einem prall gefüllten Körbchen in der Hand verlässt. „Aber nächste Woche geht‘s erst richtig los. Dann wird für die Marmelade gesammelt - und das können schon mal 16 Kilo Erdbeeren sein.“

Pflücken statt Schule

Wegen des Coronavirus fällt die Schule für Antonia Steinbach in dieser Woche aus; anstatt den Morgen im Bett oder vor dem Computer zu verbringen, nutzt die 15-Jährige die freie Zeit, um mit Oma Christine Steinbach Erdbeeren zu pflücken. Natürlich ganz vorbildlich mit Mundschutz.

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Aber ist so ein Stofflappen im Gesicht bei dem herrlichen Sommerwetter nicht hinderlich? Antonia Steinbach schüttelt den Kopf: „Nö. Wir tragen den ja teilweise auch in der Schule, sodass man sich dran gewöhnt hat.“

Dass sie nun in gebückter Haltung zwischen den Pflanzen umherkrabbeln muss, anstatt mal eben ein Schälchen Beeren im Supermarkt zu kaufen, stört die 15-Jährige ebenfalls nicht: „Die Erdbeeren schmecken einfach besser als im Geschäft - und man weiß, wofür man es macht.“ In diesem Fall für Smoothies und Muffins.

Morgens, mittags, abends: Doris Teubhardt ernährt sich momentan vorwiegend von Erdbeeren.

Morgens, mittags, abends: Doris Teubhardt ernährt sich momentan vorwiegend von Erdbeeren. © Michael Schuh

Auch Doris Teubhardt nimmt den Mundschutz ob des besseren Geschmacks der selbst gepflückten Früchte gerne in Kauf. Wie jedes Jahr sammelt die Rentnerin, die sich scherzhaft als „militante Selbstpflückerin“ bezeichnet, die Beeren für Kuchen, Milchshakes oder Joghurtspeisen. Momentan, zu Beginn der Saison, geht sie aber noch einen Schritt weiter: „Zurzeit lebe ich fast von Erdbeeren. Ich esse sie morgens, mittags, abends.“

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