Er will Dortmunder Oberbürgermeister werden - und twittert schon fast so viel wie Trump

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Dortmund wählt 2020 einen neuen Oberbürgermeister. Alle reden über Thomas Westphal (SPD) und Andreas Hollstein (CDU). Nun taucht ein Mann auf, der als Parteiunabhängiger ins Rennen gehen will.

Dortmund

, 27.12.2019, 11:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oberbürgermeisterkandidat Ingolf Griese. Mit diesem „Titel“ tritt seit einigen Wochen im Internet ein Mann auf, kommentiert bei Facebook und Twitter politische und nichtpolitische Themen. Wer weiter nach diesem Namen forscht, stößt auf Ingolf Griese, 66, aus Hörde. Sein Ziel: am 13. September 2020 auf dem Wahlzettel stehen. Und damit die Dortmunder Politik verändern.

„Dortmund muss bürgernäher werden“, sagt Ingolf Griese. Zu viele Entscheidungen würden an den Bewohnern der Stadt vorbei getroffen, ohne ihnen richtig zuzuhören. „Das würde ich ändern.“

Die notwendige Zahl an Unterschriften hat er noch nicht zusammen

Was ihm für die Zulassung zur Wahl noch fehlt, ist die Mehrzahl der insgesamt 470 notwendigen Unterstützungsunterschriften. „Aber die bekomme ich zusammen“, sagt er voller Selbstsicherheit. Bis Juni hat er dafür Zeit.

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Was auf jeden Fall zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen könne, sei ein vorzeitiges Ende seines Engagements. „Dafür habe ich schon zu viel hineingesteckt. Das wäre ja dann etwas peinlich.“

„Ich bin ein Dortmunder Urgestein“, sagt Ingolf Griese über sich selbst. Seine Basis ist Hörde. Gelernt hat er bei „Karl Hoesch“, jenem imaginären Urvater ganzer Generationen von Dortmundern.

Griese: „Ich habe viel Strukturwandel selbst mitgemacht.“

„Ich habe schon viel Strukturwandel selbst mitgemacht“, sagt der 66-Jährige. Er kenne die Bierstadt Dortmund, er kenne die großen Zeiten von Hoesch. Seit vielen Jahren und auch aktuell immer noch als Berater in der Arbeitsvermittlung und in der Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen und Jugendlichen.

„Bildung“ laute deshalb ein zentrales Schlagwort in der Wahl-Kampagne, die Ingolf Griese in den nächsten Wochen starten will. Er möchte unter anderem Konzepte entwickeln, wie junge Menschen in Dortmund besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

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Parteipolitisch möchte er sich in keine Richtung festlegen - außer, dass er radikale Positionen ablehnt. Er war schon für eine Partei auf Bezirksebene aktiv, möchte aber nicht verraten, für welche. „Sonst würde ich damit immer in Verbindung gebracht werden.“ Griese betont: „Ich trete als unabhängiger Einzelkandidat an. Ich will neutral auftreten. So wie die Funktion des Oberbürgermeisters es verlangt.“

Kritik an „Vetternwirtschaft und Inkompetenz“

In seinen Statements auf Twitter und Facebook äußert er Kritik an „etablierten Parteien“, an Forderungen der Grünen oder an der aktuellen Fachkräftepolitik Deutschlands. In einem Beitrag heißt es: „Nase voll von Vetternwirtschaft und Inkompetenz? Dann geht es richtig mit mir los. 2020!“

Die Resonanz und die Zahl der Follower ist bisher überschaubar. Die Zahl der Tweets und Posts erreicht mit bis zu fünf am Tag schon fast Verhältnisse von US-Präsident Donald Trump.

Ab Januar soll der Wahlkampf an Fahrt aufnehmen. Grieses Konkurrenten treten jetzt schon in Position. Da, wo die anderen ein professionelles Team haben, kann der Einzelkandidat auf Mitglieder seiner Familie zurückgreifen. Infoflyer sind bereits gedruckt, man werde ihn auch ganz klassisch in Fußgängerzonen sehen. „Ich freue mich auf den Wahlkampf.“

Die scheinbare Übermacht seiner politikerfahrenen Konkurrenten schreckt den 66-Jährigen nicht ab. Ebenso wenig wie die Komplexität, die das Oberbürgermeisteramt mit seinen Verzweigungen in Bundes- und Landespolitik oder in die überregionale Wirtschaft mit sich bringen würde. „Dafür gibt es ja genügend fachkundige Mitarbeiter.“

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